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Ausbildung junger Männer - Haus der Kultur

Datierung 1924–0
Baumeister Firma V. Nekvasil
Kode Z4
Adresse Gahurova 5265, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: U Zámku (TROL 6, 7, 8, 9, 10, 14, BUS 32, 33) náměstí Práce (TROL 2, 3, 4, 5, 6, 10, 11, 12, 13, 14, BUS 31, 32, 35, 36, 53, 70, 90)
GPS 49.2243261N, 17.6611031E
Literatur
  • Katrin Klingan, Kerstin Gust (edd.), A Utopia of Modernity: Zlín, Berlin 2009
  • Dana Kasperová, Výchova průmyslového člověka a firma Baťa v meziválečném Zlíně, Liberec 2014
  • Vilém Klega, Příprava továrního dorostu a další profesní vzdělávání u firmy Baťa, a. s. Zlín v letech 1894-1945, Prešov 1991
  • Bohumil Lehár, Dějiny Baťova koncernu (1894-1945), Praha 1960
  • Petr Mareš, Sonda do kultury města - Zlín, modelové město modernity, Sociologický časopis/Czech Sociological Review, S. 681-701
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1900-1950, sv. 1, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1950-2000, sv. 2, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Annett Steinführer, Stadt und Utopie. Das Experiment Zlín 1920–1938, Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, München 2002, S. 33-73
  • Petr Szczepanik, Mediální výstavba Ideálního průmyslového města. Síť médií v Baťově Zlíně 30. let, Kinematografie a město. Studie z dějin lokální filmové kultury. Sborník prací filozofické fakulty brněnské univerzity, Brno 2005, S. 18-60
  • Zlínský funkcionalismus. Sborník příspěvků sympózia pořádaného u příležitosti 100. výročí narození Františka Lydie Gahury a 90. narozenin Vladimíra Karfíka
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009
  • Madla Vaculíková, Já jsem oves: rozhovor s Pavlem Kosatíkem, Praha 2002

