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Náměstí Míru

Datierung
Kode Z13
Adresse náměstí Míru, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Náměstí Míru (TROL 1, 2, 3, 4, 5, 8, 9, 11, 13; BUS 31, 32, 33, 35, 36, 53, 70, 90)
GPS 49.2268381N, 17.6669333E

Der Náměstí Míru (Platz des Friedens) ist das Zentrum Zlíns, ein öffentlicher Raum, der seine Geschichte in einem langen Horizont widerspiegelt, ohne Akzent auf eine konkrete Zeit des Aufschwungs oder Niedergangs, er ist ein Ort, der heute an alle wichtigen Entwicklungsetappen der Stadt erinnert und gleichzeitig ein „Gedächtnisort“ der lokalen und gesamtstaatlichen Geschichte. Der Platz trägt seit 1951 seinen Namen. In den Jahren 1925–1940 und 1945–1951 hieß er Masaryk-Platz und während des Protektorats Hauptplatz.
Der wahrscheinlich von einem Lokator als rechteckiger Raum abgesteckte Platz, von dem die Straßen symmetrisch abgehen, war seit dem Mittelalter der Hauptplatz der Stadt Zlín, die eine Untertanenstadt von lokaler Bedeutung war. So wie in der überwiegenden Mehrheit mitteleuropäischer Städte, stand auch in Zlín am Hauptplatz ein Rathaus (erwähnt wird es im Jahr 1569, umgebaut oder neu errichtet wurde es um 1586, als es seine Renaissancegestalt erhielt; 1760 wurde es renoviert und vergrößert) und ein Brunnen (dessen heutige Gestalt er 1993 erhielt). Das Rathaus ragte über die benachbarten einstöckigen und zweistöckigen Häuser hinaus.
Die Kirche befand sich einige Dutzend Meter vom Platz entfernt an der Hauptfernstraße, die in Nord-Süd-Richtung vom Hügel Hradiště (Straße Hradská) zum Übergang über den Fluß Dřevnice (Straße Dlouhá) durch die Stadt verläuft. Die auch Kirchgasse (Kostelní) genannte Schulstraße (Školní) verlief vom Platz aus in südöstlicher Richtung den Hang hinauf zur Kirche und der benachbarten Schule und dem Friedhof, die zu den Grundobjekten einer vormodernen Stadt gehörten.
Westlich vom Platz befand sich ein Schloss und das ausgedehnte Areal seiner Gärten und die Wirtschaftsgebäude. Entlang der Mauer des Schlossparks verlief die Straße Kovářská, die den Platz mit einem der beiden Zlíner Vorstädte namens Trávník (Grygov) im Bereich des heutigen Bahnhofs verband. Der nördliche Stadtrand wurde durch die Nähe des Flusses Dřevnice charakterisiert. Vom Platz aus führte in diese Richtung die Mlýnská (Mühlenstraße) genannte Straße (heute lediglich durch einen Durchgang ersetzt, der sich allerdings an einer anderen Stelle als der damalige Straßenverlauf befindet), die zur unteren Mühle führt. Eine wichtige Geschäftsstraße war die Hauptstraße (Hlavní), die den Platz mit der Straße Dlouhá verband, die durch den östlichen Stadtrand verlief.
In der Zeit, als Zlín den Herren von Rothal gehörte, erinnern zwei Barockstatuen auf dem Platz: die des heiligen Donatus und des heiligen Florian (František Ondřej Hirnle), die dort wahrscheinlich ab Mitte des 18. Jahrhunderts stehen.
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts oder spätestens im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts machte die mitteleuropäische Stadt eine sog. Modernisierungsetappe durch, in der die Infrastruktur aufgebaut und moderne Verkehrswege angelegt wurden und man infolge des Aufschwungs der Selbstverwaltung und des Vereins- und Gesellschaftslebens wichtige öffentliche Gebäude errichtet hat. Dank ihnen erhielt die Stadt einen neuen Charakter. In der damals sehr provinziellen Stadt Zlín erfolgte die Modernisierung erst am Schluss dieser Periode. 
Zu ihrem baulichen Symbol wurde u.a. das Gebäude der Volks- und Bürgerschule. Sie wurde 1896–1897 von dem aus Uherské Hradiště stammenden Architekten Dominik Frey an der heutigen südwestlichen Ecke des Platzes – am Rand des heutigen Komenský-Parks – errichtet. Ab 1934 wurden einige ihrer Räumlichkeiten von der Bibliothek genutzt, und ab 1935 hatten dort verschiedene Behörden ihren Sitz. Einzelne Räumlichkeiten wurden beispielsweise von der Kirche und von Vereinen angemietet, und im Laufe der sechziger Jahre wurde das Gebäude nach und nach vor allem von der Bibliothek genutzt, nach der Renovierung (2014) wurde sie zum Zentrum für Aktivitäten aus dem Bereich der Zlíner Amateur-Kultur. Seit 1925 bezeichnete man die zu ihr führende Straße als Schulstraße (Školní).
