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Villa der Eheleute Baťa

Datierung 1909–1911
Kode Z3
Adresse Gahurova 292, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Čepkov (TROL 6, 7, 8, 9, 10, 14, BUS 32, 33)
GPS 49.2292958N, 17.6578861E

Tomáš Baťas Villa zählt zu Zlíns wichtigsten historischen Denkmälern. Es ist ein ausgezeichnetes Vorzeigebeispiel für die durch das Werk des Architekten Jan Kotěra repräsentierte Villenarchitektur des frühen Modernismus. Tomáš Baťa ließ die Villa in den Jahren 1909–1911 als seinen Familiensitz bauen. Die Bauarbeiten wurden im Frühjahr 1909 nach den Plänen des Vizovicer Baumeisters František Novák aufgenommen. Tomáš Baťa hat jedoch kurz danach den bedeutenden Architekten und Professor der Prager Universität für Bildende Künste Jan Kotěra angesprochen, damit er den ursprünglichen Entwurf überarbeite. Das Haus ist somit eine Synthese des damaligen Neoklassizismus und des populären Konzeptes eines englischn Familiehaustyps. Die mit Kotěra begonnene Zusammenarbeit am Projekt der Villa mündete in Kotěras Rolle als Firmenberater für Architektur und in seinem urbanistischen Entwurf des Wohnviertels Letná.
Das Grundstück der Villa befindet sich nördlich von der Eisenbahntrasse in der Nähe des Flusses Dřevnice, und Kotěra musste beim Entwurf des Außenraums das Risiko von Überschwemmungen berücksichtigen. Er eliminierte es durch die Schaffung einer Terrasse, die direkt an den Wohnraum anschloss und sie nach außen hin erweiterte. Gleichzeitig trennte er das Haus dank seiner erhöhten Lage und einer Ziegelstein-Vorbrüstung und mit an Pavillons endenden Korridoren vom Garten. Den Außenraum der Villa war Kotěra bestrebt zu vereinfachen und ihm eine kompaktere Form zu verleihen.
Das Erdgeschoss der Villa diente dem aktiven Familien- und gesellschaftlichen Leben. An das geräumige Wohnzimmer schlossen zwei Flügel an – einer diente als Bibliothek und der zweite als Esszimmer. Von der Bibliothek aus war auch der Herrensalon mit dem erhalten gebliebenen Ziergitter des Kamins von dem Prager Bildhauer Jaroslav Horeic zugänglich. Der Esszimmerflügel war mit der Küche und dem Wintergarten verbunden. Bestandteil des ersten Stocks war auch das Chefbüro.
Das Erdgeschoss wird charakterisiert durch hohe Decken und eine offene Etage mit einer Galerie, die als Verbindungselement zum zweiten Stock diente. Den offenen Wohnraum dominieren große Buntglasfenster, die der Maler František Kysela entworfen hatte. Ein hervorstechendes dekoratives Element der repräsentativen Eingangshalle bildet der zentrale Messingleuchter. Vom Erdgeschoss aus führen zwei Treppen hoch. Die erste führt in den zweiten Stock, der für die Hausbewohner als Ruhe- und Erholungszone diente.
Im ersten Stock war das Kinderzimmer, das Damenzimmer von Marie Baťová, das Schlafzimmer der Eheleute mit Bad und Ankleide und ein kleines Dienstmädchenzimmer. Dort befand sich auch das mit einem eigenen Bad ausgestattete Gästezimmer. Die zweite Treppe für das Dienstpersonal verband alle Ebenen des Hauses vom Keller bis zum Dachgeschoss einschließlich des Hintereingangs.
Das Innere des Damenzimmers wurde später noch mit Mobiliar von Dušan Samo Jurkovič ausgestattet. Das Schlafzimmer hatte eine mit Fresken verzierte Decke und war mit Holz- und Stahlrohrmöbeln ausgestattet. Das Dachgeschoss der Villa bot zwei Zimmer für Gäste und Dienstpersonal und einen Abstellraum. Vom Dachgeschoss aus gelangte man auch auf einen kleinen Turm, von wo aus man eine gute Aussicht auf die Stadt und die Fabrik hatte.

Tomáš Baťa schätzte solche Städte sehr, die mit ihrem Gartencharakter und ihren Grünflächen den Bewohnern genügend Erholung in der Natur boten, weswegen auch der Garten um seine Privatvilla sehr ausgedehnt war. An seinem Aussehen war der Prager Gartenarchitekt František Thomayer beteiligt. Der Zlíner Industrielle ließ gleichzeitig auch hinter der Villa in dem Hang mit den schmalen Wegen, auf denen man gemütlich spazieren gehen konnte, Bäume anpflanzen. Bestandteil des Hanges hinter der Villa war auch eine geräumige Gartenlaube, die er an Nachmittagen und Wochenenden zu Siestas nutzte. Der anschließenden Umgestaltung des Gartens und der Innenräume des Hauses haben sich dann František Lýdie Gahura, Josef Štěpánek und Vladimír Karfík angenommen. Der Außenraum der Villa wurde noch ergänzt um jeweils ein kleines Haus für den Gärtner und für den Verwalter, beide nach Kotěras Plänen. Später wurden noch Ställe, eine Garage, ein Eiskeller, Gartenlauben, Springbrunnen, Gewächshäuser, Frühbeete und ein Obstgarten hinzugefügt. Im Jahr 1938 entwarf Vladimír Karfík für den Westteil des Gartens ein Schwimmbecken.
Nach Tomáš Baťas Tod diente die Villa als Familiensitz und stellte auch weiterhin ein repräsentatives Anwesen dar, auf dem Marie Baťová Geschäftspartner und wichtige Gäste empfing und diplomatische Kontakte pflegte.
Nach 1950 wurde das Haus verstaatlicht und nach und nach zu einem Pionierclubhaus umgebaut. Von der unpfleglichen Behandlung des Hauses und den nachträglich erfolgten baulichen Eingriffen wurde es beträchtlich in Mitleidenschaft gezogen. Durch das großzügige Gartengrundstück wurde eine neue Verkehrsstraße gebaut, die das Stadtzentrum mit dem neu errichteten Wohnkomplex Jižní Svahy (Südhänge) verbindet.
Nach 1989 wurde die Villa an Tomáš Baťa jun. zurückgegeben. In den Jahren 1996–1998 erfolgte eine Sanierung, die mit auch im Hausinnern vorgenommenen Dispositionsänderungen – besonders im zweiten Stock, wo sich heute Büroräume befinden – einen beträchtlichen Eingriff in das ursprüngliche Aussehen des Objektes bedeuteten. Der erste Stock wurde sorgfältig wieder hergerichtet, wobei die ursprüngliche Holzverkleidung, die Intarsien und Stofftapeten, der Messingleuchter sowie die Marmorauskleidung und die Fußböden erhalten geblieben sind. In der ganzen Villa wurden die Fenster ausgetauscht, die Fensterbeschläge und die Türen wurden durch Originalrepliken ersetzt. Bei der Renovierung des Außenraums hat die Stützmauer hinter der Villa, an der die Steinverkleidung durch Beton ersetzt wurde, die meiste Kritik geerntet. Das Schwimmbecken im Garten wurde entfernt, die Gehwege, die den Wald oberhalb der Villa kreuzten, wurden bislang noch nicht renoviert. In der Villa hat heute die Tomáš-Baťa-Stiftung ihren Sitz.

GK