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Gebäude 21

Datierung 1937–1938
Architekt/in Vladimír Karfík
Kode Z3
Adresse třída Tomáše Bati 21, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Dvacátá (BUS 38)
GPS 49.2230756N, 17.6583900E
Denkmalschutz Das Gebäude 21 ist immobiles Kulturdenkmal mit der Registernummer ÚSKP 26160/7-1894

In der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre wird die Firma Baťa zu einem Weltkonzern, der unter der Leitung von Jan Antonín Baťa allein in Zlín über 32 Tausend Arbeiter beschäftigt (1937). Um die Organisation im Unternehmen zu verbessern beginnt man im Jahr 1936 mit Überlegungen, drei Verwaltungsgebäude für zweitausend Bürokräfte zu errichten. Bei den Objekten sollte es sich um standardisierte fünfstöckige Bauten handeln, die durch Gebäudebrücken miteinander verbunden sind. Die zweite Variante, die Architekt Vladimír Karfík, der Chef der Bauabteilung der Firmenleitung vorlegte, war ein Hochhaus – ein siebzehnstöckiger Wolkenkratzer. Der Architekt konnte hier seine in den USA während Praktikas gemachten Erfahrungen zinsbringend umsetzen. Die Vision eines modern ausgestatteten Hochhauses hatte für das Unternehmen einige Vorteile. Außer Einsparungen bzgl. Baufläche oder Schnellaufzügen und einer technologischen Ausstattung, mit der die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen beschleunigt würde, hatte ein Wolkenkratzer auch einen Werbe- und Propagationswert, weswegen der zweite Entwurf sich durchsetzte. Im Jahr 1936 beantragt die Firma eine Baugenehmigung für ein 77,5 m hohes Gebäude, das damals in Mitteleuropa das höchste Objekt sowie ein beispielhafter Bau des Konstruktivismus war, der architektonischen Richtung, die eine utilitaristische und Industrieästhetik unter Nutzung der seinerzeit modernsten Technologien durchsetzte.
Das neue Verwaltungsgebäude Nr. 21 befindet sich am südöstlichen Rand des Fabrikareals entlang der Hauptstraße. Seine Kennzeichnung erfolgte nach amerikanischer Art der Nummerierung – es ist das zweite Gebäude von Osten und das erste von Süden. Mit seiner Lage wurde das Einundzwanzig sowohl für das Fabrikareal zu einer bestimmenden Dominante, als auch für den daran angrenzenden Platz der Arbeit, den es mit seinem Volumen von Nordwesten her abschließt. Der Grundbau des Gebäudes besteht aus einer Stahlbetonkonstruktion des Zlíner Standardmoduls von 6,15 × 6,15 m. Die Konstruktion ist aus statischen Gründen gegenüber den übrigen Fabrikgebäuden anders und unterscheidet sich von ihnen durch spiralförmig armierte Pfeiler, die sich je nach Lage in der Konstruktion zwischen 50 cm bis 75 cm bewegen. Damit dieser Unterschied in der Fassade nicht sichtbar wird, hat ein Teil der Pfeiler ein ovales Profil. Die mit Doppelfenstern versehene verglaste Fassade machen 52 % der Gesamtfläche des Außenmantels aus.
Der Grundriss des Verwaltungsgebäudes wird von einem Dreiertrakt vorgegeben, der als offener und variabler Raum für Büros diente. An der Nordseite wurden „Türme“ angeschlossen, in denen Aufzüge, Treppenhäuser, Maschinenräume und Sanitäreinrichtungen untergebracht sind. Der vertikale Ausdruck der Fassade trägt dazu bei, die Fensterstürze durch die mit Backstein ausgemauerten Fensterbrüstungen zu verdecken, dank dessen es zu einer Hervorhebung der tragenden Pfeiler an der Fassade und zu einem Wechsel zwischen den Fensteröffnungen und Backsteinfüllungen kommt. Ein künstlerisches, das ganze Gebäude umspannendes Element ist ein an den Ecken abgerundeter Sims für die Schienen der Fensterwaschplattform.