Im Jahr 1921 ist das Rathausgebäude abgebrannt. Der Bau des neuen Objektes wurde in den Jahren 1922–1924 nach einem Entwurf von František L. Gahura realisiert und deutete eine neue Etappe der Zlíner Geschichte an, die durch einen grundsätzlichen Wandel dahingehend charakterisiert wird, die Stadt, ihren Städtebau und ihre Architektur gesamtheitlich zu betrachten. In der zweiten Hälfte der zwanziger und in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte Zlín einen qualitativ und quantitativ nie dagewesenen Bauboom. Die Stadt war eine Großbaustelle und gleichzeitig ein „Labor“ für neue Technologien. Zum Brennpunkt des Alltags der Stadt wurde der Platz der Arbeit, trotzdem ist das Leben an dem „alten Platz“ nicht völlig vorbeigegangen.
Das Rathausgebäude symbolisiert eine wesentliche Charakteristik des allgemeinen Aufschwungs in dieser Zeit, die für die sog. Industrie- bzw. Fabrikstadt typisch ist – Tomáš Baťa, der Besitzer des größten Industriebetriebs in der Stadt, wurde im Jahr 1923 Bürgermeister der Stadt, die er ab diesem Zeitpunkt nach den Bedürfnissen seines Unternehmens umgestaltete (1932 wurde er von dem der Baťa-Fabrik gegenüber loyalen Dominik Čipera abgelöst).
Ab 1932 wurde der Häuserblock zwischen dem Platz und der Straße Potrubní abgerissen (durch sie wurde vom Kudlover Bach/Kudlovský potok Wasser zum auf dem Platz befindlichen Brunnen geleitet). Sie hatte aus Erdgeschosshäusern kleinstädtischen Charakters bestanden, die sich in der Hand von örtlichen Handwerkern und Geschäftsleuten befanden. Ihre Aufgabe im Straßennetz der Stadt wurde durch die neue West-Ost-Verkehrsader Tomáš-Baťa-Boulevard umgeschrieben. Das neue Image der Stadt, deren neuen Straßen, Plätze und Gebäude sich unter anderem durch eine bis dahin nie gesehene Ästhetik und einen neuen Maßstab auszeichneten, wurde durch Parolen auf den Blendfassaden der noch stehenden Häuser verkündet wie etwa „Wir bauen ein Großes Zlín auf. Wir reißen das vergangene Jahrhundert ab. Wir machen einen Regulierungsplan.“ Von der gesamten Häuserfront ist nach 1947 nur Haus Nr. 186, das sog. Janáček-Haus übriggeblieben.
Der Platz erhielt eine unregelmäßige Form, er verlor seine Kompaktheit und Intimität, und seine Anordnung ist bis heute nicht eindeutig. Die Stelle an der südöstlichen Ecke des damals vergrößerten Platzes wurde von dem großzügigen, zweistöckigen Trantírek-Mietshaus mit Geschäftsräumen im Erdgeschoss eingenommen (1940); die Südfront wurde größer und umfasste u.a. das Eckhaus mit dem Café Archa. Verändern sollte sich auch die Ecke an der Straße Kovářská (ab 1925 Bartošova), die seit 1897 den Hauptverkehrsweg zum Bahnhof bildete, dessen Umbau und Verlegung näher zum Stadtzentrum hin in den dreißiger und in der ersten Hälfte der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts intensiv in Betracht gezogen worden war. Die Stelle an der Ecke wurde aber erst nach 1977 von dem Post- und Telekommunikationsgebäude eingenommen.
Während die baulichen Eingriffe in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – mit Ausnahme der genannten Gebäude – sich auf ein Minimum beschränkten, wurde der Charakter eines beträchtlichen Teils der Ostfront des Platzes im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts durch die Einkaufsgalerie Goldener Apfel (Zláté Jablko, 2008) umgeschrieben, die sich durch den ganzen Häuserblock bis zur Straße Dlouhá zieht.
Inzwischen ist aus dem „alten Zlíner Platz“ ein Schauplatz für den Fall des kommunistischen Regimes und dafür geworden, dass sich Gottwaldov wieder zu Zlín zurückgewandelt hat. Am Rathausgebäude erinnert eine Bronzeplakette von Otmar Oliva aus dem Jahr 2005 an die Ereignisse des Jahres 1989 und dient als Mahmal für die Opfer des Totalitarismus.
 
 
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