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Fabrikareal

Beginn der Route Gahurova 4467
Erstes Objekt
František Lýdie Gahura, 1993
Öffentlicher Nahverkehr: náměstí Práce (TROL 2, 3, 4, 5, 6, 10, 11, 12, 13, 14, BUS 31, 38, 70)

Das Fabrikareal bildete den Kern des neuen Zlíns, einer Firmenstadt, die seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts prosperierte und parallel zu dem Unternehmen Baťa gewachsen ist. Bis heute ist das Areal einer der authentischsten Orte, die von einer jahrzehntelangen Industrieproduktion Zeugnis ablegt.
Die erste Bauetappe spielte sich in der Nähe der Eisenbahnstation ab, wo zwei Backsteinwerkstätten mit Wohnräumen im ersten Stock errichtet wurden. In den Jahren 1905–1906 begann man damit, mehrstöckige Produktionsobjekte für Maschinenräume und Maschinenbauwerkstätten zu bauen, dank denen der Betrieb übersichtlicher und effizienter wurde. Es handelte sich um unverputzte Objekte, die Backsteinfassaden wurden durch mächtige Fenster mit gewölbten Fensterstürzen gegliedert. Die Pläne zu den ersten Produktionsgebäuden hatte Tomáš Baťa von seinen Reisen durch die USA mitgebracht und ließ sie von dem aus Uherské Hradiště stammenden Architekten Dominik Fey für die Zlíner Umgebung überarbeiten.
Zu diesem Zeitpunkt zählte das Unternehmen bereits zu den technologisch mit den modernsten Maschinen ausgestatteten Werken, die im 1. Weltkrieg die österreichische Armee versorgte. Parallel zu den Fabrikhallen entstanden im Areal spontan auch provisorische Bauten wie Schuppen, Holzanbauten, Überdachungen und andere Übergangsobjekte. Die während der kriegsbedingten Hochkonjunktur rasend schnell erfolgende Entwicklung wurde durch die Entstehung der Tschechoslowakei gestoppt, als der Produktionsumfang zurückging und damit auch die Entwicklung der Firma ins Stocken geriet. Ein weiterer Aufschwung erfolgte dann erst wieder sechs Jahre später.
Dieser Zeitraum wurde für die Planung eines Konzeptes genutzt, das im Jahr 1923 darin mündete, den Bau von Fabrikhallen einheitlich zu gestalten. Grundlage für alle weiteren Baupläne war ein Konstruktionsmodul mit einer Spannweite von 6,15 × 6,15 m, das auf amerikanischen Maßeinheiten (20 × 20 Fuß) basierte. Die neuen Fabrikgebäude haben ein Grundvolumen von 13 × 3 Feldern mit Treppenanbauten. Die meisten Gebäude haben einen rechteckigen Grundriss (20 × 80 m) und drei oder fünf Stockwerke. Die Fassade gliedern großflächige Stahlfenster, deren Brüstungen aus Backsteinausmauerungen bestehen, die Stürze hell verputzt wurden und die Säulenkonstruktion des Skelettes erkennbar ist. Das attikalose Flachdach wurde mit Asphaltpappe eingedeckt. In den Hallenobjekten hat man Maschinenräume und kleinere Betriebsstätten konzentriert.
Der ganze „Fabrik in Gärten“ genannte urbanistische Entwurf wurde von Firmenarchitekt František Lýdie Gahura entworfen. Der Entwurf stützt sich auf die Vertrautheit mit vergleichbaren Projekten von Company Towns in den USA und Großbritannien. Das Areal der Fabrikgebäude hatte bereits den klaren Charakter einer Corporate Identity und breitete sich in regelmäßigen, parallel verlaufenden Reihen aus. Dergestalt erscheinen nebeneinander Räume einer Industrieproduktion und des Managements sowie zu Erholungszwecken dienende Grünflächen. Zeitgenössische Fotografien zeigen eine Fülle an Grün und die Gestaltung der von Bäumen gesäumten Straßen und Gehwege.
Bestandteile der Baťaschen Kommunikationsstrategie waren allgegenwärtige Slogans, mit denen die Werktätigen zu besseren Leistungen und einer ständigen Perfektionierung motiviert werden sollten. Die Inschriften befanden sich in den Fabrikhallen, aber auch an Mauern und auf weiteren freien Flächen. Der Zlíner Alltag war ganz und gar durchdrungen von den Botschaften kurzer Texte oder von Werbesprüchen an öffentlichen Gebäuden. In dem von einer Mauer umgebenen abgeschlossenen Areal wurde eine sorgfältig durchdachte, direkt mit der Produktion zusammenhängende Beförderungslogistik eingehalten. Seilbahnen mit beweglichen Gurten hoch über den Köpfen der Angestellten beförderten Tonnen von Halbfabrikaten, Fertigteilen oder Endprodukten.
Neben Schuhen wurden im Fabrikareal die entsprechenden Halbfabrikate, Stoffe, Treib- und Baustoffe für die Firmenbauten hergestellt. Zum Werk gehörten Maschinenbauwerkstätten, Wälder, Wirtschaftsobjekte und auch Flugplätze. Im Westteil des Areals entstand ab 1932 Gebäude Nr. 75, in das die Reifenproduktion und später dann die Gummiwerke verlagert wurden, die ab den fünfziger Jahren den staatseigenen Betrieb Barum Otrokovice bildeten.
Die gravierendste Auswirkung auf das Aussehen des Fabrikareals hatte die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten am 20. November 1944, von der besonders der Ostteil betroffen war. Gebäude Nr. 14, 15, 16 und 26 wurden völlig zerstört, weitere Gebäude wurden beschädigt und mussten später abgerissen werden. Nach Kriegsende wurden auf den freigewordenen Parzellen neue Fabrikgebäude errichtet, für die man ein unterschiedliches Modulsystem verwendete, das auf die Maße 7,85 × 6,15 × 7,85 m erweitert wurde. Dadurch wurde die Arbeitsfläche vergrößert, und in den Zwischenetagen konnten Umkleide- und Sozialräume für Männer und Frauen untergebracht werden.
Das verstaatlichte Fabrikareal blieb auch nach 1948 ein wichtiges Industriezentrum. Im Laufe der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wurden dort Gebäude entworfen, die über die modernste technologische Ausstattung verfügten. Das urbanistische Gesamtkonzept wurde beibehalten, und neue Gebäude füllten nach und nach die nach dem Bombenangriff freigewordenen Stellen oder fanden Platz im Westteil des Areals.
In den neunziger Jahren war das Areal immer noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch deshalb blieb das ausgedehnte Gelände weiterhin in konservierter Form erhalten, der von F. L. Gahura stammende Regulierungsplan war immer noch erkennbar. Erst später wurden die einzelnen Gebäude nach und nach an Privateigentümer veräußert. Die Schuhindustrie ging nach und nach bankrott. Nach dem Jahr 2000 wurde das Areal in mehreren Etappen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht und die Gebäude nicht mehr zu Produktionszwecken genutzt. Gegenwärtig macht der ehemalige Fabrikbezirk eine Wandlung durch und wird allmählich in die Struktur der Stadt eingebunden. Man kann ihn als neues Zentrum des Stadtlebens betrachten. Neben dem Sitz der Region und der Verwaltung, den Geschäften, Gastronomiebetrieben oder einer Krankenhauseinrichtung befinden sich dort auch eine Kultureinrichtung der Region und Wohnungseinheiten.