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Häuserkolonie

Datierung 1922–1924
Kode Z6
Adresse Tyršovo nábřeží, Smetanova, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Cigánov-Internext (TROL 2, 4, 5, 9, BUS 35, 36) Čepkov (TROL 6, 7, 8, 9, 10, 14, BUS 32, 33)
GPS 49.2297700N, 17.6659731E
49.2301469N, 17.6645267E
Literatur
  • Ladislava Horňáková, František Lýdie Gahura. Projekty, realizace a sochařské dílo (kat. výstavy), Krajská galerie výtvarného umění ve Zlíně 2006
  • Archiv stavebního úřadu Magistrátu města Zlín

Mit der Entstehung der Tschechoslowakei wurden einige Gesetze erlassen, in denen die Gewährung von Darlehen und eine Steuerbemessungsgrundlage zugunsten kleiner Bauherren geregelt wurden, zu denen auch die Bau- und Wohnungsgenossenschaft gehörte. Diese Förderung war für die Unter- und Mittelschicht zum Bau von Miets- und Familienhäusern bestimmt. Der Staat gewährte Kredite, erließ Steuererleichterungen und bürgte für Darlehen bei den Finanzinstituten.
Am 1. Juni 1922 wurde zwischen der von Pfarrer Ignác Nepustil vertretenen Zlíner Pfarrei und der gemeinnützigen Genossenschaft Domov ein Kaufvertrag unterzeichnet, für die der Vorsitzende der Genossenschaft Antonín Malota und der Notar Leopold Pančoška tätig waren. Vertragsgegenstand waren am Ufer des Flusses Dřevnice liegende Grundstücke, die von der Genossenschaft für 156 500 Kronen erworben wurden. Schon im Oktober desselben Jahres stellte der Architekt František Lýdie Gahura einen Lageplan mit dreizehn Familienhäusern vor, die in zwei Straßen den Grundstock eines neuen, die Straßen Tyršovo nábřeží und Smetanova säumenden Viertels bildeten. In den schriftlichen Dokumenten tauchen noch im Jahr 1923 die Berechnungen für nur elf Häuser mit jeweils elf Wohnungen und 41 Wohnplätzen auf. Die Gesamtkosten für den Bau der Häuser beliefen sich auf 882 900 Kronen, das Bauprojekt wurde vom Ministerium für Sozialpflege und dem Ministerium für öffentliche Arbeiten und dem Finanzministerium finanziell gefördert.
František Lýdie Gahura schloss sein Architekturstudium an der Prager Akademie der Bildenden Künste erst im Jahr 1923 ab, in Zlín arbeitete er aber schon damals am Bau des neuen Rathauses. Für den frischgebackenen Absolventen mit architektonischer Anfangspraxis war das Bauprojekt für die Wohnungsgenossenschaft Domov eine weitere wichtige, unabhängig von der Firma Baťa entstandene Realisierung. In der Schuhfabrik war er erst ab 1924 tätig geworden. Architekt Gahura entwarf insgesamt sieben Typen, die mit den Buchstaben A – 1 kleines Haus, B – 3 kleine Häuser, C – 1 kleines Haus, D – 1 kleine Häuser, E – 4 kleine Häuser, F – 2 kleines Haus, G – 1 kleines Haus bezeichnet wurden. Insgesamt wurden schließlich 13, überwiegend mit Satteldächern versehene Familienhäuser errichtet. 
Das Aussehen der neuen Kolonie hat eine relativ strenge Regulierung seitens des Bauamtes durchlaufen. Die Fußbodenhöhe aller Häuser musste mindestens 75 cm über dem Gelände betragen, da sie sich in einem Überschwemmungsgebiet befanden. Die Dächer sollten mit roten gebrannten Ziegeltaschen eingedeckt werden, und alle Häuser an der Uferseite und an der neuen Straße (heute Smetanova-Straße) sollten auf Mauern gesetzte Zierdrahtzäune mit Pfeilern erhalten. Auf den Grundstücken durfte ohne Genehmigung kein Wirtschaftsgebäude angebaut und in den Vorgärten kein Gemüse angepflanzt werden, nur Blumen.
Das Bauprojekt bestand aus nicht unterkellerten Erdgeschosshäusern mit bewohnbarem Dachgeschoss. Für die Hausfundamente wurden Steingemäuer verwendet, das übrige Mauerwerk bestand aus gebrannten Backsteinen, während die Holzträgerdecken mit Schilfputz versehen wurden. Die Grunddisposition der Häuser besteht aus zwei Zimmern, einer Küche, einer Speisekammer und einem Bad (Typen E, F). Im Dachgeschoss befindet sich noch ein Wohnzimmer. Mit nur einem Haus war Typ G vertreten, der im Erdgeschoss anstelle von zwei Zimmern ein Atelier und kein Zimmer im Dachgeschoss hat. Räumlich am größten war Haustyp C, der außer der klassischen Disposition noch eine Waschküche und ein selbständiges Zimmer hatte, das als Geschäft diente.
Obwohl es sich um einen einfachen, wirtschaftlich erschwinglichen Bau handelte, wurde das Aussehen jedes Typs sorgfältig durchdacht, beispielsweise im Hinblick auf eine dekorative Verwendung des Materials für die Fassaden. Die Hausfront kommt in ihrer Gestaltung einem volkstümlichen Stil nahe und leugnet auch nicht die Kenntnis der Arbeiten von Jan Kotěra, bei dem Gahura studiert hatte. Erkennbar ist dies etwa am bis zu den Fensterbänken reichenden Steinsockel mit den Säulenvouten. Geschwungene Kurven wurden auch bei den Geländern verwendet oder komplettieren die Fensterbank im Dachgeschoss. Auch das Motiv eines hervorgehobenen, über eine kleine Veranda führenden Hauseingangs wiederholt sich, dessen Tür mit großen Glasfenstern bestückt ist. An den Fassaden, die einen dekorativen Charakter haben, kombinierte Gahura von einer feinen Stucklinie gesäumte verputzte Flächen mit Holzgiebeln und mit Verblendziegeln gesäumte Steinsockel. Alle Haustypen wurden mit dreiteiligen Kastenfenstern bestückt. Die Häusergruppe bildete den Grundstock neuer Straßen, die nach und nach bebaut wurden, freie Parzellen wurden unter weiteren Einwohnern aufgeteilt. Häufig handelte es sich bei ihnen um reiche Bürger und Unternehmer, die dort ihre eigenen Villen und Familienhäuser bauten. Ein Haus am Ufer wurde zu einer beliebten und gesuchten Adresse. Die ursprünglichen, von der Baugenossenschaft Domov errichteten Häuser hat man einige Jahre nach der Bauabnahme bereits angefangen zu verändern und zu vergrößern, häufig um Waschküchen oder Garagen. Viele Typen sind jedoch bis heute noch zu erkennen, obgleich in den meisten Fällen die Fenster ausgetauscht wurden und man Eingriffe an den Fassaden vorgenommen hat. Auch die ursprünglichen Steinzäune mit den Pfeilern sind erhalten geblieben.