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Mietshaus von František Jelínek

Datierung 1928–1929
Kode Z6
Adresse náměstí Míru 65, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: náměstí Míru (TROL 1, 2, 3, 4, 5, 8, 9, 11, 12, 13, BUS 31, 32, 33, 35, 36, 53, 70, 90) Dlouhá (TROL 2, 4, 5, 9)
GPS 49.2271028N, 17.6672458E
Literatur
  • Ladislava Horňáková, František Lýdie Gahura. Projekty, realizace a sochařské dílo (kat. výstavy), Krajská galerie výtvarného umění ve Zlíně 2006
  • Ondřej Ševeček, Zrození Baťovy průmyslové metropole. Továrna, městský prostor a společnost ve Zlíně v letech 1900-1938, České Budějovice 2009
  • Archiv stavebního úřadu Magistrátu města Zlín

Parallel zur Arbeit für die Firma Baťa unterhielt der Architekt František Lýdie Gahura auch sein eigenes Planungsbüro. Eine der in Zlín unabhängig von den Firmenaufträgen entstandene Realisierung ist Haus Nr. 65 in der Mitte der Nordfront am Platz des Friedens (ehemaliger Hauptplatz). Der im rein funktionalistischen Stil gehaltene Bau ist ein Beispiel für die Realisierungen des Architekten, bei denen er sich weder an ästhetische noch an finanzielle Vorgaben der Firma halten musste. Auftraggeber des Baus war der Unternehmer František Jelínek, der ebenso wie viele andere lokale Geschäftsmänner seine Mittel in den Bau eines Mietshauses investierte, in dem er selbst wohnen und den restlichen Raum gleichzeitig zu Geschäfts- und Unterbringungsdienstleistungen vermieten konnte.
Das Haus befindet sich auf einer relativ schmalen Parzelle mit den Maßen von 12 × 30 m. Ursprünglich stand dort ein Gebäude mit Holzpfosten und einer Ausmauerung aus ungebrannten Ziegelsteinen, das bis zum Jahr 1923 Marie Langerová gehörte, für die Jaroslav Jarcovják einen Entwurf für ein neues Haus ausgearbeitet hatte. Zu dem Bau ist es jedoch nicht gekommen, und das alte Haus wurde wegen seines schlechten Zustandes im Jahr 1928 abgerissen. In demselben Jahr erhielt die Baukommission das erste Bauprojekt mit einem Entwurf des Hauses mit einem U-förmigen Grundriss und einem 2 m breiten Hof. In den mit Wohnungen versehenen Obergeschossen sah der Entwurf um den Hof einen Laubengang vor. Dieser Entwurf wurde von dem städtischen Hygieniker wegen zu geringem Sonnenlichteinfall in den Erdgeschosswohnungen nicht genehmigt.
In der zweiten Version wurde anschließend der Grundriss des Hauses im Untergeschoss eingehalten, jedoch springt der Westflügel kaskadenartig zurück, wodurch eine geräumige Terrasse entstand. Diese Lösung erlaubte einen besseren Sonnenlichteinfall für die unteren Wohnungen. Das Konstruktionssystem besteht aus einer von den Kellern durch alle Etagen führende Rahmenkonstruktion aus Stahlbeton, das Skelett hat eine Ziegelfüllung. Das mit einem Flachdach versehene Mietshaus hat zwei Eingänge, einen am Marktplatz, und den zweiten am Hof von der Straße Zarámí aus. Die dem Marktplatz zugewandte Fassade ist mit Fensterbändern einfach gegliedert. Das Erdgeschoss bestand aus zwei Geschäftseinheiten mit großzügig verglasten Schaufensterauslagen.  
An die Geschäftsräume im Erdgeschoss schlossen zwei Zweizimmerwohnungen an, die bald als Lager oder Werkstätten genutzt wurden. In der Mitte der Raumaufteilung befindet sich im Ostflügel eine doppelläufige Treppe, welche die einzelnen Stockwerke miteinander verbindet. Im ersten Stock befanden sich zwei symmetrisch konzipierte Wohnungen mit jeweils einer Terrasse, im zweiten und dritten Stockwerk waren 4 Wohneinheiten und zwei Junggesellenwohnungen untergebracht. Das Haus ist komplett unterkellert, zu jeder Wohnung gehörte eine Kellerbox, ferner gab es dort einen Waschraum, einen Trockenraum und eine Garage. Der Bau wurde am 27. Juni 1929 fertiggestellt.
Im Laufe der dreißiger Jahre wurde das Haus an verschiedene Mieter vermietet, zu denen beispielsweise eine Zweigstelle der Bekleidungsfirma Nehera Prostějov gehörte. Nach 1948 lebte František Jelínek bereits in den Vereinigten Staaten, die meisten Wohnungen wurden umgebaut oder dienten als Junggesellenwohnungen. So hatte beispielsweise die Bezirksanstalt für nationale Gesundheit dort ihren Sitz. Der ursprüngliche glatte Kalkverputz wurde durch einen Brizolitverputz ersetzt, die Struktur und Gliederung der Fenster blieb bis heute erhalten. Gegenwärtig wird das Haus zu kommerziellen Zwecken genutzt, das Erdgeschoss hat sich auch weiterhin seine Geschäftsfunktion bewahrt. Die minimalistische Fassade wird jedoch deutlich durch visuellen Smog gestört.