Die schnelle Kommunikation wurde im Hochhaus durch mehrere Aufzugtypen gelöst – neben einem Schnellaufzug wurden im Gebäude auch ein Paternoster und ein Fahrstuhlbüro installiert, das Jan Antonín Baťa jedoch nie geschafft hat, zu benutzen, da er bald emigrierte. Das Büro mit dem Grundriss von 6 × 6 m ist an der Ostseite des Objektes untergebracht. Es wurde so entworfen, dass der Direktor durch eine breite automatische Tür jedes beliebige Stockwerk betreten oder zu den Beschäftigten per Funk sprechen konnte. Der Arbeitsraum ist mit einem einfachen Tisch, einer Klimaanlage und einem Waschbecken ausgestattet.
Die Produktion im Fabrikareal hinterließ eine besondere Geruchsspur, die häufig bis außerhalb des Areals durchdrang. Auch deshalb wurde das ganze Gebäude mit einem Lüftungs- und Klimaanlagensystem der Fa. Carrier ausgestattet. Daneben verfügte es auch über eine Telefonzentrale von Siemens, eine Einheitszeitzentrale und ein Rohrpostsystem.
Die Innenräume des Verwaltungsgebäudes wurden als offene, nur durch einfach aufzubauende Trennwände unterteilte Räume konzipiert. Diese „Bürolandschaft“ erstreckte sich über das ganze Stockwerk mit der Fläche von 80 × 20 m und sollte bis zu 200 Beschäftigte fassen. Eine spezielle Lösung erhielt dann das achte Stockwerk, in dem die Direktoren Dominik Čipera, Hugo Vavrečka und Josef Hlavnička saßen. Die Wände wurden mit einer Holzverkleidung versehen und die Fußböden mit Zlinolit ausgelegt (einem dem heutigen Linoleum ähnelnder Fußbodenbelag aus Gummi).
Das Flachdach im 16. Stock bot Raum zur Schaffung einer großzügigen Grünterrasse. Vladimír Karfík hat dadurch auch Le Corbusiers Gedanke umgesetzt, dass Dachgärten zu den gesuchten Orten eines Hauses werden und der Stadt Rasenflächen wieder zurückgeben sollten. Nach dem Gemeinschaftshaus handelte es sich um die zweite Aufenthaltsterrasse, die der Architekt im nahegelegenen Otrokovice noch einmal wiederholte. Auf ähnliche Weise ging auch F. L. Wright in seinen Entwürfen vor, für den die Begrünung von Dächern ein architektonisches Element war, das die Verbindung zur umliegenden Landschaft hervorhob.
Das Verwaltungsgebäude diente lediglich bis 1945 den Bedürfnissen der Firma, danach wurde das Unternehmen verstaatlicht und das Objekt nach und nach umgestaltet. Im Jahr 1959 entstand im Erdgeschoss ein Schuhmuseum, ein Jahr später wurde an der Südseite des Gebäudes ein Eingang angelegt (ursprünglich mit einer Bronzeplastik von J. Vlach, heute durch die Zahl 21 ersetzt). Im Jahr 2004 wurde eine gelungene Sanierung beendet, an der die Architekten Petr Všetečka, Ivan Bergmann und Ladislav Pastrnek beteiligt waren. Die Mängel an den Fassaden wurden sensibel durch den Gebrauch von ursprünglichen Materialien behoben. In den Innenräumen waren die Architekten bemüht, die ursprünglichen Elemente so weit wie möglich zu erhalten, ansonsten wurden Repliken der Lampen oder Beschläge verwendet. Die Disposition der Büroetagen wurde neu untergliedert in voneinander abgetrennte Arbeitsräume mit Innenkorridor, die ursprüngliche Form blieb lediglich in der achten, der Direktorenetage erhalten, das mit Einbaumöbeln und dem originalen Fußbodenbelag Zlinolit ausgestattet ist. Im Gebäude befindet sich eine Ausstellung über die Zlíner Architektur und die Firma Baťa, auf der Terrasse wurde im Jahr 2019 ein Bronzemodell installiert, das Zlín im Jahr 1950 zeigt. In dem einstigen Verwaltungsgebäude haben heute das Kreisamt der Region Zlínský kraj und das Finanzamt ihren Sitz, das Fahrstuhlbüro wird im Rahmen eines besonderen Besucherbetriebs immer noch genutzt.