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Volks- und Bürgerschule für Knaben und Mädchen, heute Zlíner Klub 204

Datierung 1897
Architekt/in Dominik Fey
Kode Z1
Adresse třída Tomáše Bati 204, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Náměstí Míru (TROL 1, 2, 3, 4, 5, 8, 9, 11, 12, 13, BUS 31, 32, 33, 35, 36, 53, 70, 90)
GPS 49.2251697N, 17.6656944E

Über die Möglichkeit in Zlín eine Bürgerschule zu gründen hatte man unter den örtlichen Vertretern in Anknüpfung an die Änderung des österreichisch-ungarischen Schulgesetzes bereits im Jahr 1872 begonnen zu diskutieren. Die bis dahin von den Volksschulen gewährleistete Bildung sollten die Bürgerschulen um drei weitere Jahrgänge erweitern. Bis das neoklassizistische Gebäude errichtet wurde, das auf den zeitgenössischen Aufnahmen vom Anfang des 20. Jahrhunderts die mährische Kleinstadt dominierte, sind lange 25 Jahre vergangen. Die Gründung einer Bürgerschule wurde vom Landesschulrat erstmals im Jahr 1875 abgelehnt, auch der zweite und dritte Versuch von 1883 und 1891 ging nicht durch. Die definitive Zustimmung dazu stammt erst aus dem Jahr 1893. In der Zwischenzeit wurde die wachsende Schülerzahl in den provisorisch eingerichteten Klassenzimmern von Haus Nr. 174 und in der zweistöckigen, an der St. Jakobskirche gelegenen (heute bereits abgerissenen) Volksschule unterrichtet.
Der erste Entwurf für das neue Gebäude von 1895 stammt von den Brünner Architekten Vojtěch Dvořák und Karel Welzl. Laut Vorgabe der Ratsherren hatten sie die Aufgabe, die Pläne für einen Bau vorzubereiten, in dem eine Schule, das Rathaus und das Bezirksgericht betrieben werden könnten. Diese Forderung basierte hauptsächlich auf den begrenzten Finanzmitteln der Stadt, für die der Bau von zwei neuen Gebäuden zu kostspielig gewesen wäre. Ausgewählt wurde eine Parzelle am Hauptplatz (am heutigen Friedensplatz), an der Stelle des einige Jahre später von F. L. Gahura entworfenen heutigen Rathauses. Vom Schulrat wurde der so konzipierte Plan eines Multifunktionsgebäudes im Planfeststellungsverfahren des Jahres 1895 mit der Empfehlung abschlägig beschieden, an einem anderen geeigneten Ort ein eigenes Schulgebäude zu errichten.
Hinter dem neuen Projekt stand im Jahr 1896 der erst beginnende Architekt Dominik Fey aus Uherské Hradiště, der gegenüber seinen Kollegen, von denen das Schulgebäude mit 700 Gulden veranschlagt wurde, nach Einreichung des Plans und des Kostenvoranschlags, 300 Gulden weniger veranschlagte. Für den jungen Architekten war der Auftrag für ein öffentliches Gebäude eine Gelegenheit, das neugegründete Architektenbüro für andere Auftraggeber sichtbar zu machen. Am Zlíner Hauptplatz wurde parallel dazu auch eine neue Darlehenskasse gebaut. Die Zlíner Bürgerschule wurde als räumlich geschlossenes, zweistöckiges Objekt mit überdachtem Atrium im zu jener Zeit populären neoklassizistischen Stil erbaut. In die Mittelachse der Vorderfront wurde ein flacher dreiachsiger Risalit mit zwei Seiteneingängen gesetzt, die Fassade wurde im unteren Teil mit einem Bandbossenwerk versehen. Das Haus hat einen fast rechteckigen Grundriss und eine symmetrische Gliederung, die auf einer Trennung zwischen Knaben- und Mädchenschule basiert. Im Erdgeschoss befand sich die Hausmeisterwohnung, zwei Konferenzräume, vier Klassenzimmer (zwei für Knaben, zwei für Mädchen) und eine Turnhalle. Im ersten Stock waren sechs Klassenzimmer, das Direktionsbüro, ein Kabinett und ein Zeichenraum untergebracht, im zweiten Obergeschoss standen wiederum sechs Klassenzimmer und ein Kabinett zur Verfügung. Auch trotz der finanziellen Probleme wurde den Stuckarbeiten eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet, so wurden die Eingangsräume beispielsweise mit Pilastern mit korinthischen Kapitellen verziert. Das Schulgrundstück war von der Hauptstraße durch eine Mauer und durch das Eingangstor abgetrennt, vor den Eingang wurde eine Statue von Kaiser Franz-Josef I. gesetzt.
Nach 1918 wurde die Statue des ehemaligen Monarchen entfernt und an ihre Stelle eine von F. L. Gahura stammende Statue von Johann Amos Comenius gesetzt. Durch den raschen Aufschwung der Firma Baťa hat die Kapazität des Gebäudes im Laufe der zwanziger und dreißiger Jahre nicht mehr ausgereicht. Im Vergleich zu den modern ausgestatteten Masarykschulen hat es darüber hinaus veraltet gewirkt. Im Jahr 1935 bezog die Comenius-Schule demzufolge neue Räume im Viertel Zálešná. Das Gebäude der ehemaligen Bürgerschule diente dann nach und nach mehreren Mietern – etwa dem Arbeitsamt, einer Musikschule und einer Bibliothek. Im Zweiten Weltkrieg hatten deutsche Behörden dort ihren Sitz. Ab dem Jahr 1960 wurde das Gebäude mehr oder weniger durchgehend von der František-Bartoš-Kreisbibliothek genutzt, die erst 2014 in die sanierten ehemaligen Produktionsgebäude Nr. 14 und 15 des Fabrikgeländes umzog. Das Gebäude wird heute unter dem Namen Klub 204 als Zentrum für alternative Kultur und als Begegnungsstätte für gemeinnützige Organisationen genutzt. Hinter der ehemaligen Turnhalle wurde im Zuge der Revitalisierung des Comenius-Parks im Jahr 2015 ein Anbau für ein künftiges Café errichtet. Diese neue Räumlichkeit wartet jedoch noch auf ihre Nutzung, nur vereinzelt finden dort Ausstellungen oder einmalige Gesellschaftsveranstaltungen statt. Autoren der Revitalisierung sind Václav Babka, Pavel Mudřík, Lucie Radilová und Zdeněk Sendler.