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Plattenbaudoppelhäuser

Datierung 1946–1947
Architekt(inn)en Bohumír Kula, Hynek Adamec
Kode Z5
Adresse Lesní čtvrť III, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Gymnázium Lesní čtvrť (TROL 3, 13)
GPS 49.2182133N, 17.6933533E

Der Weg zur Zlíner „Platte“ vom Typ G beginnt bereits in der Bauabteilung der Firma Baťa. Wirtschaftliches Kalkül gebot, die Realisierung von Wohnhäusern für die Beschäftigten so viel wie möglich zu vereinfachen und zu beschleunigen, weswegen sich die Firma nicht gegen verschiedene Experimente wehrte. Bereits in der Zwischenkriegszeit schrieb sie Architekturwettbewerbe aus und wurde auch, ein wenig paradoxerweise, zum Arbeitgeber von politisch links orientierten Architekten, die an der Vorfabrikation, also am Industriebau interessiert waren. Hand in Hand mit der Vorfabrikation geht immer das Bestreben, vereinheitliche Elemente mit industriellen Methoden (industrialisiert) für das jeweilige Modulnetz (Standardisierung) für eine oder nur einige Hausarten (Typisierung) zu produzieren.
Einige der genannten Parameter – vor allem die Standardisierung und Typisierung – wurden bereits in der Zwischenkriegszeit erfüllt. An der Wende der 1930er und 1940er Jahre experimentierten die Zlíner mit Ortbetonbauten. Nachdem drei Versuchshäuser aus Ortbeton die Erwartungen nicht erfüllt hatten, realisierte die Bau- und Versuchsbaugruppe offenbar in den Jahren 1942-1943 im Wohnviertel Lesní čtvrť (Waldviertel) zwei Doppelhäuser, bei denen vorgefertigte Teile integriert wurden. Bei der ersten Variante wurden die vorgefertigten Teile als nicht tragende Teile verwendet, die das monolithische Skelett füllten, bei der zweiten Variante hat man dann bereits vorgefertigte Teile als tragende Teile verwendet.
Einen weiteren Entwicklungsschritt stellten dann drei Doppelhäuser in der Straße Tomáš Baťa aus den Jahren 1944–1945 dar. Dort wurde bereits ein Kran für die Montage von 270 cm hohen und 90 cm breiten Platten verwendet, die an der Wandinnenseite mit einer Isolierung versehen wurden. Auch hat man Holzdecken angebracht. Die Platten wurden vor Ort gegossen, allerdings ohne integrierte Isolierschicht, wie sie von späteren Plattenbauhäusern her bekannt sind. Die Isolierplatten wurden damals in einer zwei Kilometer entfernten Fabrik hergestellt und erst auf der Baustelle nachträglich an die Betonplatten montiert.
Dieser Doppelhaustyp wurde nach gewissen Veränderungen in einer Serie von fünfzehn Objekten für das Wohnviertel Lesní čtvrť verwendet. Hier ging es bereits darum, die Möglichkeit des seriellen Bauens mit einer Kranbahn zu prüfen. Die wesentlichste Neuerung war die Verwendung von gerippten Stahlbetonplatten. Die vorgefertigten Profilplatten wurden außen mit einer glatten Seite versehen, die vertikalen Rippen auf der Innenseite dienten nicht nur zur Aussteifung der Platten, sondern auch zur Befestigung der Dämmplatten, die praktisch die Innenwand des Hauses bildeten. Nach der Fertigstellung der fünfzehn Doppelhäuser gingen die Mitarbeiter der Experimentellen Baugruppe dazu über, zwei weitere Häuser mit einer anderen Art von Decke zu realisieren. Dort, wo sie bei den Serienhäusern Betonbalken-Decken angebracht hatten, entwarfen sie für die beiden zusätzlichen Häuser Decken aus Plattenteilen, die mit den gerippten Stahlbetonaußenplatten verschweißt wurden.
Die weitere Entwicklung ging in den Jahren 1948–49 in Richtung eines in nur 36 Tagen errichteten Viertelhauses und danach in Richtung des ersten zweistöckigen Fertigbaumietshauses. Es war das erste Gebäude, das die Möglichkeit bestätigte, nicht nur Familienhäuser aus Betonteilen zu montieren, sondern auch mehrstöckige Bauten, was besonders den weiteren Bemühungen von Hynek Adamec und Bohumír Kula um eine Reihe von Innovationen die Richtung vorgab, die in den bekannten Plattenbautypen „G“ ihren Höhepunkt fanden.
Heute haben jene insgesamt siebzehn Fertigbaudoppelhäuser verschiedene Veränderungen durchgemacht. Eine Reihe von Besitzern haben in den vergangenen über 70 Jahren sowohl nachträgliche Anbauten hinzugefügt, als auch die Disposition und die Fassaden geändert. Obwohl viele Details verschwunden sind, sind die Häuser wegen ihrer verborgenen Konstruktion ein einzigartiges Beispiel für den tschechoslowakischen Weg zu einem progressiven Massenwohnungsbau. 
 
 
MJ