Das der Öffentlichkeit heute als Haus der Kultur bekannte Fabrikgebäude Nr. 2 hat eine eher ungewöhnliche Vergangenheit. Es zählte zu den ersten standardisierten Gebäuden auf dem Gelände, obwohl der damals ursprünglich gestellte Bauantrag nicht allzu sehr darauf hindeutete. Die sich aus einer Grunddienstbarkeit und den behördlich erteilten Baugenehmigungen ergebenden Einschränkungen wurden vom damaligen Bauherrn (der Firma T. & A. Bat'a) nicht beachtet, statt eines schmaleren zweigeschossigen Gebäudes entstand ein dreigeschossiges Gebäude mit Standardmaßen. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1924 wurde es vor allem für die Firmenverwaltung genutzt, es beherbergte die Geschäftsleitung, und bis zu seinem tragischen Tod hatte Tomáš Baťa dort sein Büro.
Im Zusammenhang mit der 1939 erfolgten Inbetriebnahme des neuen Verwaltungsgebäudes Nr. 21 wurde das bestehende Gebäude Nr. 2 (wie auch das Nachbargebäude Nr. 3) zu einem Schulgebäude umgebaut. Durch entsprechend gewählte Trennwände wurden die einzelnen Etagen in dutzende von Klassenzimmern, Labors, Zeichensälen, Büros, Garderoben, einen Konferenzsaal und ein Rektorat unterteilt. Die Böden wurden in allen Klassenzimmern mit Gummiteppichen ausgelegt, um Lärm und Staub zu reduzieren. Die Klassenräume wurden mit modernen Möbeln eingerichtet und alle notwendigen technischen Hilfsmittel, Werkzeuge und Geräte zur Verfügung gestellt. Eine Zeit lang beherbergte das Gebäude die Gewerbeschule junger Männer.
Die Jungen saßen wochentags am Vorabend, meist von 18:30 bis 20:00 Uhr, und samstags am Vormittag auf den Schulbänken. Die Schule hat ihnen mindestens 12 Stunden aus dem Wochenarbeitsplan gestrichen, in den oberen Klassenstufen maximal 22 Stunden. Der Unterricht wurde jedoch durch die Produktionsabläufe im Werk gestört. Trotz Kritik der Geschäftsleitung hielten die Meister die Lehrlinge wiederholt solange in den Werkstätten, bis die Tagesnorm erreicht war.
Die organisierte Ausbildung der Jungen sollte künftige qualifizierte Mitarbeiter für den Baťa-Konzern heranbilden. Die Aufgabe der Schule war es, sie mit dem technologischen Prozess der Produktion vertraut zu machen, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich die erforderlichen Gewohnheiten anzueignen, sie mit den Werkzeugen für eine unmittelbare Orientierung in der Industriekultur und einer Sensibilität für ihre alltäglichen Bedürfnisse auszustatten. Da eine mit der Fabrik verbundene Zukunft eines Absolventen vorgesehen war, sollte ihn die Ausbildung zu einer qualifizierten Arbeit mit Aussicht auf eine Führungsposition befähigen.
Auf dem Stundenplan standen Mathematik, Geometrie, Maschinenkunde, Modellbau und Schuhkunde. Das heißt, Fächer, die eng mit dem Schuhmacherhandwerk und dem Marketing zusammenhängen. Bereits Anfang der dreißiger Jahre wurden in der Schuhmacherschule etwa 20 Klassen pro Jahr eingerichtet, die teilweise durch Unterricht in einer Fremdsprache (Deutsch, Englisch, Französisch u.a.) ergänzt wurden. Auch ausländische Minderjährige (Briten, Franzosen, Inder, Jugoslawen, Deutsche, Holländer, Polen, Schweizer u.a.) fanden in den Zlíner Internaten Aufnahme, wo sie mit der Baťa-Industriekultur und der tschechischen Sprache vertraut gemacht wurden und nach ihrer Rückkehr in die Heimat als qualifizierte Mitarbeiter der ausländischen Filialen eingesetzt wurden.
Mit der Expansion des Konzerns über die Schuhproduktion hinaus, wuchs auch das Interesse an einer Ausbildung in anderen Bereichen. Nach und nach wurden Chemie-, Maschinenbau-, Textil-, Bergbau- und andere Spezialschulen gegründet. Mit ihrer Gründung änderte sich die Ausbildungsstruktur zu einer sogenannten Gewerbeschule. Statt der dreijährigen Fächer wurde die Ausbildung auf vier Jahre ausgedehnt, wobei das dritte und vierte Jahr die sog. Meisterschule bildeten. Der Abschluss eines vierjährigen Jahrgangs sollte mit dem Abschluss einer unteren Gewerbeschule vergleichbar sein, bei einem zweijährigen Jahrgang mit einem sog. Abschlusszeugnis einer weiterführenden Schule. Ab Ende der dreißiger Jahre kamen zwei weitere Jahre (V. und VI.) der sog. höheren Gewerbeschule hinzu, die die Absolventen mit dem Reifezeugnis abschließen konnten.
Die nachfolgenden Zyklen standen nur solchen Kandidaten offen, die in den unteren Ausbildungsstufen erfolgreich waren und ein sehr strenges Auswahlverfahren bestanden, wobei auch die Ergebnisse in der Schule und in den Werkstätten sowie das Verhalten im Internat beurteilt wurden. In Abhängigkeit vom jeweiligen Ausbildungsstand sollten die Absolventen anschließend in verschiedenen verantwortungsvollen Positionen eingesetzt werden – als Facharbeiter und Bürokräfte, als Mitarbeiter in der unteren Kontrollsphäre (Werkstattmeister, Kontrolleure) oder als mittlere Sachbearbeiter und technische Angestellte. Die Studenten der Tomášov genannten Zlíner Gewerbeschule sollten eine wirklich elitäre Firmenausbildung erhalten, die den Anforderungen an Top-Manager der Firma Baťa entsprach.
Die Standardisierung des Baťaschen Lehrlingsschulwesens sollte den gesamten Ausbildungsprozess rationalisieren. Das Ergebnis ähnelte dann auffällig den standardisierten Produktions- und Marketingprozessen.

MM