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Haus von Alois Nakládal

Datierung –1933
Architekt/in Miroslav Lorenc
Kode Z6
Adresse Školní 203, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: náměstí Míru (TROL 1, 2, 3, 4, 5, 8, 9, 11, 12, 13, BUS 31, 32, 33, 35, 36, 53, 70, 90)
GPS 49.2253722N, 17.6660853E
Literatur
  • Kateřina Pažoutová, Miroslav Lorenc - jiná architektura meziválečného Zlína, Prostor Zlín I, 1992
  • Eva Běhalová, Architektura města Zlína 1920-1945 (diplomová práce), Olomouc 2013, S. 58, 62, 136-137
  • Josef Polášek, Miroslav Lorenc, Architektura ČSR V, 1945, S. 314-315

Der Zlíner Unternehmer Alois Nakládal war Inhaber eines erfolgreichen Gemüseladens und besaß im Zentrum des alten Zlíns nach und nach mehrere Immobilien. Eine davon ist beispielsweise das Haus, das er sich Ende der zwanziger Jahre in der Rašínova-Straße hatte bauen lassen, es aber Anfang der dreißiger Jahre bereits wieder verkaufte. Ein weiteres seiner Häuser steht an der Ecke der Straßen Komenského (heute Tomáš-Baťa-Avenue) und Školní, dessen längere Fassadenseite zur ehemaligen Komenský-Schule gewandt ist.
Dieses für die Eheleute Alois und Františka Nakládal bestimmte polyfunktionale Haus in der Školní-Straße Nr. 203 wurde nach einem Enwurf des für das „nicht-Baťasche“ Gesicht Zlíns wichtigen Architekten Miroslav Lorenc gebaut. Lorenc war nach seiner Übersiedlung von Prag nach Zlín über ein Jahr lang in der Bauabteilung der Firma Baťa tätig, ließ sich aber schließlich als selbständiger Architekt nieder und schuf für Zlíner Bürger und Gewerbetreibende ca. 60 Objekte. Nakládals Haus hat die übliche, Geschäfts- und Wohnfunktion kombinierende Typologie.
Baubeginn war der 25. Juni 1933, und am 20. Dezember desselben Jahres war das Haus bereits teilweise in Gebrauch. Ganz fertiggestellt war das Gebäude jedoch erst am 28. 12. 1933 als die Bauabnahme erfolgte. Der Bau des Hauses wurde von dem Bauunternehmer Bohumil Zámečník durchgeführt, der an eine vorherige Zusammenarbeit mit dem Kunden anknüpfte.
Das dreistöckige, ganz unterkellerte Gebäude hat eine tragende Stahlbetonkonstruktion mit Ziegelfüllung und Betondecken. Das langgestreckte Gebäude ist in zwei symmetrische Flügel unterteilt, die jeweils einen eigenen Eingang haben, das Treppenhaus ist von der Straße Školní her zugänglich. Der Außenputz besteht überwiegend aus Brizolit. Das Parterre wurde mit einer dunkelfarbigen Kunststeinverkleidung hervorgehoben. In den oberen Stockwerken wurden die für Lorenc charakteristischen dreiteiligen Kastenfenster mit Lüftungsflügeln verwendet, und zwar in weiß. Die Straßenfassade erhielt dadurch die sehr einfache Gliederung eines regelmäßigen Fensterrasters. 
Im Erdgeschoss entstanden vier Geschäftseinheiten, die jedoch bald durch Trennwände auf fünf erweitert wurden. In allen oberen Stockwerken befanden sich Zwei- bis Vierzimmerwohnungen, im höchsten Stockwerk dann aus jeweils einem Zimmer bestehende Junggesellenwohnungen. Am Nord- und Südrand des Daches wird die ansonsten gleichmäßige Baumasse des Hauses durch zwei Terrassen verkürzt. Die sich daraus ergebende Ausdrucksform leugnet nicht die für den Funktionalismus typische Inspiration durch die nautische Ästhetik. Das Haus erweckt mit seiner einfachen Form den Eindruck eines Schiffes und bildet die Dominante der Ecke einer der Zlíner Hauptstraßen. Mieter- und Ladenkeller sowie ein Heizungsraum im Untergeschoss, vom Hof aus zugängliche sanitäre Einrichtungen für die Geschäftseinheiten und Waschküchen mit Trockenräumen im Dachgeschoss runden die Ausstattung ab.
