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Mietshaus der Eheleute Čistín

Datierung 1938–1939
Kode Z6
Typ Miethaus
Adresse Školní 3297/17, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Školní (TROL 1, 2, 3, 4, 5, 8, 9, 11, 12, 13, BUS 31, 32, 33, 35, 36, 38, 53, 70, 90)
GPS 49.2239003N, 17.6661203E
Literatur
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009
  • Archiv stavebního úřadu Magistrátu města Zlín

Im Jahr 1937 wurde die damalige Straße Školní komplett abgerissen, wobei es sich jedoch nicht um die Straße handelte, die heute die Straße Štefánikova mit der Tomáš-Baťa-Avenue verbindet, sondern um eine alte Straße, die vom Platz des Friedens zur Kirche führte. Die heutige Straße Školní wurde erst in den darauffolgenden Jahren nach und nach bebaut.
In unmittelbarer Nähe des neu eröffneten Parks entstand so binnen kurzer Zeit eine neue Straße mit moderner Bebauung. Dort ließen sich Zlíner Unternehmer und vermögendere Bürger ihre Häuser bauen, um während der Wirtschaftskrise in Mietshäuser zu investieren, die ihnen stabile Mieteinnahmen einbrachten. Ein Beispiel für eine in der Stadt unabhängig von der Firma Baťa entstandene hochwertige funktionalistische Architektur ist auch das Haus für die Besitzer einer Obstkonservenfabrik Arnošt und Antonie Čistín. Dank solcher, mit Neonreklamen versehener Häuser wandelte sich die Straße Školní ebenso wie die ursprüngliche historische Stadtmitte oder die Straße Rašínova zu einem modernen Stadtzentrum. 
Das Haus wurde 1938 von Zdeněk Plesník entworfen, der vordem bei Pavel Janák die Prager Akademie für Kunst, Architektur und Design abgeschlossen hatte und kurz danach bei Professor Josef Gočár die Akademie der Bildenden Künste besuchte. Aus der gleichen Zeit stammt noch ein weiteres Familienhaus von Plesník in der Straße Pod Vodojemem. Sein Studium wurde jedoch vom Zweiten Weltkrieg unterbrochen, somit ist dieses Haus das erste Beispiel für Plesníks Frühwerk, das seine Orientierung an aktuellen architektonischen Tendenzen zeigt. Zdeněk Plesník wurde nach dem Krieg zu einem der wichtigsten Architekten, die das Aussehen öffentlicher und privater Gebäude in Zlín mitgestaltet haben. In der dortigen Bauplanungsfirma Centroprojekt war er fast dreißig Jahre lang tätig.
Planung und Durchführung des Baus für die Eheleute Čištín wurden von dem Bauunternehmer Ferdinand Sedláček besorgt, dessen Unterschrift sich auf der Planungsdokumentation befindet. Die Einholung der Baugenehmigung ist auf den 11. Juli 1938 datiert, am 3. August des darauffolgenden Jahres fand dann die Bauabnahme statt. Das mit einem Flachdach versehene dreistöckige Haus hat einen fast quadratischen Grundriss (12 × 11,4 m) und ist Teil einer Reihenbebauung an einer lebhaften und exponierten Stelle. Im Erdgeschoss waren zwei Geschäftseinheiten mit angrenzendem Lager untergebracht, jede von ihnen verfügte über einen eigenen Eingang von der Straße aus. In den Wohnteil gelangt man durch eine am Südrand der Raumaufteilung gelegene Tür, durch das ganze Haus verläuft eine zweiläufige Treppe. Im ersten bis zum dritten Stock befinden sich geräumige Dreizimmerwohnungen. Die Wohnzimmer sind so nach Westen ausgerichtet, damit sie einen angenehmen Blick auf den Park bieten. Küche, Bad, Speisekammer und ein kleines Dienstmädchenzimmer sind nach Osten zum Innenblock hin ausgerichtet. Der Bau ist unterkellert, im Souterrain war ein Trockenraum und eine Waschküche untergebracht.
Das Geschäftsparterre wird von den Wohnetagen durch ein hervortretendes Gesims abgetrennt, das über dem Eingang eine kleine Überdachung bildet. Die Fassadenglieder im Parterre wird durch drei vollverglaste tiefe Schaufenster bestimmt, die in Metallrahmen gesetzt wurden und über denen das hervortretende Gesims verläuft. Ein zurückspringendes Oberlicht war dann der Bereich, in dem die Neonaufschriften und –reklamen angebracht wurden. Die Fassade des Wohnteils strukturierte der Architekt in drei Felder. Der linke Teil besteht aus einer quadratischen Öffnung mit einem Paar zweiflügeliger Fenster mit Lüftungsflügeln. An die aus Drahtglas bestehende Fensterbrüstung schließt die Geländerbrüstung der mit einem Fensterband verglasten Mittelloggia an. Im rechten Teil wurde ein zum Schlafzimmer gehörendes dreiteiliges Fenster in die Fassadenfläche gesetzt, womit der Architekt kompositorisch auf das Nachbarobjekt reagierte.
Im Jahr 1992 wurden die Schaufenster ausgewechselt, wodurch die ursprüngliche architektonische Gestaltung beeinträchtigt wurde. 2014 wurden Außenverkleidung und Balkone komplett rekonstruiert, wodurch das Haus sein ursprüngliches Aussehen zurückerhielt. Die beiden Gewerbeeinheiten wurden in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts miteinander verbunden. Gegenwärtig wird in diesen Räumen eine Bäckerei betrieben.