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Plattenbau G59

Datierung 1959
Architekt(inn)en Bohumír Kula, Karel Janů
Kode Z5
Adresse Dukelská 3996, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Bartošova čtvrť (BUS 33) Dukelská (TROL 2)
GPS 49.2262103N, 17.6985900E

Rückblickend kann man sagen, dass die Beschäftigten des damaligen Gottwaldschen Baubetriebs Stavosvit mit Typ G58 viele Schwachpunkte der Plattenbauten, die diesen bis heute vorgeworfen werden, abgeschafft haben. Typ G58 vermied eine visuelle Eintönigkeit, ermöglichte die Innendisposition auf verschiedene Art und Weise zu lösen und zu gestalten, bot größere Zimmer oder einen kleinen als Abstell- oder Speisekammer nutzbaren Raum. Diese Prinzipien wurden gleich danach auch beim neuen Typ G59 umgesetzt.
Prototyp G59 wurde im April 1960 im Stadtviertel Bartošova zwischen G57-Häuser gesetzt. Ebenso wie G58 kombinierte er Plattenwände mit Stahlpfeilern, erstmals nicht nur in der Mitte der Disposition, sondern auch an den Fassaden. Das Haus ist nicht unterkellert, hat drei Treppenaufgänge, auf sechs Stockwerken befinden sich insgesamt 39 Wohnungen, davon 17 Zweizimmerwohnungen, 12 Dreizimmer- und sogar 10 Vierzimmerwohnungen. Dabei hatte Prototyp G40, der nur sechs Jahre zuvor bezogen wurde, noch einen völlig anderen Standard geboten – die meisten Wohnungen hatten zwei Zimmer, nur acht von vierzig Wohnungen hatten drei Zimmer. Die Disposition der Wohnungen profitierte von den Innovationen des G58 – mögliche Anordnung von Bad und Küche auf zwei Arten, geräumige Kammern und flexible Positionierung der Trennwände.
Am deutlichsten kamen die Innovationen am Aussehen des Hauses zum Vorschein. Die Fassade der Treppenhäuser mit den kleinen runden Fenstern in den Betonplatten war bereits bei Typ G58 aufgetaucht (und viel früher davor an den französischen Häusern der Firma Camus), ebenso die aus leichten gedämmten und farblich hervorgehobenen Platten bestehenden Fensterbrüstungen. Im Unterschied zum vorhergehenden Typ wirkt die Fassade wegen den markanten U-förmigen Balkonrahmen mit leichten Geländern plastisch. Ein erneuter Vergleich mit dem nur sechs Jahre älteren Prototyp G40 konfrontiert uns mit weiteren Fragen – wie ist es möglich, dass in nur sechs Jahren so viele technologische Innovationen und Stiländerungen von den schweren klassischen Formen des sozialistischen Realismus zu dem futurustischen Aussehen von Typ G59 erreicht wurden?
Wie ist es möglich, dass die gegebenen Typen nicht akzeptiert und weiterentwickelt wurden und dass durch die Anfang 1959 erfolgte Zusammenlegung der Betriebe Stavosvit und Industriebauten Brno der weiteren Entwicklung von Wohnbauten in Zlín im Wesentlichen ein Ende setzte? Ein Vergleich mit den meisten Wohnbauten von heute fällt dann trist aus. Wir können uns fragen, ob die heutigen Wohnhäuser etwas mehr bieten, als die Prototypen vom Ende der fünfziger Jahre. Der Bau von Prototypen brachte zwar viele technische Komplikationen und Mängel mit sich – beispielsweise dass die doppelverglasten Fenster beschlugen und das Kondenswasser dann in die leichten Platten abfloss – trotzdem ist es bedauernswert, dass die Zlíner Typen Anfang der sechziger Jahre durch die Typen TO6B mit ihren großen Spannweiten und relativ faden Fassaden ersetzt wurden. Typ G59 wurde auch mit einem weiteren, aus zwei Sektionen bestehenden Versuchsprototyp in Prag getestet, weitere Objekte wurden dann jedoch nicht mehr gebaut. Die fortschrittliche Kombination von Platten und Stahlpfeilern hat dem sozialistischen Bauwesen offenbar Komplikationen bereitet: „Die Entwicklung des Systems G hat ab Typ G57, der als Grundtyp und endgültiger Stand des ursprünglichen Systems angesehen werden kann, über G58 und G59 das ursprünglich klare System im Bestreben nach Lockerung des Grundrisses und Entlastung des Baus durch Verwendung von Stahlrohrpfeilern verletzt. Das schließt diese Varianten von einer Massenverwendung aus,“ wurde die Situation im Jahr 1960 von Architekt Karel Storch kommentiert.
Auch der Prototyp im Stadtviertel Bartošova spricht heute nicht mehr die ursprüngliche futuristische visuelle Sprache – die Leichtplatten wurden entfernt, die Balkons verändert, die Fassade ist wärmegedämmt und in warmen Farben gehalten. Die Eleganz wurde durch eine schwerfällige einheitliche Fläche ersetzt. Für diese Änderungen verwendet man nicht ganz zutreffend den Begriff „Revitalisierung“ – also eine Art Wiederbelegung. Prototyp G59 ist in heutiger Gestalt leider jedoch tot, oder haucht seinen Atem – bestenfalls – unter einer Styroporschicht aus. 
 
 
MJ