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Schloss

Datierung 1904-1905
Architekt/in Leopold Bauer
Kode Z1
Adresse Soudní 1, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Zlín, náměstí Míru (TROL 1, 2, 3, 4, 5, 8, 9, 11, 12, 13, BUS 31, 32, 33, 35, 36) U Zámku (TROL 6, 7, 8, 9, 10, 14, BUS 32, 33, 38)
GPS 49.2257686N, 17.6631897E
Denkmalschutz Das Schloss ist immobiles Kulturdenkmal mit der Registernummer ÚSKPÚSKP 35649/7-1892

Ein wichtiger Meilenstein beim Aufbau des modernen Zlíns stellt die Umwandlung des Schlosses und der daran angrenzenden Grundstücke von Privatbesitz in öffentliches Eigentum dar. Ab 1923 beginnt František Lýdie Gahura die Regulierungspläne für die schnell wachsende Stadt zu entwerfen. Das sich früher am Rand des historischen Zentrums befindende Schlossareal geriet auf die Verbindungslinie zwischen dem historischen und modernen Stadtzentrum. Eigentümer der ausgedehnten Grundstücke des Herrschaftsanwesens war Stefan Viktor Leopold Haubt von Buchenrode, ein Nachkomme von Brünner Textilunternehmern. Im Jahr 1929 verkaufte er das Schloss und das daran angrenzende Areal an die Stadt Zlín, an deren Spitze Bürgermeister Tomáš Baťa stand.
Bereits im darauffolgenden Jahr vermietete die Stadt das Schloss an den Baťa-Förderfonds, womit eine neue Etappe der Schlossgeschichte begann. Nach und nach wurden die Einfriedungsmauern beseitigt und der Park für die Öffentlichkeit geöffnet. Bald wurde das Schloss in Klubhaus umbenannt und erhielt nach dem Vorbild englischer Klubs eine neue Bestimmung, es wurde zu einem Ort der Begegnung und des gemeinsamen Gesprächs. In den großzügigen Räumen wurde auch ein Café, ein Restaurant sowie Lesesäle eröffnet, auch die Zlíner Kultur- und Sportvereine fanden dort ihre Vereinsräume.
Die Gestaltung des Parks wurde ebenfalls von F. L. Gahura entworfen, der 1930 einen urbanistischen, die städtischen Parks betreffenden Gesamtplan erstellte. Die der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Parks boten auf Rasenflächen und Rastplätzen Gelegenheit zur Erholung, im heutigen Comenius-Park wurden Zierhölzer angepflanzt. Entfernt wurden hingegen zwei Teiche, die Anfang des 19. Jahrhunderts von Klaudius Breton, einem früheren Schlossbesitzer angelegt worden waren. Im ausgedehnten englischen Garten befand sich zu dessen Zeit ein prosperierendes Wirtschaftsanwesen, zu dem eine Bierbrauerei, eine Schnapsbrennerei, ein Kornspeicher, eine Streichholzfabrik und ein Seidenverarbeitungsbetrieb gehörten. Aus dem 19. Jahrhundert stammt auch die Umgestaltung der Dachpartie in Form von vier pyramidenförmigen Eckaufbauten.
Die Geschichte des Schlosses begann man bereits Ende des 15. Jahrhunderts zu schreiben, als an seiner Stelle eine Festung stand, deren Bestandteil auch ein gotischer Palas war. Im 16. Jahrhundert entstand der Nordflügel, die bis heute erhalten gebliebene Unterkellerung, ein Portalgewände aus Stein und weitere Überreste des gotisch-renaissancezeitlichen Turms. Im Außenraum der Ostfassade ist eine Steinplatte mit der Jahreszahl 1571 und den Wappen von Jan Kropáč von Nevědomí und seiner Ehefrau Veronika von Leskovec erhalten geblieben. Die westliche Burgmauer wurde erst in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch einen frühbarocken Flügel ersetzt. Eine bedeutende Veränderung hat das Schloss ab den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts durchgemacht, als über dem abgerissenen Nordtrakt ein neuer dreistöckiger Flügel errichtet wurde. Ungefähr aus dieser Zeit stammt auch das heutige Aussehen des Schlosses mit vier um einen fast quadratischen Innenhof angeordneten Flügeln. Dieser klassizistische Umbau wurde von den Eheleuten Khevenhüller in Auftrag gegeben.

Der letzte deutliche Eingriff in die Struktur des Schlosses erfolgte in den Jahren 1904–1905, als das Schloss nach den Plänen von Leopold Bauer, einem jungen Architekten und Absolventen der Wiener Schule Otto Wagners modernisiert wurde. Mit diesem Umbau wurde auch der Ausdruck des gesamten Objektes verändert – die Ostfassade des alten Palais wurde vom Grundriss her hinter die Front des ehemaligen Turms gerückt. In dem so entstandenen Raum brachte Bauer ein monumentales, über die Höhe des Erdgeschosses und ersten Stockwerks hinausreichendes Treppenhaus aus Marmor unter. Im repräsentativen Eingang verwendete er für die Wände künstlichen Marmor und dunkles Holz und Messing für das Geländer. Im ersten Stock entstand ein hoher Zweietagensaal mit eingewölbter Stahlbetondecke und einem runden Treppenhaus aus Holz, dessen Umfang bis in den Hof hinausreicht. Von dieser großräumigen Halle aus führte ein Eingang in den Frühstückssaal und den großen Speisesaal, von denen aus in der nordöstlichen Ecke ein Zugang zu den Gästezimmern geschaffen wurde. Im Südflügel befanden sich ein Herrenzimmer, ein Boudoir, ein Billardsaal und ein Musiksalon. Im Westflügel waren Schlafzimmer und Toiletten untergebracht, im Nordflügel das Zofenzimmer und ein Ankleideraum. Neue Elemente waren die vor die Ost- und Westfassade gebauten Balkone, die das Schloss zum umliegenden Park öffnen und gleichzeitig die einheitliche Fassadenmasse stören. Die alten Dachstühle mit den pyramidenförmigen Aufbauten wurden komplett beseitigt und durch ein neues Mansardendach ersetzt. Dank Bauers Umbauten wurde das Schloss zu einer bequemeren Wohnstätte, jedoch verlor es seinen ursprünglichen historischen Charakter.
Bestandteil der durch die Fa. Baťa erfolgten Umbauten war der Bau eines Treppenhauses im Nordflügel von 1935. In demselben Jahr begann das Schloss auch als Bezirksamt zu fungieren, im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude von der deutschen Armee in Beschlag genommen. Im Mai 1945 operierte von dort aus die Kommandantur der Roten Armee, später auch das Sekretariat der Kommunistischen Partei und das Büro der Militärverwaltung. Ab Ende der fünfziger Jahre dienten die früheren Betriebsräume des Schlosses als Ausstellungssäle einer Galerie und eines Museums, die im Jahr 2012 in das Fabrikareal umzogen. Gegenwärtig haben die Galerie Václava Chada und einige kleinere Betriebe dort ihren Sitz, die ausgedehnten Räume werden zu kurzzeitigen Ausstellungen und zu Kulturveranstaltungen genutzt. Auf eine Gesamtsanierung und komplex durchdachte Nutzung tut das Schlossareal und die daran angrenzenden Grundstücke bislang noch warten.