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Plattenbau G57

Datierung 1958–1960
Architekt(inn)en Bohumír Kula, Hynek Adamec
Kode Z5
Adresse Bartošova čtvrť, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Bartošova čtvrť (TROL 2)
GPS 49.2234844N, 17.7027539E

Mitter der fünfziger Jahre wurde das damalige Gottwaldov zum Planungszentrum für Vollwand-Fertigwohnhäuser. Damals trug das noch einzige tschechoslowakische System dieser Art die Bezeichnung „G-Reihe“. Die erste Plattenfabrik in Malenovice produzierte die Elemente für den Prototyp G40 von der Jahreswende 1953 und 1954, für die ein Stockwerk niedrigere Variante G32 und für die mit einer Ecksektion versehene Variante G55. Diese Haustypen wurden durch eine Prager Serie getestet, die dafür notwendigen Platten stammten aus einer Plattenfabrik im nahegelegenen Toušeň. Nur zwei Plattenfabriken in der Republik konnten die Nachfrage nicht decken, weswegen Häuser vom Typ G Mitte der fünfziger Jahre bei weitem noch keine Kandidaten waren, die Stellung eines gesamtstaatlichen Typs einzunehmen. Eine in Hrušovany bei Brünn gebaute Plattenfabrik lieferte die Fertigteile für weitere Bauten aus der Reihe der Prototypen, die mitunter als G56 bezeichnet und im Jahr 1956 in Brünn errichtet wurden. Bei ihnen handelte es sich um eine modifizierte Version des Typs G40 mit einer anderen technologischen Zusammensetzung der Platten. 
Der erste gesamtstaatliche Plattenbautyp überhaupt, dem wir bis heute in der Tschechischen Republik am häufigsten begegnen, wurde das Haus G57. Zu seiner Verbreitung trugen nicht nur die angewandten Neuerungen bei, sondern auch die massenhafte Errichtung von Plattenfabriken in der ganzen Republik sowie der politische Druck, billige Wohnungen schnell zu bauen, was den Bürgern im Jahr 1958 durch einen Beschluss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei versprochen wurde.
Das Forschungsinstitut für Bauproduktion in Gottwaldov hat sechs Varianten des Typs G57 ausgearbeitet, die durch dieselbe Technologie miteinander verbunden waren, durch die Spannweite von 3,6 m zwischen den tragenden Platten, durch die Konstruktionshöhe eines Stockwerks von 2,85 m und durch die Objektbreite von 11,28 m. Die Gebäudehöhe bewegte sich zwischen drei und vier Stockwerken, die Grundrisse unterschieden sich leicht – alle Typen kombinierten nur einige Grunddispositionen von Zwei- und Dreizimmerwohnungen. Typ VI arbeitete als einziger mit einer markanten Endsektion mit Zugang zu den Treppen von der Seite des Gebäudes. Als bedeutender Schritt erscheint die Möglichkeit, die Treppensektion nebeneinander anzuordnen, um so, im Unterschied zu Typ G40 und G55, verschieden „lange“ Gebäude zu schaffen. Eine weitere Neuheit war auch die Integrierung einer Loggia, was bis heute eines der Haupterkennungsmerkmale von G57 ist. Alle Typen, also I–VI, konnten mit einem Flachdach oder einem schrägen Dach gebaut werden und ließen sich, was die Himmelsrichtungen betrifft, freier positionieren als dies bei Haus G40 mit seiner klar vorgegebenen Orientierung der Fall war.
Die Prototypen wurden in der Geschichte der G-Serie erstmals nicht in Zlín und seiner Umgebung, sondern in Opava, Havířov und danach in slowakischen Städten getestet. Zlín erlebte jedoch bald eine relativ massive Bebauung – ab 1958 wuchs im Stadtviertel Bartošova ein ganzes Ensemble an Wohnbauten empor, das sich aus Bauten vom Typ G57 zusammensetzte und ungefähr von den Straßen Dukelská und M. Knesla abgegrenzt wurde. Das Ensemble ist ein einfaches Beispiel für einen Städtebau, der aus einem rechteckigen, axial komponierten Raster besteht, in dem die einheitliche Wirkung einerseits durch die unterschiedliche Höhe der drei bis fünf Stockwerke hohen Gebäude und dann auch durch einen in die Mitte gesetzten Prototyp G59 gestört wird. Vier weitere G57-Gebäude befinden sich außerhalb des axialsymmetrischen Grundrasters östlich von der Straße M. Knesla. Nach 1960 wurde die Siedlung nach Osten hin um weitere Plattenbauten vergrößert.
Die G57-Objekte ersetzten die Dekoration im Stile des sozialistischen Realismus durch ein einfaches geometrisches Raster, das einem faden Aussehen durch in vertikalen Streifen angeordnete Loggien entgegenwirkte. Von jedem Treppenabsatz aus konnte man zwei bzw. drei, in der Regel Zwei- oder Dreizimmerwohnungen betreten. Nur eine der sechs Varianten bot auch Vierzimmer- und Einzimmerwohnungen, die wir im Stadtviertel Bartošova jedoch nicht vorfinden.
Der schnelle Erfolg des G57 wird auch aus den Statistiktabellen ersichtlich – im Jahr 1960 griffen die Bauplaner in 22,5 % der Fälle nach den Unterlagen zum Haus G57, demnach war fast jedes vierte geplante Wohnhaus in der Tschechoslowakei vom Typ G57.
Das Stadtviertel Bartošova weist eines der ersten realisierten Objekte auf, und zwar eine sehr nüchterne Version von Typ G57, der im Unterschied von seinen G-Vorgängern viele Formen annehmen kann. Die Siedlung wurde vor kurzem „revitalisiert“, die Fassaden sind heute wärmegedämmt und behalten keine einheitliche Farbgebung mehr bei. Man kann zufriedenermaßen feststellen, dass es gelang, die Farblösung in relativ gemäßigten Farben zu halten, obwohl die ursprüngliche Harmonie verloren ging – besonders die warmen Fassadenfarben und der Verlust des von der Wärmedämmung verdeckten Rasters der Plattenkomposition hat den „G-Typen“ nicht allzu gut getan. 
 
 
MJ