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Ausbildung junger Frauen - Masaryk-Schulen

Datierung 1928–1987
Kode Z4
Adresse náměstí T. G. Masaryka, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: náměstí Práce (TROL 2, 3, 4, 5, 6, 10, 11, 12, 13, 14, BUS 31, 38, 70) Památník Tomáše Bati (BUS 53)
GPS 49.2192653N, 17.6656972E
Literatur
  • Katrin Klingan, Kerstin Gust (edd.), A Utopia of Modernity: Zlín, Berlin 2009
  • Dana Kasperová, Výchova průmyslového člověka a firma Baťa v meziválečném Zlíně, Liberec 2014
  • Vilém Klega, Příprava továrního dorostu a další profesní vzdělávání u firmy Baťa, a. s. Zlín v letech 1894-1945, Prešov 1991
  • Bohumil Lehár, Dějiny Baťova koncernu (1894-1945), Praha 1960
  • Petr Mareš, Sonda do kultury města - Zlín, modelové město modernity, Sociologický časopis/Czech Sociological Review, S. 681-701
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1900-1950, sv. 1, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1950-2000, sv. 2, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Annett Steinführer, Stadt und Utopie. Das Experiment Zlín 1920–1938, Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, München 2002, S. 33-73
  • Petr Szczepanik, Mediální výstavba Ideálního průmyslového města. Síť médií v Baťově Zlíně 30. let, Kinematografie a město. Studie z dějin lokální filmové kultury. Sborník prací filozofické fakulty brněnské univerzity, Brno 2005, S. 18-60
  • Zlínský funkcionalismus. Sborník příspěvků sympózia pořádaného u příležitosti 100. výročí narození Františka Lydie Gahury a 90. narozenin Vladimíra Karfíka
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009
  • Madla Vaculíková, Já jsem oves: rozhovor s Pavlem Kosatíkem, Praha 2002

