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Plattenbau G55

Datierung 1955
Architekt(inn)en Bohumír Kula, Hynek Adamec
Kode Z5
Adresse Benešovo nábřeží 3716, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: U Splavu (BUS 33)
GPS 49.2291850N, 17.6787981E

Nach der erfolgreichen Fertigstellung des Prototyps des ersten Vollwand-Plattenbaus mit der Bezeichnung G40 im Jahr 1954 verfolgte man in Zlín auch den im Prager Stadtteil Pankrác durchgeführten Testlauf einer Versuchsserie und bereitete weitere Innovationen vor. Die erste derartige Neuerung war der Anbau eines zweiten, quer an Typ G40 angeschlossenen Flügels. Ein Eckhaus entsprach besser den Anforderungen der Kompositionsschemata der Wohnkomplexe des sozialistischen Realismus, für die Typ G40 mit seiner im voraus festgelegten Nord-Süd-Ausrichtung wenig geeignet war. Im Vokabular der damaligen Zeit ermöglichte der neue Typ "eine reichere Gestaltung der Häuserblocks".
Er erhielt die Bezeichnung G55 und wurde 1955 in Zlín (dem damaligen Gottwaldov) gebaut und bot seinen Einwohnern 55 Wohnungen. Die Bezeichnung G55 kann entweder so wie bei Typ G40 – Gottwaldov/40 Wohnungen – also mit 55 Wohnungen, aber auch so wie bei den späteren Typen als Baujahr des Prototyps interpretiert werden. 
Das Konstruktionssystem, die Plattentypen und auch markante Merkmale, wie etwa die vertikalen Säulen an der Fassade, von denen die Fugen verdeckt wurden, haben Typ G40 genau kopiert. Die meisten Innovationen der Details und der Arbeitsverfahren bleibt den Bewohner verborgen – anderes Material der Dämmschicht, Einbau von Stahlfensterzargen direkt in der Produktion, größere Stärke der Deckenplatten, Setzen der Platten direkt vom LKW aus, geänderte Detailkalkulation des Projektes oder Montage eines neuen Bockkrantyps. Die unsichtbaren Änderungen und Verfahren stellten jedoch für die ganze Tschechoslowakei wichtige Schritte dar, mit denen die Verwendbarkeit der Zlíner „G-Reihen“ ausgetestet werden konnte.
Zu den sichtbaren Innovationen zählt natürlich die Form selbst – ein Eckhaus. Obwohl zu erkennen ist, dass das System mit dem früheren G40-System korrespondiert (Anzahl der Etagen, Zusammensetzung der Platten an der Fassade u.ä.), weist es aber Unterschiede auf. Die Außenoberfläche der Platten wurde mit einer Schicht Travertinsplitt versehen, also mit einer relativ luxuriösen Oberflächenbehandlung. Die Eingangsportiken wurden weggelassen und die Eingänge mit bildhauerisch bearbeiteten Rahmen aus Stahlbeton verziert. Gegenüber dem Prototyp G40 entbehrt Typ G55 eine vertikale Gliederung – das erste Stockwerk ist weder visuell abgetrennt, noch wird es farblich unterschieden, wodurch (ebenso wie bei den später gebauten G40-Bauten) eine Art fester Sockel, ein Auflager fehlt. Ebenso hat man auch auf eine „Krone“ mit Kelchen verzichtet. 
Dispositionsmäßig ist die Ost-West-Orientierung der Fenster mit Typ G40 identisch: Zwei Eingänge, jeweils vier Wohnungen pro Stockwerk, allerdings nur in der Hälfte, die nicht mit dem Querflügel verbunden ist. In der Ecksektion musste die Disposition neu entworfen werden, und im Querflügel, der einen eigenen Eingang hat, musste man sich dann mit der nicht allzu günstigen Orientierung der Fenster nach Norden und Süden auseinandersetzen. G55 kopiert im Unterschied zu Prototyp G40 nicht genau die Orientierung zu den Himmelsrichtungen, sodass auch Wohnungen mit keiner günstigen Lage die Normen bezüglich des Sonneneinfalls erfüllten. Der Entwurf der Disposition für den Querflügel muss arbeitsaufwendig gewesen sein, weswegen uns nicht wundern sollte, dass einige von ihnen mit keiner solchen Eleganz des Grundrisses prunken können, wie dies bei Protoyp G40 der Fall ist.
Laut Harmonogramm wurde mit den Arbeiten am Rohbau im Frühjahr 1955 begonnen, und zwar mit dem anspruchsvollen Setzen der sog. Brunnen – der in einem instabilen Untergrund verwendeten Betonfundamentteile. Anfang Juli wurden die Arbeiten am Rohbau beendet, die Endarbeiten waren bis Monatsende abgeschlossen. Laut der 1959 erschienenen Publikation Bau der Fertigplattenhäuser vom System „G“ wurden bis 1958 nur fünf solcher Häuser errichtet, eins in Zlín und vier in Prag. Obwohl man davon ausgehen kann, dass diese Objekttypen nach 1958 nicht mehr gebaut wurden, sind sicherlich mehr als nur die erwähnten fünf G55-Häuser errichtet worden. Allein im Prager Stadtteil Strašnice findet man fünf von ihnen, und in Pankrác noch ein weiteres.
Der Zlíner Prototyp ist heute mit einer Wärmedämmung versehen, und die Fenster wurden gegen solche aus Kunststoff ausgetauscht. Die neutrale Farbe der Travertinfassaden wurde von einem zwar nüchternen, farblich dennoch wärmerem Putz überdeckt.
 
 
MJ