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Zentrales Schuhlager Nr. 34

Datierung 1947–1949
Architekt/in Vladimír Kubečka
Kode Z3
Adresse Vavrečkova 5657, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Dvacátá (BUS 38) Střed (BUS 38)
GPS 49.2244553N, 17.6561347E
Literatur
  • Pavel Novák, Zlínská architektura 1950-2000, sv. 2, druhé rozšířené vyd., Zlín 2008

Der Aufschwung Zlíns und des Fabrikareals, der ab Anfang des 20. Jahrhunderts eng mit der Firma Baťa und ihren Aktivitäten verbunden war, wurde vom 2. Weltkrieg unterbrochen. Bei der Bombardierung durch angloamerikanische Flugzeuge wurde am 20. November 1944 auch eine der Hochhausdominanten der Fabrik, das zentrale Schuhlager Nr. 32 und 33 getroffen und durch einen Brand zerstört. Nach dem Krieg mussten die Trümmer beseitigt, mit dem Wiederaufbau begonnen und die ganze Produktion wieder aufgenommen werden. Dabei entstand eine umfassende Entwicklungsstudie für die gesamte Zlíner Region.

Von Architekt Jiří Voženílek wurden die Pläne für den Wiederaufbau des verstaatlichten Fabrikareals ausgearbeitet. In dessen Ostteil siedelte er die Produktionsgebäude für Leder- und Gummischuhe und die Rohstoff- und Warenlager an. Eines der interessantesten Bauten jener Zeit ist das zentrale zehnstöckige Schuhlager mit der Nr. 34 von Architekt Vladimír Kubečka, der ab 1936 in der Bauabteilung der Firma Baťa beschäftigt war. Das Lager wurde ab seinem Entwurf von 1947 bis zur Fertigstellung im Jahr 1955 in drei Etappen errichtet. 1947 wurden in der ersten Etappe aus wirtschaftlichen Gründen lediglich vier Module, also ein Drittel des Baus fertiggestellt. Die Außenwand wurde provisorisch geschlossen, und dieser Teil des Lagers war während der gesamten weiteren Bauzeit in Betrieb. Diese erste Phase wurde auch in dem aus jener Zeit stammenden Propagandafilm Botostroj festgehalten. Das neue Zentrallager wurde zwischen die Produktionsgebäude für Leder- und Gummischuhe gesetzt, und sein Projekt war der erste tschechoslowakische Versuch eines modernen Lagerungsverfahrens mit durchdachter Organisation der internen Beförderung und einem Waggonabfertigungssystem für die fertigen Waren. Von der ausgereiften technischen Ausstattung zeugt auch der Entwurf eines Heliports auf dem Dach des Objektes. Er sollte vor allem die Hubschrauberverbindung mit dem Firmenflugplatz in Holešov gewährleisten.
Das monumentale, 78 × 72 m große Lager hat ein verputztes Stahlbetonskelett, ein Modulraster von 6 × 6 m und Monolithsäulen, -träger und –treppen, ausgemauerte Fensterbrüstungen und Fensterpfeiler. Der Außenmantel des großräumigen Monoblocks besteht aus gefugtem Ausfachungsmauerwerk und Fensterflächen. Das Dach wird von einem Stahlbetongesims mit einer Schiene für einen fahrbaren Hängekorb zur Fensterreinigung abgeschlossen.

In der Mitte aller Fassaden wurden Feuertreppen als dominantes Element angebracht. Die Laderampe wurde mit einem markanten verputzten bogenförmigen Muschelvordach versehen. Im ersten Stock befand sich der Handlingbereich mit Gleisen und einer Abfertigungsrampe für Waggon- und Lieferwagensendungen. Im Expeditionslager erfolgte die Auslagerung mittels kleiner Wagen auf einer ovalen Schienenbahn. Die von diesen Wagen bedienten Lager befanden sich in anderen Stockwerken. Das zehnte Bürostockwerk hatte flexible Trennwände. Die vertikale Beförderung erfolgte durch an den Gebäudeecken befindliche Lastenaufzüge.
Der Autor des Zentrallagers, Architekt Vladimír Kubečka reihte sich unter die bedeutenden Firmenarchitekten, die nach 1945 erfolgreich an die Bautradition der Firma Baťa der Zwischenkriegszeit angeknüpft haben. Er entwarf das seinerzeit modernste Lagergebäude in der Tschechoslowakei mit mechanisiertem Betrieb und einer räumlich sauberen Disposition, und Gebäude Nr. 34 ist heute ein bedeutendes architektonisches Denkmal. Ein Jahr später hat er in Otrokovice-Baťova ein weiteres Fabrikgebäude entworfen. Kubečkas Unterledergerberei (1948–1951) war wiederum mit ihren in Zusammenarbeit mit Professor Konrád Hruban entworfenen und realisierten Konstruktionselementen bemerkenswert.
Nach 1989 begann das ehemalige Zentrallager als Logistikzentrum von Firmen zu dienen. Heute ist es Sitz der Gesellschaft CREAM Real Estate, die in der letzten Etage große Büroräume hat. Wegen seines Umbaus gemäß den neuen Forderungen des Eigentümers kam es auch zu einem Austausch der Fenster und zu einer Änderung in der Rhythmisierung der Fassade.

LH