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Morgendliche Hetze - Zweites Knabeninternat

Datierung 1930–1937
Kode Z4
Adresse Náměstí T. G. Masaryka 1279, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Památník Tomáše Bati (BUS 53)
GPS 49.2202036N, 17.6636772E
Literatur
  • Katrin Klingan, Kerstin Gust (edd.), A Utopia of Modernity: Zlín, Berlin 2009
  • Dana Kasperová, Výchova průmyslového člověka a firma Baťa v meziválečném Zlíně, Liberec 2014
  • Vilém Klega, Příprava továrního dorostu a další profesní vzdělávání u firmy Baťa, a. s. Zlín v letech 1894-1945, Prešov 1991
  • Bohumil Lehár, Dějiny Baťova koncernu (1894-1945), Praha 1960
  • Petr Mareš, Sonda do kultury města - Zlín, modelové město modernity, Sociologický časopis/Czech Sociological Review, S. 681-701
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1900-1950, sv. 1, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1950-2000, sv. 2, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008
  • Annett Steinführer, Stadt und Utopie. Das Experiment Zlín 1920–1938, Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder, München 2002, S. 33-73
  • Petr Szczepanik, Mediální výstavba Ideálního průmyslového města. Síť médií v Baťově Zlíně 30. let, Kinematografie a město. Studie z dějin lokální filmové kultury. Sborník prací filozofické fakulty brněnské univerzity, Brno 2005, S. 18-60
  • Zlínský funkcionalismus. Sborník příspěvků sympózia pořádaného u příležitosti 100. výročí narození Františka Lydie Gahury a 90. narozenin Vladimíra Karfíka
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009
  • Madla Vaculíková, Já jsem oves: rozhovor s Pavlem Kosatíkem, Praha 2002

Das in der Vergangenheit 2. Knabeninternat genannte Gebäude war Teil der aus den die rechte Seite des Gahura-Prospekts säumenden Gebäudereihen bestehenden Unterkunftseinrichtungen für Männer. Der verwendete Baustandard behält die Spannweite der Stütztsäulen von Industrieobjekten bei (6,15 × 6,15 m), was die Maße der Unterbringungsräume vorherbestimmte. Die Größe der Zimmer wurde leicht erweitert um in der Achse der Innensäulen angebrachte Einbauschränke; die Vergrößerung ging zu Lasten des Mittelfelds, das von einem geräumigen Korridor gefüllt wurde. Die Zimmerbelegung richtete sich nach dem Alter und der erreichten Ausbildung: zu Zeiten Baťas bewegte sie sich zwischen 20 neu aufgenommenen Lehrlingen und bis zu 8 frischen Absolventen von Baťas Schule der Arbeit.
Die Zimmereinrichtung bestand aus einfachen Eisenbetten (bei dichterer Belegung aus Etagenbetten), deren Matratzen mit weißen Betttüchern bezogen waren. Die Federbetten und Kissen mussten immer dann, wenn sie nicht zu ihrem Zweck dienten, auf den Betten vorschriftsmäßig glattgestrichen sein. Die Gänge zwischen den Betten waren gerade breit genug, damit man den geteilten Nachttisch erreichte und man ins Bett steigen konnte. Aus Platzgründen war die Menge der persönlichen Sachen auf den Zimmern relativ begrenzt; sie mussten in die Einbauschränke und in Pappkartonkoffer unter den Betten hineingepresst werden. Da die Wohnräume in den Internaten nur als Schlafzimmer gedacht waren, boten sie für gewöhnlich keine größere Bequemlichkeit. Ein Tisch mit Stühlen und eine Liege waren lediglich ein Privileg für Zimmer der höheren Jahrgänge. Zum Lernen, kürzeres Ausruhen am Abend oder für Tischspiele dienten speziell eingerichtete Gemeinschaftsräume und Studierzimmer.
Wie die Morgen der jungen Männer und jungen Frauen in den Internaten aussah wird am besten mit Worten wie Hetze, Disziplin und Drängelei beschrieben. Der auf sechs Uhr eingestellte Wecker (in den Sommermonaten um 10 bis 15 Minuten vorgestellt) beendete achteinhalb Stunden Schlaf, und bis Arbeitsantritt blieb eine Stunde. Die Internatsbewohner mussten in dieser vorgegebenen Zeit organisierte Übungen machen, sich um Körperhygiene kümmern und das Zimmer aufräumen. Eine Selbstverständlichkeit war auch ein perfektes äußeres Erscheinungsbild. Bei 22 Zimmern auf einem Stockwerk, wo auf jedem bis zu zwei Dutzend Lehrlingen sein konnten, musste alles schnell, organisiert, diszipliniert und ohne Komplikationen ablaufen – die Abläufe in den Waschräumem und auf den nur in begrenzten Kapazitäten eingerichteten Toiletten duldeten keine Verzögerungen oder Trödelei. In den Zimmern der jungen Männer wurde von sog. Führern (später in Hauptmänner umbenannt) auf alles ein wachsames Auge gerichtet, bei den jungen Frauen wurde der Betrieb auf den Zimmern auf ähnliche Weise sorgfältig von Vorsteherinnen überwacht. Diese gewählten Vertreter fungierten als Bindeglied zwischen den Erziehern und Internatsschülern. Gleichwohl war es bisweilen eine übermenschliche Leistung, sich überall einander abzulösen, es zu schaffen, sich zurechtzumachen, das Bett zu machen und aufzuräumen.
Das kontrollierte Erscheinungsbild der jungen Frauen und jungen Männer betraf auch die Länge der Haare, die Qualität des Gebisses oder das Gesicht allgemein. Eine Übertretung der Normen bzgl. des Aussehens wurde üblicherweise mit einer Strafe belegt. Besonders bei Jugendfestlichkeiten der Fa. Baťa hat man neben den physischen Fähigkeiten auch die Schönheit der Körper nach außen hin repräsentiert, wodurch die Eintracht der Identität der Baťa-Jugend bestätigt wurde.

MM