In dem von Architekt František Lýdia Gahura entworfenen und heute nicht mehr existierenden Gebäudekomplex der Masaryk-Schulen wurden außer schulpflichtigen Kindern auch Lehrlinge der Firma Baťa in den frühen Abendstunden und an Samstagen unterrichtet. Als die Zahl der beschäftigten Jugendlichen in den dreißiger Jahren stieg, befand sich die Kapazität des Schulkomplexes am Rande der Aufnahmefähigkeit.
Nach Verlegung eines Teils des Unterrichts der jungen Männer in die Fabrikgebäude 2 und 3 wurden die Masaryk-Schulen überwiegend von jungen Frauen besucht. Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren erhielten eine vielseitigere Ausbildung als Jungen, da der Konzern bei ihnen keine längere Karriere voraussetzte. In der Firma führten sie nur einige spezialisierte Aufgaben aus, die ihrem Charakter nach an Hausarbeit erinnerten. Sie fanden Beschäftigung bei der Herstellung von Leder- und Gummischuhen (Nähen, Textilverarbeitung), bei der Produktion von Strumpf- und Strickwaren, bei der Herstellung von Gasmasken (Reliefarbeiten, Zuschneidearbeiten) usw. Wer gute Noten hatte, konnte ab dem zweiten Jahr eine Ausbildung im unteren und mittleren Verwaltungsbereich (Schreibkräfte, Sekretärinnen, Lohnbuchhalterinnen, Telefonistinnen) beginnen. Ergänzt wurde ihre Ausbildung jedoch durch Kurse in Hausarbeit, Familienerziehung, Wohnkultur und Ästhetik, die sie in einer späteren Phase ihres Lebens verwerten sollten.
Die Ausrichtung ihrer Ausbildung korrespondierte mit Baťas auf die Stellung der Frau im Produktionsprozess des Konzerns bezogenen gesellschaftlichen Normen und basierte im sozialen Bereich auf die allgemein geteilten bürgerlichen Vorstellungen von der Idealfamilie. Junge, minderjährige Mädchen wurden in den Fabriken des Konzerns beschäftigt und in dreijährigen Lehrlingsschulen ausgebildet. Bevorzugt wurde ein praktisch orientierter Unterricht, der den unmittelbaren Bedürfnissen des Betriebes diente, oder eine Ausbildung, die Baťas Anforderungen an die gesellschaftliche Rolle der Frau nach dem Verlassen des Betriebes voll entsprach (Ausbildung für verschiedene Arbeiten im Haushalt, Familienökonomie, Gesundheit und Erziehung, Ästhetik).
Da man damit rechnete, dass die Frauen nach der Heirat zuhause blieben, um zur Stütze ihrer ausgelasteten Ehemänner und zu Erzieherinnen der nächsten Mitarbeitergeneration des Konzerns zu werden, wurden sie in keinen beruflichen Fächern unterrichtet. Eine solche Investition wurde als zeitlich und finanziell unwirtschaftlich angesehen. Entsprechend der Wahrnehmung der Geschlechterrollen erhielten auch verheiratete Frauen nur in Ausnahmefällen Beschäftigungsmöglichkeiten im Konzern. Der Konzern wurde spätestens während der Schwangerschaft von ihnen verlassen.
Die erwähnten geschlechtsspezifischen Vorstellungen korrespondieren mit den vorliegenden Statistiken. So machten im Jahr 1940 Frauen unter 18 Jahren beispielsweise 29,6 % der weiblichen Arbeitskräfte in den Schuhwerkstätten und sogar unglaubliche 48,3 % in den Gummiproduktionsstätten aus. 38,9 % entfielen dann auf die Altersgruppe der 18- bis 21-Jährigen, bzw. 32,6 % auf die weiblichen Arbeitskräfte. Dagegen war der Anteil der Frauen über 31 Jahren mit 6,3 % in den Schuhwerkstätten und nur 1,4 % in den Gummiproduktionsstätten völlig unbedeutend. (Quelle: Mährisches Landesarchiv in Brno, Staatl. Bezirksarchiv Zlín, Bestand Baťa a.s. Zlín, Sign. I/3, Karton 52, Inv.-Nr. 186).
Bestandteil der täglichen Beurteilung der jungen Männer und jungen Frauen war auch ihr Äußeres. Um die Identität der Internatsschüler und –schülerinnen zu stärken, wurden Uniformen eingeführt: für die Mädchen in verschiedenen Ausführungen (meist ein dunkelblaues Kostüm mit Rock und weißer Bluse), für die Männer ein blauer Anzug mit blauer Schirmmütze. Mit Abzeichen auf den Ärmeln wurden die verschiedenen Jahrgänge voneinander unterschieden.
Bei der Baťa-Jugend waren die Uniformen sehr beliebt. Wie sich Madla Vaculíková an ihr Heranwachsen in der Baťa-Schule der Arbeit erinnerte, "gingen einige Mädchen sogar hauptsächlich deshalb zu Baťa, weil man dort Kostüme trug. Weil sie dadurch anders waren. Und wenn sie sich darin zu Hause im Dorf zeigten, ernteten sie Bewunderung. Baťa hatte Kredit. Darin war die Sehnsucht enthalten, zu einer exklusiven Gruppe von Menschen zu gehören...' (Madla VACULÍKOVÁ, Já jsem oves (Ich bin Hafer): Interview mit Pavel Kosatík, Prag 2002, S. 22)
Ursprünglich trugen die Internatsschüler die Uniformen nur zu festlichen Anlässen, in der Fabrik trug man Arbeitskleidung, und außerhalb der Fabrikmauern ging man in Zivil. Ab 1938 wurde das Tragen der Uniformen jedoch – zumindest für junge Männer – auch außerhalb der Fabrik Teil der obligatorischen täglichen Ausstattung. Mit der Einführung der Uniform ging der Militärgruß einher, bei dem man die Hand an den Schirm der Mütze legte.
Nachdem im Rahmen der Kriegswirtschaft Bezugskarten für Kleider eingeführt wurden, musste die Uniformierungspflicht aufgegeben werden. Dies wurde von einem Teil der jungen Leute begrüßt, die sich mit Baťas Ansprüchen nicht identifizieren konnten. "Ach wissen Sie, weil ich in der Opposition war, habe ich keine Uniform gekauft", sagte Madla Vaculíková an seine Adresse. "Sie konnten mich erst gar nicht dazu zwingen, ein Kostüm zu tragen. Stoff gab es damals nur für Kleiderpunkte." (Madla VACULÍKOVÁ, Já jsem oves (Ich bin Hafer): Interview mit Pavel Kosatík, Prag 2002, S. 21, 22). Zum Erkennungsmerkmal wurde dann ein Abzeichen, das von Baťas Schützlingen gut sichtbar am Revers der Zivilkleidung getragen werden musste. Ein perfektes Äußeres blieb eine Selbstverständlichkeit. Jeden Morgen kontrollierten die Erzieher und Erzieherinnen, ob ihre Schützlinge die Nähte der Strümpfe und die Knöpfe an den Hosen geradegezogen und die Schuhe geputzt hatten.

MM