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Einstellung junger Männer und Frauen - Fabrikgebäude Nr. 11

Datierung 1924
Architekt/in Stanislav Nekvasil
Kode Z4
Adresse Třída Tomáše Bati 544, Zlín
Literatur
  • Katrin Klingan, Kerstin Gust (edd.), A Utopia of Modernity: Zlín, Berlin 2009
  • Dana Kasperová, Výchova průmyslového člověka a firma Baťa v meziválečném Zlíně, Liberec 2014
  • Vilém Klega, Příprava továrního dorostu a další profesní vzdělávání u firmy Baťa, a. s. Zlín v letech 1894-1945, Prešov 1991
  • Bohumil Lehár, Dějiny Baťova koncernu (1894-1945), Praha 1960
  • Petr Mareš, Sonda do kultury města - Zlín, modelové město modernity, Sociologický časopis/Czech Sociological Review, S. 681-701
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1900-1950, sv. 1, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1950-2000, sv. 2, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Annett Steinführer, Stadt und Utopie. Das Experiment Zlín 1920–1938, Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, München 2002, S. 33-73
  • Petr Szczepanik, Mediální výstavba Ideálního průmyslového města. Síť médií v Baťově Zlíně 30. let, Kinematografie a město. Studie z dějin lokální filmové kultury. Sborník prací filozofické fakulty brněnské univerzity, Brno 2005, S. 18-60
  • Zlínský funkcionalismus. Sborník příspěvků sympózia pořádaného u příležitosti 100. výročí narození Františka Lydie Gahury a 90. narozenin Vladimíra Karfíka
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009
  • Madla Vaculíková, Já jsem oves: rozhovor s Pavlem Kosatíkem, Praha 2002

Der in den Jahren 1923–1924 gebaute Vorgänger von Gebäude Nr. 11 war in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Das mit einer Stahlbetonrahmenkonstruktion errichtete dreistöckige Gebäude war im Hinblick auf die Ost-West-Ausrichtung der Fabrikgebäude unüblicherweise nach Süden hin orientiert. Grund dafür war der hinter dem Gebäude verlaufende Gleisanschluss zur nahegelegenen Ziegelei. Auffällig war es auch wegen seinen Maßen. Ursprünglich bestand es aus 13 Feldern, jedoch wurden im Jahr 1936 infolge des Baus eines neuen Haupttores zwei Felder an der Ostseite entfernt (12,20 × 20,00 m). Es war eines der ersten dreigeschossigen Gebäude, das 1941 wegen schlechter Statik für Verwaltungszwecke umgebaut wurde. Eine Zeit lang beherbergte es dann die Personal- und Sozialabteilung. Im Inneren befanden sich Fachabteilungen wie ein psychotechnisches Labor, Wartezimmer, Untersuchungsräume und eine Kartothek. Die meisten angeworbenen Mitarbeiter mussten hier durch, und ein Teil des relativ komplizierten Einstellungsprozesses von Lehrlingen fand hier statt.
Für die Zulassung zu Lehrstellen waren strenge Grenzen gesetzt. Bewerben konnten sich nur männliche und weibliche Absolventen einer mindestens 3-jährigen Bürgerschule mit guten Noten im Alter von 14 bis 15-16 Jahren. Sie mussten ihre Fähigkeiten in Aufnahmetests und in psychotechnischen Prüfungen unter Beweis stellen, in denen Intelligenz, Schnelligkeit, Gehorsam und schnelles Urteilsvermögen getestet wurden. Diese Tests sollten ein subjektives Vorgehen bei der Auswahl von Kandidaten minimieren und durch die vorausgesetzte Objektivität des "wissenschaftlichen Verfahrens" ersetzen. Abgesehen davon hat sich die Bearbeitungszeit von Anträgen durch die Anwendung dieser Methoden auch deutlich verkürzt. In der nächsten Phase wurde jeder geeignete jugendliche Kandidat einem Einzelgespräch unterzogen. Auch die körperliche Fitness wurde überprüft, wobei das endgültige Urteil von einem Arzt gefällt wurde. Eine zweimonatige Probezeit war Selbstverständlichkeit.
Teil der Qualifikationsanforderungen waren auch einige überraschende Nachforschungen. So wurden beispielsweise auch die finanziellen Verhältnisse der Bewerber überprüft. In einer Kartei waren nicht nur der Wert von Immobilien und die Höhe der Ersparnisse eines eingestellten Mitarbeiters verzeichnet, sondern auch die finanziellen Verhältnisse der Eltern. Bei erwachsenen Kandidaten konnte der materielle Hintergrund als Maßstab für die Zulassung herangezogen werden, während bei Jugendlichen die erworbenen Kenntnisse im Hinblick auf eine künftige Tätigkeit im Betrieb im Erwachsenenalter erfasst wurden. So war etwa auch die Höhe des Firmenkontos ein Kriterium bei der Erstellung von Verzeichnissen von Mitarbeitern, die für verantwortungsvollere Positionen ausgewählt wurden. Das sagte etwas über die Fähigkeit aus, mit Geld umzugehen und zeigte gleichzeitig die Loyalität zum Unternehmen auf, da auch der Arbeitgeber über diese Beträge verfügen konnte.
Die Aufnahmeprüfungen fanden zunächst nur in Zlín statt. Später wurde die Prüfung auf die meisten größeren Städte in der Tschechoslowakei ausgedehnt, sodass sich auch Kandidaten aus entlegeneren Gebieten und niedrigeren sozialen Gruppen bewerben konnten. Das Abschlussgespräch und die ärztliche Untersuchung fanden in Zlín statt. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit war das Interesse an einer Aufnahme an den Baťa-Arbeitsschulen enorm: Bis zu 15000 Bewerber erfüllten bis Ende der dreißiger Jahre die strengen Anforderungen. Jährlich rekrutierte das Unternehmen ungefähr achthundert junge Männer und junge Frauen.

MM