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Produktionshalle Nr. 23, heute Unternehmer- und Innovationszentrum Zlín

Datierung 1927–1928 / 2005-2006
Kode Z3
Adresse Vavrečkova 5262, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Dvacátá (BUS 38)
GPS 49.2239825N, 17.6578981E

Gebäude Nr. 23 ist ein von der Bauabteilung der Firma Baťa entworfener und im Jahr 1927 fertiggestellter Standard-Fabrikbau. Er befindet sich im Ostteil des Produktionsareals und wurde ebenso wie die übrigen Fabrikgebäude mit der amerikanischen Nummerierung in Anlehnung an Zeilen und Reihen gekennzeichnet. Gebäude Nr. 23 ist somit das dritte Gebäude von Süden in der zweiten Zeile von Osten. Es besteht aus einem klassischen Fabrik-Dreiertrakt und ergänzt den von Architekt František Lydie Gahura entworfenen Masterplan, der für die Industriezone ein Schachbrettmuster vorsah. Bei der Errichtung der Gebäude fand das von dem französischen Bauingenieur François Hennebique geschaffene Konstruktionssystem Anwendung. Ebenso wie bei anderen Fabrikhallen war auch hier der Preis für die Firma Baťa wichtig. Um die Kosten zu senken hat man häufig qualitativ schlechten Kies und Sand aus dem Fluss Dřevnice verwendet. Das Gebäude hatte deshalb bald mit Konstruktions- und Baumängeln zu kämpfen, die zu Störungen bzgl. des Zustandes seiner Statik führten.
Gebäude Nr. 23 diente überwiegend direkt zur Schuhproduktion, in den Archivdokumenten ist verzeichnet, wie die einzelnen Etagen im Laufe der Jahre genutzt wurden. So war beispielsweise im Jahr 1942 die erste Etage für die Bearbeitung des Unterleders bestimmt, die zweite für das Oberleder, in der dritten und vierten Etage befand sich die Werkstatt für Konfektionsschuhe. In demselben Jahr wurde auch eine Tiefenkontrolle des Gebäudes durchgeführt, wobei der schlechte Zustand der Stahlbetonkonstruktion festgestellt wurde. Aus diesen Gründen sollte die Halle nur noch weitere sechs Jahre genutzt und danach abgerissen und durch ein neues, sechstöckiges Fabrikgebäude ersetzt werden. Zu dem geplanten Abriss ist es jedoch nicht gekommen. Nach dem Krieg wurde die Nutzung des Gebäudes so angepasst, damit es zu keiner Überlastung mehr komme. Im Jahr 1955 wurde dort beispielsweise die Kartonagenproduktion des nationalen Unternehmens Svit, ein Schuhgroßhandel und die Verwaltung untergebracht. Bestandteil des Gebäudes ist auch ein Außenaufzugsturm aus den sechziger Jahren, der von dem ehemaligen Maschinenraum des Aufzugs gekrönt wird.
In den Jahren 2005 bis 2006 wurde die ursprüngliche Produktionshalle Nr. 23 zu einem Unternehmer- und Innovationszentrum umgewandelt. Aus dem Fabrikobjekt wurde ein Domizil für moderne Büroräume, Cafés und Geschäfte. Die Architekten Pavel Míček und Pavel Mudřík mussten sich in ihrem Entwurf mit dem schlechten technischen Zustand des Gebäudes auseinandersetzen und gleichzeitig dabei den urbanistischen Kontext des Areals berücksichtigen. Um die Ausgewogenheit der Proportionen der benachbarten Bebauung nicht zu verletzen, wurden in der statisch am meisten beschädigten vierten Etage die Wände bis auf das Skelett entfernt. In die dadurch entlastete Etage hat man dann ein leichtes Fertigbau-Büroobjekt mit eigener Stahlkonstruktion gesetzt. Die daraufhin entstandene Terrasse kann von den Mietern der Büroräume genutzt werden und erinnert an die Terrassen, die in den dreißiger Jahren beispielsweise im Verwaltungsgebäude Nr. 21 und im Gemeinschaftshaus (heute Hotel Moskau) zugänglich waren. Gebäude Nr. 23 ist ein klassischer Standard-Dreiertrakt (Büros-Korridor-Büros), die neue Raumlösung des Interieurs leitet sich vom zentralen Korridor ab, der durch in der Decke der 3. Etage befindliche Oberlichter beleuchtet wird. Eine neue Lösung, die auf den aktuellen Input der Architekten und auf die Funktionsänderung des Gebäudes verweist, sind vier auskragende Tubusse außerhalb der Hauptbaumasse des Objektes. In den mit Cortenblech verkleideten Gebäudevorsprüngen sind ganzverglaste Büros untergebracht. Dieser Input der Architekten hebt das Gebäude von der benachbarten, aus Backstein und Beton bestehenden Bebauung ab.
Das ursprüngliche Aussehen des Objektes blieb weiterhin lesbar, die neuen Elemente im Gebäudeinnern (schwarze Stahlverstärkungen der ursprünglichen Stahlbetonkonstruktion) und im Außenraum (Fluchttreppen an der Ostseite) sind klar erkennbar. Sensibel gelöst wurde auch die direkte Umgebung des Gebäudes, in der hochgewachsenes Grün belassen wurde und das entstanden Parterre als öffentlicher Raum dient. Die Sanierung von Gebäude Nr. 23 kann zu den gelungenen Beispielen gezählt werden, ein Fabrikobjekt in ein modernes Verwaltungsgebäude umzuwandeln. Das Objekt ist öffentlich zugänglich.