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Typischer Hallenbau - Gebäude 74

Das Fabrikareal bildet den Kern des sog. Neuen Zlíns, von dem Tomáš Baťa bereits im Jahr 1923 zu reden begann, als er die ersten Pläne zum Bau einer modernen Stadt nach dem Vorbild der amerikanischen Companiy Towns präsentierte. Autor der städtebaulichen Struktur des Fabrikareals ist František Lýdie Gahura, der die einzelnen Industrieobjekte in großzügigen Abständen in parallelen Reihen anordnete. Ein Jahr später – im Jahr 1924 – wurde auch ein neues standardisiertes Konstruktionssystem entwickelt, das den Fabrikgebäuden für die Zukunft auf grundlegende Weise ihre Form gab. Dank der entwickelten Standardisierung, Typisierung, Serienproduktion und der Verwendung moderner Maschinenbauanlagen füllte sich das Areal schnell mit neuen Produktionsgebäuden.

Im Jahr 1932 zählte das Areal über 40 Gebäude. In der ersten Phase tauchten dreistöckige Objekte auf, die bald aus Kapazitätsgründen durch fünfstöckige ersetzt wurden. Diese größeren Betriebsgebäude wurden um niedrigere Hallenbauten ergänzt, die das regelmäßige Fabrikraster einhielten. Ebenso wie die übrigen Gebäude im Areal sollten die Hallen zum kostengünstigsten Anschaffungspreis fertiggestellt werden. Ähnlich wie bei den Standardbauten galt auch für die Hallen, dass es sich um einfache Nutzobjekte handelte, die zumeist auf dem Konstruktionssystem von 6,15 × 6,15 m basierten. Im Unterschied zu den lichtdurchfluteten mehrstöckigen Gebäuden waren die Hallenbauten so konzipiert, damit sie den speziellen Bedürfnissen der jeweiligen Betriebstätten entsprachen, weswegen sie ein anderes Dach oder im Innern eine unterschiedliche Anordnung haben konnten.

In der Zeit zwischen 1930 und 1934 wurden besonders im Westteil des Areals zwölf neue Hallengebäude errichtet (53, 94, 152, 133, 61, 81, 134, 82, 164, ferner das Gebäude für die Kompressoranlage und die Halle für das Gaswerk). Die Hallenbauten dienten zumeist als Maschinenfabriken, in denen firmeneigene Maschinen zur Schuhproduktion hergestellt oder im Ausland gekaufte Maschinen den Bedürfnissen des Unternehmens angepasst wurden. Viele Fabrikhallen sind nicht bis heute erhalten geblieben, da sie neuen Bauten wichen, einige von ihnen dienen jedoch bis heute der Produktion. Gebäude Nr. 74 wurde zur Jahreswende 1930 und 1931 als Maschinenfabrik fertiggestellt. Ein Jahr später wurde neben ihm Gebäude Nr. 73 errichtet, das ebenfalls zur Herstellung von Maschinen diente. Sie wurden als verbundener symmetrischer Dreiertrakt entworfen. Der erhöhte Mittelteil der Halle trägt ein Tonnendach, die seitlichen tieferen Teile der Halle erhielten (im Fabrikareal untypische) Pultdächer. Das Betonskelett wurde ebenso wie die übrigen Gebäude mit einer unverputzten Backsteinausmauerung und einer großzügigen Verglasung versehen.

Der Betrieb des Gebäudes erforderte die Installation eines Krans mit Gleislaufbahn. Für seine Unterbringung wurden die Tragepfeiler im Mittelteil über das Niveau der Seitensektionen hinausgehend erweitert, wodurch die charakteristische Silhouette der Fassade gebildet wird. Das Gebäude ist 10,5 m hoch, 27 m breit und besteht aus elf Quermodulen zu je 6,15 m. Ebenso wie die meisten Fabrikgebäude verfügte Gebäude Nr. 74 ebenfalls über einen Anbau mit Umkleideräumen, einem Schaltraum und Toiletten. Aus der Baustatistik, die von der Firma Baťa über jedes fertiggestellte Gebäude geführt hat, erfahren wir auch die Baukosten – sie betrugen 981 339 Tschechoslowakische Kronen.
Auch trotz der Tatsache, dass die Halle ein reines Nutzgebäude war, ist die Firmenästhetik der roten Backsteine, weißen Betonelemente und weiß gestrichenen Holzdetails an ihr klar zu erkennen. Bis heute wird es zu Produktionszwecken genutzt, nur der Haupteingang wurde an die Westseite verlegt. Der Bau hat keine Wärmedämmung, und sein Charakter wurde bewahrt.