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Standard-Fünfetagengebäude Nr. 45

Datierung 1928
Baumeister Arnošt Sehnal
Kode Z3
Adresse Šedesátá budova č. 45, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: J. A. Bati (BUS 38) Poliklinika (TROL 1, 2, 3, 6, 10, 11, 12, BUS 35, 38, 53, 70)
GPS 49.2239561N, 17.6522014E

Gebäude Nr. 45 ist ein Standard-Fünfetagengebäude, das für die Bedürfnisse der sich schnell entwickelnden Firma Baťa errichtet wurde. Es steht in der Mitte des nach dem Regulierungsplan von František Lýdie Gahura entworfenen Fabrikareals. Das Gebäude ist ein Vorzeigebeispiel dessen, wie man mit Produktionsgebäuden in den dreißiger Jahren umgegangen ist und wie sich ihre Funktion im Laufe der Zeit geändert hat.

Das Fabrikgebäude Nr. 45 wurde gegenüber den Standardmaßen (80 × 20 m) auf einen Grundriss von 80,5 × 20,24 m vergrößert. Es wurde im Jahr 1928 komplett nach dem Entwurf des Baumeisters Sehnal fertiggestellt. Diese kurze Bauzeit entspricht dem fortgeschrittenen Grad der im Unternehmen herrschenden Standardisierung und Typisierung. Die Bauabteilung der Firma Baťa schaffte es, den Bau fünf Monate nach Beginn der Aushubarbeiten zur Nutzung zu übergeben. Gerade die fünfstöckige Variante eines Fabrikgebäudes hat die dreistöckige Version in den zwanziger Jahren aus Kapazitätsgründen abgelöst. Von der Disposition her handelt es sich wieder um einen Dreiertrakt mit Mittelkorridor.

Der Grundbau besteht aus einer Stahlbeton-Rahmenkonstruktion. Eine Neuheit gegenüber den dreistöckigen Bauten waren Tragesäulen mit rundem Querschnitt, deren Verwendung jedoch nicht die Regel war. An Gebäude Nr. 45 könnten wir beide Säulentypen ausmachen. Im Hauptgebäude befinden sich Säulen mit quadratischem Querschnitt, in den Anbauten dann Säulen mit rundem Querschnitt. Die Pfeilerfüße waren für gewöhnlich mit Stahlbetonrahmen verbunden. Gegenüber den dreistöckigen Gebäuden gibt es hier größere Zwischenfensterpfeiler aus Beton (von 30 cm auf 45 cm vergrößert). Die meisten Seitenwände füllten ausladende Fenster in einfachen Eisenrahmen.

Die Decke der fünften Etage stellte gleichzeitig auch das Dach dar, das keine Wärmedämmung hatte und leicht abfiel, damit Wasser ablaufen konnte. Erst nachträglich wurden deshalb unverputzte Heraklith-Platten eingezogen. Die Eindeckung bestand aus einfacher teerfreier Dachpappe, die auf einer minimalen Nivellierschicht aus Schlackenbeton ausgelegt wurde. Das fünfstöckige Gebäude wurde mit Warmluft beheizt, die durch unter den Fenstern befindliche Betonschächte geleitet wurde.
An den Grundblock von Gebäude Nr. 45 wurden nach und nach insgesamt fünf Anbauten angebaut. Neben einem Standardanbau im Modulraster von 6,15 × 6,15 m an der längeren (nördlichen) Gebäudeseite mit der Größe von drei Modulfeldern (3 × 1) hat man an beiden kürzeren Seiten noch zwei Anbauten mit jeweils einem Feld hinzugefügt. Ebenso wie bei den dreistöckigen Gebäuden wurden im Anbau eine zweiläufige Treppe und Serviceräume für die Angestellten untergebracht – Umkleide- und Waschräume, Toiletten und ein Elektroschaltraum. Die Gebäude wurden im Hinblick auf ihre jeweilige Nutzung häufig noch zusätzlich mit Stahlaußentreppen, Lastenaufzügen und Rampen ausgestattet.

Ähnlich wie bei den übrigen Fabrikobjekten waren bei der Fertigstellung von Gebäude Nr. 45 auch der wirtschaftliche Aspekt und die finanziellen Möglichkeiten des Bauherrn, d.h. der Firma Baťa wichtig. Um die Kosten zu senken hat man anstelle qualitativ guter Materialien häufig Lehmkies und Sand aus der March (Morava) und ihrem Nebenfluss Drewnitz (Dřevnice) verwendet. Viele der Fabrikgebäude hatten deshalb bald mit Konstruktions- und Baumängeln zu kämpfen. Sie vertrugen keine großen Belastungen, weswegen ihr Nutzungszweck geändert wurde. Eine 1942 durchgeführte Tiefenkontrolle stellte fest, dass sich Gebäude Nr. 45 in einem schlechten technischen Zustand befand. Das Gebäude sollte dann nur noch weitere sechs bis acht Jahre dienen und danach abgerissen werden, damit auf der Parzelle Platz für ein neues Gebäude sei. Bis dahin sollte das bestehende Objekt zu anderen Zwecken genutzt werden.

Im Jahr 1942 waren im Erdgeschoss ein Walzwerk, die Kartonproduktion und ein Elektroschaltraum untergebracht, im ersten Stock der Handling-Bereich für Textilien, ein Vorbereitungsraum und die Produktion von Holzsohlen und –absätzen. Im zweiten und dritten Stock befanden sich Schuhwerkstätten, die Produktion von Holzschuhen, ein Büro und ein Schaltraum. Im letzten Stock wurden Damenschuhe produziert und die Leisten gelagert. Im Jahr 1956 ist das Gebäude abgebrannt, weswegen die fünfte Etage ein Jahr später teilweise demontiert wurde.
Gegenwärtig befindet sich Gebäude Nr. 45 in Privatbesitz und seine Geschäfts-, Lager-, Produktions- und Büroräume werden vermietet. Es hat eine Teilsanierung durchgemacht, die im Interieur am deutlichsten zu sehen ist. Das Äußere des Gebäudes ist vernachlässigt, die Fassade blieb ohne Wärmedämmung, sodass die starke Verwitterung des Außenmauerwerks sichtbar ist. Das Objekt befindet sich im Herzen des Fabrikareals in der Nähe des Zentralen Schuhlagers und bewahrt seinen rohen Industriecharakter.
Der Raum zwischen den Gebäuden 44 und 45 ist einer der wenigen Orte, an denen sichtbar ist, welche Fülle an Grün es in den dreißiger Jahren dort gab. Grünflächen waren ein wichtiger Bestandteil des Areals. Diese Grünfläche wird jedoch vernachlässigt und nicht gepflegt. Auch trotzdem handelt es sich um einen der authentischsten Orte des gesamten Fabrikbezirks. In der Umgebung findet man Details wie Bahngleise, Seilbahnen und an den Fassaden die ursprünglichen Gebäudenummern.