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Kollektive Übungen und Sport - Baťa-Internate

Datierung
Kode Z4
Adresse Náměstí T. G. Masaryka 2433, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Památník Tomáše Bati (BUS 53)
GPS 49.2207511N, 17.6632794E
Literatur
  • Katrin Klingan, Kerstin Gust (edd.), A Utopia of Modernity: Zlín, Berlin 2009
  • Dana Kasperová, Výchova průmyslového člověka a firma Baťa v meziválečném Zlíně, Liberec 2014
  • Vilém Klega, Příprava továrního dorostu a další profesní vzdělávání u firmy Baťa, a. s. Zlín v letech 1894-1945, Prešov 1991
  • Bohumil Lehár, Dějiny Baťova koncernu (1894-1945), Praha 1960
  • Petr Mareš, Sonda do kultury města - Zlín, modelové město modernity, Sociologický časopis/Czech Sociological Review, S. 681-701
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1900-1950, sv. 1, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1950-2000, sv. 2, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Annett Steinführer, Stadt und Utopie. Das Experiment Zlín 1920–1938, Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, München 2002, S. 33-73
  • Petr Szczepanik, Mediální výstavba Ideálního průmyslového města. Síť médií v Baťově Zlíně 30. let, Kinematografie a město. Studie z dějin lokální filmové kultury. Sborník prací filozofické fakulty brněnské univerzity, Brno 2005, S. 18-60
  • Zlínský funkcionalismus. Sborník příspěvků sympózia pořádaného u příležitosti 100. výročí narození Františka Lydie Gahury a 90. narozenin Vladimíra Karfíka
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009
  • Madla Vaculíková, Já jsem oves: rozhovor s Pavlem Kosatíkem, Praha 2002

Die morgendlichen Übungen der jungen Männer und Frauen fanden bei annehmbaren Wetter jeden Morgen nach sechs Uhr auf provisorischen Sportplätzen in der Nähe der Internate statt. Den jungen Männern wurden von den Erziehern zur Anregung der Durchblutung und Lockerung der Muskeln ungefähr 15 Minuten lang einfachere Übungen vorgeturnt: Vorbeugen, Beine ausstrecken, Dehnübungen, Arme hochstrecken, Kniebeugen. Ein mehrminütiges Volleyballspiel über ein schnell gespanntes Netz sollte wiederum ihre Konzentration steigern. Für die jungen Frauen begann der Tag ebenfalls mit einer viertelstündigen Übung. Statt Konditionsübungen und Kollektivspielen widmeten sie sich der Rhythmik und leichteren Gymnastikformen. Für die Morgenübungen hatte man Grundstücke des Internatsviertels hergerichtet, wofür auch die Lehmgrube der Ziegelei (das heutige Leichtathletikstadion) genutzt wurde, beliebt war auch die Freifläche oberhalb des Studieninstituts. Das benachbarte Schulviertel hingegen war mit einem Sportplatz und einem kleineren Schwimmbecken ausgestattet.
Dies war nicht die einzige organisierte Bewegung der Internatsbewohner – regelmäßige Leibesübungs- und Rhythmikstunden fanden ebenfalls Aufnahme in den Stundenplan der Schule. Sport füllte auch (zusammen mit organisierter Unterhaltung) die meiste „Freizeit“ zwischen der Arbeit in der Fabrik und der Ausbildung in den Schulen und Kursen aus. Neben zahlreichen Sommer- und Wintersportarten gab es Samstags- und Sonntagsausflüge in die Natur und anspruchsvollere Bergwanderungen; sehr verbreitet waren auch Pfadfindertouren. Denn, so propagierte der sog. Tageszeitplan: „Untätigkeit und Langeweile sind nicht erquicklich und führen häufig zu schlechten Angewohnheiten und Lastern wie schlechte Gesellschaft“.
Höhepunkt der sportlichen Vorbereitungen waren regelmäßig veranstaltete Sportspiele, mit denen die jungen Frauen und jungen Männer unter großer Zuschauerbeteiligung das Schuljahr begannen. Im auf der Fläche der ehemaligen Štěpánek-Fabrik errichteten SK-Baťa-Stadion führten sie perfekt beherrschte Aufstellungen, physisch anspruchsvolle Turnübungen und ästhetisch komponierte Einstudierungen von Rhythmikensembles vor. Bei öffentlichen Festen gelangte der Sport auch bis in die Straßen der Stadt: auf dem Platz der Arbeit startete die berühmte Rallye Zlínská osma (Die Zlíner Achte) unter internationaler Beteiligung und mit Großhubraum-Wagen angesehener Marken. Unter den rasenden Läufern wiederum konnte man den hoffnungsvollen Absolventen der Baťa-Schule Emil Zátopek sehen.
Sich einen gestählten Körper anzutrainieren war in den dreißiger Jahren keine Neuheit. Schon im 19. Jahrhundert zählte das zur „Ausstattung“ der meisten Nationalbewegungen (z.B. bei den deutschen Turnern oder der tschechischen Sokolbewegung). Die Idee, einen gesunden und leistungsfähigen Körper zu kultivieren, haben weitere Bewegungen von ihnen übernommen, später auch Unternehmer mit großen sozialen Visionen wie Tomáš als auch Jan Antonín Baťa es waren. Für die jungen Männer und Frauen wurden kollektive Leibesübungen somit zu einem gängigen Bestandteil des Tages. Sie bereiteten einen auf die Arbeit selbst vor. Physische Aktivitäten stärkten den Körper, steigerten die Leistung und Wettbewerbsbereitschaft – ein weiteres wesentliches Attribut des normalen Verhaltens der Beschäftigten – die nötig ist, um Erfolg zu haben und Gewinn zu erzielen. Auch erfahrene, eingearbeitete Beschäftigte waren noch bestrebt, durch Wettbewerbe und körperliches Training vollkommener zu werden.

MM