cz en

Gebäude Nr. 32 und 33

Datierung 1968–1971
Architekt(inn)en Ivan Přikryl, František Bartoš
Kode Z3
Adresse Jana Antonína Bati 5263, 5648, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: J. A. Bati (BUS 38) Dvacátá (BUS 38)
GPS 49.2234456N, 17.6564181E
49.2231856N, 17.6569956E
Literatur
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1950-2000, sv. 2, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008

Der Gebäudekomplex Nr. 32 und 33 war neben dem zentralen Schuhlager Gebäude Nr. 34 das größte und qualitativ beste Bauprojekt im Zlíner Fabrikareal nach dem 2. Weltkrieg. Die Silhouette dieser beiden in der Nähe des Verwaltungsgebäudes Nr. 21 im Ostteil der Fabrik gelegenen markanten Objekte kommt auch im Stadtpanorama zur Geltung. Die von Architekt Ivan Přikryl entworfenen Gebäude entfalten auf kreative Weise die traditionelle Typologie mehrstöckiger zur Schuhproduktion dienender Objekte im Areal, denen sich die Architekten Jiří Voženílek und Vladimír Kubečka einst gewidmet hatten. Sie sind auch im Hinblick auf ihre Baukonstruktion interessant.


Nach der Bombardierung Zlíns im Jahr 1944 und dem anschließenden Brand blieb von dem großen zehnstöckigen Lagerobjekt mit der Nr. 32 und 33 lediglich ein Torso übrig, der beseitigt werden musste. Auf der freigewordenen Parzelle wurden im Jahr 1950 ein zentrales Umspannwerk und eine Elektroschaltstation für das gerade fertiggestellte Gummiwalzwerk errichtet. Im Jahr 1966 entschied man, die freigewordene Fläche für weitere drei neue Objekte zu nutzen. Von den ersten Studien bis zur Fertigstellung des ganzen Komplexes verging eine lange Zeit, fast zwanzig Jahre. Bei der Planung musste die bestehende Bebauung und der Bezug zu den Nachbargebäuden respektiert werden. In der ersten Phase wurde bis 1971 das zehnstöckige Gebäude 33 errichtet, dass als Zentrallager für Chemikalien dienen sollte. Es ist 42 m hoch bei einer Grundrissfläche von 77,4 × 22 m. Darin wurden die Rohstoffe für das benachbarte Gummiwalzwerk (Fabrikgebäude Nr. 43) gelagert, was eine ununterbrochene Versorgung gewährleistete. Im Erdgeschoss konnte das Material schnell direkt auf die überdachte Eisenbahn- und Lieferwagenverladerampe ausgegeben werden. Im zweiten Obergeschoss waren die Umkleide- und Waschräume für die Beschäftigten, ein Labor und die Leitstelle. Im dritten bis neunten Stock befanden sich große Lagerräume mit der nötigsten Ausstattung. Die vertikale Beförderung des Materials besorgten fünf Aufzüge. Heute dient dieses mit zwei Außenfeuertreppen versehene Gebäude zu Lagerzwecken.

Im niedrigeren, beide Hochhäuser verbindenden Mittelteil des Komplexes befanden sich auf einer Fläche von 37 × 50,7 m die Reparaturwerkstätten für die im Fabrikareal verwendeten Maschinen und Technologien, die gleichzeitig auch als Ersatzteillager dienten. In den Etagen standen für die Reparaturen fahrbare Flaschenzüge und Brückenkräne zur Verfügung. Auf dem Dach waren Lüftungskammern als auch Oberlichter konzentriert.

Beim Bau beider Objekte wurde die neue Technologie hochgezogener Decken aus 20 cm starken Stahlbetonplatten verwendet. Die senkrechte Tragekonstruktion bestand aus betonverkleideten Stahlsäulen mit derselben Spannweite von 6,15 × 6,15 m wie bei den klassischen Firmenbauten. Die Platten wurden mit den Säulen durch als Fertigteile gelieferte Stahlbetonkapitelle verbunden. Die Höhe des Souterrains betrug 270 cm, im Erdgeschoss 512 cm und in den übrigen Stockwerken 450 cm. Die für das Areal charakteristischen Ausdrucksmittel wie Rhythmus der Module, Farbgebung, durchgehende Fenster, verwendete Materialien und gefugtes Mauerwerk wurden eingehalten.

Um im Erdgeschoss eine freie Durchfahrt zu gewährleisten war es nach Hochziehen der Deckenplatten aus technologischen Gründen erforderlich, eine Stahlsäulenreihe zu entfernen, was durch eine Hängekonstruktion ermöglicht wurde, welche die drei Stockwerke über den entfernten Säulen trägt. Die Konstruktion wurde von den Architekten und Experten des staatlichen Planungsinstituts Centroprojekt entworfen und vom staatseigenen Betrieb Průmyslové stavby Gottwaldov ausgeführt.


Die Reparaturwerkstätten verbanden Gebäude 33 und das für die Schuh- und Gummiproduktion bestimmte Gebäude 32 zu einer Einheit. Letzteres wird durch zwei markante Treppentürme charakterisiert. Es hat neun Obergeschosse und ein Untergeschoss sowie die Grundrissmaße von 77 × 22 m. Trotz der unterschiedlichen Funktion wurde Gebäude 32 im Hinblick auf die beiden Nachbargebäude der ersten Bauetappe fast identisch zu Nr. 33 entworfen, und zwar sowohl was Grundriss, Höhe, Baukonstruktion, als auch die verwendeten Materialien betrifft.

Das Dreiertraktgebäude hat wiederum eine Tragekonstruktion aus Stahlbeton und das System hochgezogener Decken auf einem Modul von 6 × 6,15 m. Die Konstruktionshöhe eines Stockwerks beträgt 450 cm. In den Endsektionen wurden Service- und Sanitäreinrichtungen untergebracht. Die Stabilität des Gebäudes wird durch zwei markante Stahlbetonkerne gewährleistet. Der Außenmantel beider Gebäude besteht aus durchgehenden Backsteinfensterbrüstungen und Doppelfenstern, die Fensterbrüstungen blieben außen unverputzt und sind in Blankziegeln ausgeführt, die Wände der Lager wurden teilweise verputzt.

Im Gebäude wurde nach Einstellung der Schuhproduktion eine Reihe von Etagen vermietet, in der 4. Etage hatte die Kantine ihren Platz, und in der 8. Etage befand sich das Archiv des Unternehmens Svit. Im Jahr 2012 begann man damit, Gebäude Nr. 32 nach den Plänen von Vít Máslo, David Chisholm und Evžen Duba vom Architektenbüro CMC Architects in Zusammenarbeit mit Graffiti Networks zu einem Multifunktionsobjekt mit Geschäften, Dienstleistungsbetrieben, Lofts, modernen Büroräumen, einem Fitnessstudio und Wellnesszentrum umzuwandeln. Der neue Komplex trägt die Bezeichnung Max 32. Die flexible Fläche ermöglichte sowohl eine hallengerechte Gestaltung, als auch einen geschlossenen Entwurf. Im Erdgeschoss befindet sich eine Kreisfiliale der Tschechischen Post, Geschäfte und Büros. Der multifunktionale Umbau kombiniert Arbeit, Wohnen und Unterhaltung mit dem Bestreben, den Mietern ein Höchstmaß an Bequemlichkeit zu bieten.

LH