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Dreistöckiges Fertighaus

Datierung 1949–1951
Architekt(inn)en Bohumír Kula, Hynek Adamec
Kode Z5
Adresse Podvesná 3788-3790, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: U Splavu (BUS 33)
GPS 49.2286006N, 17.6808522E

Nach den Experimenten mit aus Plattenteilen bestehenden Familienfertighäusern der Jahre 1946–1947 im Zlíner Viertel Lesní erreichten der Architekt Hynek Adamec und der Baumeister und Konstrukteur Bohumír Kula an der Wender der vierziger und fünfziger Jahre die nächste Stufe ihrer Forschungen. Sie nutzten die Technologie von Stahlbetonfertigplatten für Etagenmietwohnungen. In der Entwicklung von Konstruktionsmöglichkeiten des Wohnungsbaus waren beide bereits in der Bauabteilung der Firma Baťa aktiv gewesen, besonders während des Krieges. Nach dem Februarumsturz von 1948 wurden mit der veränderten politischen und wirtschaftlichen Situation in der Stadt und im Staat das Bauwesen und die Architektur drastisch umstrukturiert. An ihre frühere Tätigkeit knüpften Kula und Adamec in der Forschungsabteilung des verstaatlichten Betriebes an, der der Verwaltung der Gottwaldover Zweigstelle der Tschechoslowakischen Baubetriebe (ČSSZ) unterstellt wurde. Das Forschungsinstitut ČSSZ war der Hauptprojektant des am südwestlichen Rand des baťaschen Arbeiterviertels Podvesná gelegenen, länglichen dreistöckigen Wohnobjektes. Bauherr des in den Jahren 1949–1951 entstandenen Hauses war das Zlíner Nationalkomitee. Der Bau ist ein anschaulicher Beleg für die damaligen Konstruktionsversuche, die Adamec und Kula nur ein paar Jahre später im ersten Vollplattenbau G40 der Republik zinsbringend umgesetzt haben und dem die Typenserien G55 bis G59 folgten.
Eine technologische Neuheit des Objektes war die Fertigbauweise, bei welcher die einzelnen Stahlbetonplatten horizontal und vertikal mit Metallschrauben festgezogen wurden. Das Haus bestand aus etagenhohen Betonblöcken mit einer Breite von jedoch nur 90 oder 108 cm. Die Konstruktion des Hauses schlug sich auch in der visuellen Gestaltung der Fassade nieder, da sie nicht geleugnet wird und aus den abwechselnden vertikalen und horizontalen Linien der Plattenverbindungsteile einen geometrischen Effekt erzeugt. Das Flachdachgebäude mit insgesamt 18 Wohnungen ist in 3 identische Teile mit separaten Eingängen unterteilt.
Die schlichte Ostfassade wird durch zwei- und dreiteilige Schlafzimmerfenster und durch die Fensterbänder des Treppenhauses über den Haupteingängen rhythmisch gegliedert. Letztere bestehen aus länglichen, gerahmten Fenstern, zwischen denen zwei Vollflächen mit Zierkreisen eingefügt wurden. Die Westseite des Hauses baut auf den Kontrast zwischen hervorspringenden, selbsttragenden Betonbalkonen und zurückspringenden Fassadenteilen, in welche die Balkone eintauchen. Diese Lösung der Balkone ergab sich aus der Konstruktion des Hauses, die nicht unnötig überlastet werden durfte. Die Balkonbrüstungen spielen mit den Effekten der freien und vollen Oberflächen der von den Pfeilern abgesetzten Betonfüllungen.
Jede der drei Sektionen der Häuser bieten sechs gleiche Dreizimmerwohnungen mit großzügiger Disposition und einer Fläche von fast 70 m2. Die Schlafzimmer der Kinder und Eltern sind nach Osten ausgerichtet, die Küche mit Speisekammer und das Wohnzimmer mit Zugang zum 6,5 m2 großen Balkon wiederum nach Westen. Eine geräumige Diele und ein Flur verbinden die einzelnen Räume mit Holzfriesböden mit dem Sanitärbereich der Toilette und des Badezimmers mit Badewanne und Bidet. Jeder Wohnung stand im Souterrain ein eigener Keller zur Verfügung sowie ein gemeinschaftlich nutzbarer Waschraum, ein Kinderwagenabstellraum, ein Abstellraum für Fahrräder und Krafträder, ein Lagerraum und ein Raum, in den der zentrale Müllschlucker mündete. Die Errichtung weiterer dreistöckiger Fertighäuser wurde wegen des hohen finanziellen Aufwands dieses Typs aufgegeben
Das einige Jahre später im Osten von einem Vollplattenbau vom Typ G40 ergänzte Fertighaus an der Adresse Podvesná IV hat vor ein paar Jahren eine Erneuerung der Fassade durchgemacht. Dadurch wurde leider die ursprüngliche Rippung und der vertikale Akzent der einzelnen Plattenverbindungen völlig verdeckt sowie der leicht plastische Charakter der Fassade beseitigt. Die Holzfenster, die zweiflügeligen Eingangstüren und die leicht realsozialistischen dekorativen Kreise zwischen den Treppenhausfenstern sind ebenfalls verschwunden. Haupterkennungszeichen des Hauses stellen demnach nun die vorspringenden Betonloggien dar. Obwohl viele von ihnen von partiellen modernen Eingriffen wie Verglasung, Austausch der Fensterbänke oder einem aufgestockten Dachgeschoss betroffen waren, verweisen sie insgesamt doch noch sehr gut auf das Erscheinungsbild des Hauses aus den frühen fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
 
 
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