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Villa der Eheleute Pluháček

Datierung 1925–1926
Architekt/in Bohumil Zámečník
Kode Z6
Adresse Kvítková 780, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Lešetín I (BUS 38)
GPS 49.2271392N, 17.6735803E
Literatur
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009

Mit dem Aufschwung der Industrialisierung verändert sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur das historische Zentrum Zlíns mit dem Platz des Friedens und den daran angrenzenden Straßen, sondern auch die älteren Viertel in der Umgebung. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Zlín noch einige Schuhfabriken (Meta Zlín, Schuhfabrik Zapletal), deren Arbeiter, die eine neue Einwohnerschicht bildeten, untergebracht werden mussten. Neben den Bauaktivitäten der örtlichen Genossenschaften tauchen auch großzügigere Familienhäuser oder Villen für vermögendere Unternehmer auf. Die Notwendigkeit, den Aufschwung der Zlíner Industrie zu bewältigen, führte auch zu ersten Regulierungsplänen, die von dem Zlíner Bauunternehmer Josef Winkler (geb. 1872) erstellt wurden. Eines der ersten modernisierten Bezirke war Ciganov mit den Straßenzügen Padělky, nach und nach wurden beispielsweise auch die Straßen Dlouhá oder Kvítková entsprechend hergerichtet. Die (früher Repetka genannte) Straße Kvítková grenzt östlich an den Platz des Friedens und diente als Hauptverkehrsweg, der Zlín mit dem nahegelegenen Vizovice verband. Neben einfachen Erdgeschosshäusern befinden sich dort noch mehrstöckige Gebäude, welche die Wohnfunktion mit einem Geschäftsparterre kombinierten, aber auch repräsentative Gebäude, die für höhergestellte Unternehmer und Bürger bestimmt waren. Eines dieser Häuser ist beispielsweise die Villa der Eheleute Jarcovják oder das ein paar Meter weiter stehende Familienhaus von Františka und Rudolf Pluháček. Interessant ist Rudolf Pluháčeks Arbeitsverhältnis, der in der Firma T. A. Baťa als Verwalter beschäftigt war.
Das einfache und elegante mit einem Walmdach und einer Dachgaube versehene zweigeschossige Gebäude wurde in den Jahren 1925 ̶ 1926 errichtet. Auf den Bauplänen befindet sich die Unterschrift des Zlíner Bauunternehmers Bohumil Zámečník, der mit seiner Firma hinter der Baudurchführung stand. Wahrscheinlich stammt auch der architektonische Entwurf von ihm. In Zlín besaß er nicht nur ein erfolgreiches Bauunternehmen, sondern figurierte bei einigen Geschäfts-Wohnhäusern im Stadtzentrum auch als Autor, wie etwa in der Straße Rašínova oder in der Tomáš-Baťa-Avenue (Haus der Eheleute Malota, Haus von Alois Nakládal). 
Das Haus hat einen rechteckigen Grundiss, im Mittelteil der Fassade tritt über die gesamte Höhe des Erdgeschosses ein halbrunder Risalit hervor und bildet den Sockel für einen vom in der Mitte liegenden Zimmer des Obergeschosses her zugänglichen Balkon. Die Balkonbrüstung besteht aus subtilen vertikalen, aus dem Sockel aufsteigenden Geländerstützen. Der Hauseingang ist nicht zur Straße hin ausgerichtet, sondern an der Südseite des Hauses untergebracht. Das Grundstück wird durch eine überdachte, auf Steinpfosten gestützte Pergola betreten. Im Erdgeschoss befindet sich eine geräumige Vorhalle, von der aus man in zwei Zimmer, die Küche, die Speisekammer und in das Bad gelangt. Ins Obergeschoss führt eine dreiarmige Treppe, dort sind weitere drei Zimmer untergebracht. Der zum Haus gehörende Garten ist von mit Steinsockel und Backsteinpfosten versehenen Zierzäunen umgeben, die bis in die Gegenwart erhalten geblieben sind.
Das Haus hat bis heute sein ursprüngliches Aussehen bewahrt, einschließlich einer Reihe von Details, wie beispielsweise die Fensterrahmen aus Holz. In den sechziger Jahren wurde eine Garage und ein Holzschuppen angebaut, sonst ist das Grundstück mit der Umzäunung unverändert geblieben, und das Haus dient zu seinem ursprünglichen Zweck. Die Villa der Eheleute Pluháček stellt ein einzigartiges Beispiel für traditionelle Bürgerbauten in Zlín dar, die den funktionalistischen Villen aus den dreißiger Jahren vorausgingen.