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Geschäfts-und Wohnhaus von Bernard Weinstein

Datierung 1935
Architekt/in Max Tintner
Kode Z6
Adresse Rašínova 183, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Dlouhá (TROL 2, 4, 5, 8, BUS 33, 35, 36, 38)
GPS 49.2268192N, 17.6680125E
Literatur
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009
  • Archiv stavebního úřadu Magistrátu města Zlín

Die von Osten zum heutigen Platz des Friedens führende Straße Rašínova (früher Hlavní) machte in den dreißiger Jahren einen großen Wandel durch. Zur alten Bebauung kamen schnell moderne Häuser im funktionalistischen Stil hinzu, die Geschäfts- und Wohnfunktion miteinander kombinierten. In der Nacht erstrahlten dadurch in der Straße Neonleuchten, die vom Wandel des historischen Stadtzentrums zu einer modernen „City“ zeugten. Zu dieser Entwicklung trug auch das Haus für den Eigentümer eines Modesalons Bernard Weinstein bei, das 1935 von dem Brünner Architekten Max Tintner entworfen wurde.
Die Familie Weinstein gehörte zur kleinen Gruppe jüdischer Geschäftsleute, die in Zlín in der Zwischenkriegszeit unternehmerisch tätig waren. Am Ostrand des heutigen Stadtplatzes besaßen die Weinsteins ein Haus, das sie bewohnten und im Erdgeschoss gleichzeitig ein Geschäft betrieben. Zu der Parzelle am Stadtplatz kauften sie noch ein Grundstück in der Rašínova-Straße hinzu. Im Jahr 1935 entstand der Plan, auf beiden aneinander angrenzenden Parzellen ein großzügiges Geschäfts-Wohnhaus zu bauen. Seine Errichtung wurde in zwei Etappen unterteilt, jedoch wurde nur der erste Teil in der Rašínova-Straße realisiert. Die Gründe, die dazu führten, den jüdischstämmigen Architekten Max Tintner anzusprechen, sind unbekannt, zum Zeitpunkt als das Haus gebaut wurde, war dieser junge Architekt erst 28 Jahre alt.
Das Haus steht auf einer schmalen Parzelle, deren längerer Teil zur Straße gewandt ist. Das mit einem Flachdach versehene dreigeschossige Gebäude ist unterkellert, hat eine Stahlbetonkonstruktion mit Ziegelfüllung. Das Erdgeschoss ist in drei Geschäftseinheiten mit zwei Eingängen unterteilt, von denen einer gleichzeitig als Eingang in den Wohnteil dient, in den man über eine doppelläufige Treppe gelangt. Der erste, von der Familie Weinstein bewohnte Stock enthielt drei Zimmer, ein Bad, eine Küche, eine Speisekammer, ein Dienstmädchenzimmer, zwei Toiletten und ein Wartezimmer mit Empfangsraum, der über die Treppe mit den Geschäftsräumen im Erdgeschoss verbunden war. Im zweiten Geschoss befanden sich zwei Zweizimmerwohneinheiten, das dritte Geschoss enthielt vier Junggesellenwohnungen und die Hausmeisterwohnung. Einer der Mieter war beispielsweise Robert Zezula, der Inhaber eines Konzessionsbetriebs für Elektrotechnik und Radiomechanik der Gesellschaft Philips. Das Souterrain ist in mehrere Räume unterteilt und bot den Komfort einer Waschküche und einer Zentralheizung.
Als Weinsteins Haus gebaut wurde war der Architekt František Lýdie Gahura als Stadtarchitekt tätig. Er genehmigte die ihm vorgelegten Entwürfen und war dabei auch beratend tätig, etwa dahingehend, dass die Tiefe des Erkers die Straßenflucht nicht störe. In seinen Memoiren zu Tintners Entwurf empfahl er beispielsweise, keinen Ziegelsteinstreifen zwischen den Fenstern zu verwenden, auch das Farbmuster der Fassaden wurde ihm zur Genehmigung vorgelegt. 
Die endgültige Hausfassade wurde dann mit horizontalen Streifen gestaltet. Im Erdgeschoss befinden sich Schaufenster, der hervorspringende, durch  rahmenlose Fenster gegliederte Erker hat eine in eine Eisenkonstruktion gefasste Opaxit-Verkleidung. Die regelmäßig gesetzten dreigliedrigen Fenster wechseln sich mit Eckfenstern ab. Der obere, vom ersten zum zweiten Stockwerk reichende Teil des Erkers dient für die im vierten Geschoss liegenden Wohnungen als Balkon, der von einem subtilen Geländer abgeschlossen wird. Der Entwurf enthielt auch eine Reklameaufschrift an der Fassade, die an der Seite des Hauses angebracht wurde. 
1941 mussten die Weinsteins das Haus verkaufen, ein Teil der Familie kam in Konzentrationslagern um, drei Söhne konnten ins Ausland gelangen. Nach 1948 hat man Weinsteins Söhnen verwehrt, weiterhin unternehmerisch tätig zu sein, ihre Verwandte wurden zu Verwaltern in ihrem eigenen Haus, das anschließend in der zweiten Jahrhunderthälfte nach und nach baufällig wurde. Die großzügige Wohnung im ersten Stock wurde in zwei Wohneinheiten unterteilt. In den achtziger Jahren wurde die Fassade renoviert.
Das ursprünglich Haus am Stadtplatz wurde 1983 abgerissen, Haus Nr. 180 in der Rašínova-Straße wird heute von dem Geschäftszentrum Zlaté Jablko umschlossen. Bernard Weinsteins Haus ist ein Vorzeigebeispiel für die Qualität von in den dreißiger Jahren unabhängig von der Firma Baťa entstandenen Gebäuden, die der Stadt den ersten Brünner Funktionalismus brachten. Architekt Max Tintner hat in Zlín dann kein Haus mehr gebaut, sein Architektenbüro baute er in Brünn auf, wo nach seinen Entwürfen mehrere Mietshäuser im Stadtzentrum und im Stadtteil Černá Pole entstanden.
 
 
LŠ