Alois Nakládals Familie nutzte im ersten Stock eine geräumige Vierzimmerwohnung mit Küche, Speisekammer, Sanitärbereich und einem Dienstmädchenzimmer. Bei den Mietern handelte es sich in der Zeit nach Fertigstellung des Baus eher um Vertreter der Oberschicht, wie etwa um den Leiter des Geschäftes im Erdgeschoss Smékal, um František Domnosil oder um den Arzt MUDr. Antonín Ivaščenko, der in einer der Wohnungen seine Praxis unterhielt.
Der größte Geschäftsraum im Erdgeschoss gehörte der Filiale des bekannten Olmützer Kurzwarengroßhändlers František Smékal. Im Herbst 1934 genehmigte der Stadtrat die Anbringung von zwei hellblauen Neonreklamen mit dem Namen „F. Smékal“.  Die Leuchtreklame wurde horizontal und im rechten Winkel zueinander über der Brüstung der Nordterrasse des Dachgeschosses in Richtung Tomáš-Baťa-Avenue installiert. An der längeren Westfassade wurde überdies noch die vertikale Aufschrift „ODĚVY“ (BEKLEIDUNG) angebracht, die sich wahrscheinlich auf die sich unter ihr befindende Vertretung von František Jirsáks Schneiderei aus Napajedla bezog. Eine weitere Reklamefläche war ein horizontaler Streifen von weiß-gefärbtem Glas über den Schaufenstern, die zusammen mit den Neonleuchten dazu beitrug, dem ganzen Haus ein großstädtisches Flair zu verleihen. In den übrigen Geschäftseinheiten befanden sich ein Uhrmachergeschäft, ein Gemischtwarenhandel und ein Stempelgeschäft.
Bald nach Fertigstellung des Hauses wurden in den Jahren 1934 bis 1936 im ersten bis dritten Stock in Richtung Hof Betonlaubengänge mit Rohrgeländern angebaut, was die ansonsten unregelmäßige Rückfront des Hauses teilweise begradigt hat.
Nach der Umbenennung von Zlín in Gottwaldov registrieren wir nur einige kleinere Umbauten der Geschäftsräume und die Schaffung weiterer kleinerer Wohnungen anstelle der Waschküchen und Trockenräume, die man ins Souterrain verlagerte. Wahrscheinlich nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Beseitigung der dominanten Neonreklame der Firma Smékal von der Eckterrasse. Nach der Wende wurde das Kurzwarengeschäft im Jahr 1991 in ein Wurst- und Delikatessengeschäft umgewandelt, das bis heute betrieben wird. Es wurden neue Trennwände gezogen, mit denen man die Betriebsräume abteilte, es wurden zwei Eingänge in die Geschäfte und ein Fenster für einen Straßenverkaufsimbiss geschaffen, die Auslage erhielt die Form einer konvexen Krümmung, und das Erdgeschoss wurde mit einer Keramikverkleidung versehen. Im Jahr 1992 wurde der größte Geschäftsraum an der Ecke überdies für das heutige Schreibwarengeschäft hergerichtet.
Das Gebäude befindet sich in einem relativ gut erhaltenen Zustand und wird wie früher genutzt. Der Brizolitverputz an der Fassade ist erhalten geblieben, an der Nordterrasse hat man gerade damit begonnen, das Haus mit einer Wärmedämmung zu versehen. Einige ursprüngliche Fenster sind erhalten geblieben, die übrigen wurden bereits gegen Kunststofffenster ausgetauscht.
 
 
MK