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Einfamilienhaus Typ Karfík

Datierung 1935
Architekt/in Vladimír Karfík
Kode Z2
Adresse U Lomu 629, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Památník Tomáše Bati (BUS 53) Sportovní hala (TROL 2, 7, 11, 12, 13, 14, BUS 31, 36, 90)
GPS 49.2176486N, 17.6633939E
Literatur
  • František Lýdie Gahura, Stavba rodinných domků s Tomášem Baťou, Zlín 1944
  • Berty Ženatý, Americké domečky, Praha 1931
  • Jindřich Chatrný, Dagmar Černoušková, Pavel (ed.) Borský, Nový dům Brno 1928, Brno 2018, S. 43-146
  • , Vypsaná soutěž: Firma Baťa a.s. ve Zlíně vypisuje dvě byt. soutěže, Architekt SIA XXXIV, 1935, S. 16
  • , Do 15. dubna je prodloužena byt. soutěž, Architekt SIA XXXIV, 1935, S. 48
  • , Výsledky Baťovy mezinárodní bytové soutěže, 289 návrhů – 94.500 Kč odměn, Zlín, velké vydání IV, 1935, S. 1

An der Wende der zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts fanden mehrere Ausstellungen über moderne Wohnformen statt. Auch in Zlín schrieb die Firma Baťa im Januar 1935 einen internationalen Wohnungsbauwettbewerb aus, von dem man Entwürfe von modernen und zugleich kostengünstigen sowie hinsichtlich Disposition zweckmäßig gestalteten Wohnungen für die Firmenbeschäftigten erwartete, die auch realisierbar sind. Es wurden 550 Firmen angesprochen und insgesamt 289 Entwürfe aus dem In- und Ausland zum Wettbewerb eingereicht. In der Jury saß neben bedeutenden tschechischen und slowakischen Architekten auch Le Corbusier, der außerhalb des Wettbewerbs auch einen eigenen progressiven, für die Firma jedoch zu kostenträchtigen Entwurf für ein Haus einreichte.

Das Einfamilienhaus des Architekten Vladimír Karfík ist ein von der Jury ausgewählter Entwurf, der in der Musterkolonie U Lomu im Viertel Nad Ovčírnou errichtet wurde. Es steht an einem Hang im südlichen Ausläufer des Zlíner Zwischenkriegsstadtzentrums zwischen von den Architekten Adolf Benš und František Jech, Antonín Vítek und Erik Svedlund prämierten Haustypen. Karfík arbeitete ab 1930 für die Frma Baťa als Architekt. Für den Wohnungsbauwettbewerb entwarf er ein Einfamilienhaus mit einer über zwei Ebenen gehenden Disposition, wobei die Wohnung aus einer Etage besteht, von der ein Teil höher gelegen ist. Durch die Eingangshalle betritt man von der überdachten Terrasse aus das Wohn- und Esszimmer, das über ein zur Terrasse hin gerichtetes Fenster verfügt. Gegenüber dem Eingang befindet sich die Küchentür, durch die man auch in den Esszimmerbereich gelangt. Im höher gelegenen Teil befinden sich das Arbeitszimmer, Kinderzimmer, Schlafzimmer und das WC. Das Haus ist teilweise unterkellert und bot im Souterrain auch eine Garage. Von den realisierten Wettbewerbshäusern hatte es die größte Wohnfläche von 70 m2, und die veranschlagten Baukosten beliefen sich auf 45 000 Tschechische Kronen, also die höchsten von allen. Das Haus wurde zusammen mit den übrigen Häusern in der Musterkolonie wegen des Besuchs der Teilnehmer eines Internationalen Wohnungsbaukongresses in Zlín im Juni 1935 fertiggestellt, obwohl die offizielle Bauabnahme erst drei Monate später erfolgte. Mit seinem Außenmantel aus Backsteinmauerwerk mit ausgefugter Außenflucht und seiner sparsamen Anlage korrespondiert es mit der typischen Firmenbebauung. Mit dem Konzept eines durch sich einander durchdringende Räume geschaffenen dynamischen Interieurs, mit den wechselnden Etagen und der Verwendung sog. amerikanischer Fenster erinnert es an die architektonische Praxis der USA, vor allem an die von Frank Lloyd Wright bevor Karfík seine Tätigkeit in Zlín aufnahm.

In diesem Mustereinfamilienhaus wohnte Vladimír Karfík mit seiner Frau und den Kindern bis er nach Ende des 2. Weltkriegs gezwungen war, von Zlín nach Bratislava zu gehen. Ursprünglich hatte er das Haus nicht für seine Familie entworfen, sondern als Verkörperung der Vision eines Hauses, das ihren Vorstellungen entsprach. Er beaufsichtigte den Bau und kümmerte sich auch um die Bepflanzung des Gartens und um die Gestaltung der Umgebung. Seinen Memoiren nach hat Firmenchef Jan Antonín Baťa ihm das Haus dann nach dessen Fertigstellung selbst zugeteilt, damit er anhand eigener Erfahrungen feststelle, wie man darin wohne. In den Jahren 2008–2009 erfolgte nach den Plänen von Ingenieur Oldřich Studený eine umfangreiche Sanierung des Hauses. Der Bau musste statisch gesichert und seine ursprüngliche Disposition bedarfsgerecht angepasst werden. Die neuen Eigentümer waren bestrebt, das erhalten gebliebene authentische Einbaumobiliar weitestgehendst zu nutzen. Die ursprüngliche Treppe blieb erhalten, und die Fenster wurden generalüberholt. Seit 1958 ist das Haus als Kulturdenkmal eingetragen.

Der intime Zlíner Wohnkomplex U Lomu wird mit Recht den bedeutenden europäischen Expositionen moderner Wohnformen zugeordnet und ist ein Beispiel für die Zlíner Wohnkultur der Zwischenkriegszeit, obgleich keiner der dort errichteten Prototypen in Serie ging.

LH