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Musterhaus von Berty Ženatý

Datierung 1928
Architekt/in Berty Ženatý
Kode Z2
Adresse Nad Ovčírnou V 1573, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Památní Tomáše Bati (BUS 53) Sportovní hala (TROL 2, 7, 11, 12, 13, 14, BUS 31, 36, 90)
GPS 49.2182208N, 17.6609711E

Ende der zwanziger Jahre hatte Tomáš Baťa mehrere USA-Reisen hinter sich, die ihn dazu brachten, sein ganzes Leben von der amerikanischen Art und Weise des Bauens und der Produktion fasziniert zu bleiben. Daneben fesselten ihn auch sog. Company Towns, d.h. Städte, die auf Initiative eines dominanten Industrieunternehmens gebaut wurden wie beispielsweise von den Firmen Ford oder Endicott & Johnson. Viele von diesen Erfahrungen wurden später im Fabrikareal, in der Produktion, aber auch beim Bau von firmeneigenen Familienhäusern umgesetzt.
Im Jahr 1931 gaben Františka und Berty Ženatý das Buch Americké domečky (Amerikanische Häuser) heraus, in dem sie aufzeigen, wie in den Vereinigten Staaten Häuser „entworfen und geplant“ werden. Die Publikation sollte dabei behilflich sein, das Wohnungsproblem für „junge Menschen“ zu lösen und den Bau von Häusern zu fördern, die praktisch, sparsam und hygienisch sind. Im Einführungskapitel führen sie uns durch ein Haus, das im Jahr 1928 in Zlín als Replik ihres Familienhauses in Amerika fertiggestellt worden war. Dabei handelte es sich zwar um einen unterkellerten Holzbau, jedoch wurde das Zlíner Haus wegen den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen aus Blankziegelmauerwerk gebaut.
Die Eheleute haben dieses Haus in den Jahren 1928–1930 bewohnt, als Berty Ženatý Chefredakteur der Firmenzeitschrift Sdělení (Mitteilungen) war. Der studierte Maschinenbauingenieur lieferte die Pläne zu dem Bau, anhand deren die Zlíner Handwerker die amerikanische Art zu Bauen austesten sollten. Das Haus war danach Eigentum des Baťaschen Förderfonds und wurde in der zeitgenössischen Presse „kleine Villa am Wald“ genannt, da es sich am Rande des Viertels Nad Ovčírnou befand, wo es auch heute noch steht.
Berty Ženatýs Haus hielt mit seiner Innen- und Außendisposition amerikanische Standards ein. Die Fassade besteht aus einer Kombination von roten gebrannten Ziegelsteinen und weißen Zementziegelsteinen. Das Haus mit dem quadratischen Grundriss von 8,5 × 8,5 m wurde mit drei Eingängen versehen – einem Haupt-, Seiten- und Hintereingang. Durch den nach Westen hin orientierten Haupteingang betritt man einen kleinen Vorraum. Von ihm führte eine Durchsicht in den offenen Raum des Wohnzimmers, der von einem Kamin dominiert wird, um den herum Bücherregale aufgestellt waren. Dieser Raum sollte den „Stolz des Hauses“ repräsentieren.
An den Hauptraum schloss das Esszimmer an, von dem aus eine Tür zur verglasten Veranda an der Ostseite des Hauses führt. Bei geöffneten Verandaflügeln waren im Erdgeschoss drei Zimmer miteinander verbunden, wodurch ein großzügiger Raum entstand, durch den man auch in den Garten mit einem sorgfältig gepflegten englischen Rasen sehen konnte, der von den Wäldern des Barrabashügels umgeben war. Die Verknüpfung des Lebens im Hausinnern mit der umliegenden Landschaft erfolgte von Frühling bis Herbst, in dem man die verglaste Veranda nutzte. An das Esszimmer in der ersten Etage schloss eine modern ausgestattete Küche mit einem Elektrokocher an. Großer Wert wurde auf die Hygiene gelegt, die durch eine Tischplatte aus weißem Emailleblech und einer Kachelverkleidung der Wände gewährleistet werden sollte.
Ein wichtiges Thema im Innern des Hauses war die „Ökonomie der Bewegung“, der sich Ženatý in einem seiner Artikel gewidmet hat (Befreiung der Frau im Haushalt, Land der Stars and Stripes). Sie basierte auf dem Studium der Bewegungen, die von den Hausbewohnern während des Tages ausgeübt werden. Die Einrichtung des Interieurs sollte so angeordnet sein, damit der Haushaltsbetrieb ohne Dienstpersonal auskomme und die Arbeit der Frau effizient sei.
In der zweiten Etage sind drei Zimmer und eine Toilette von einem gemeinsamen Gang aus zugänglich. Hinter der Badezimmertür führte ein Schacht für schmutzige Wäsche bis in den Keller. Dort wurde dann gewaschen, getrocknet und gebügelt, es gab einen Raum zur Obst- und Gemüseeinlagerung sowie eine Zentralheizung für Kohlen und Holz, die direkt von der Straße aus in den Keller befördert wurden. Quer durch das Interieur wurden leichtes Mobiliar oder Einbaumöbel verwendet, die nicht viel Raum einnahmen und zugleich pflegeleicht waren.
Im Kontext der „Villa am Wald“ begegnet man dem Namen Rudolf Švácha, ein Architekt, den Berty Ženatý auf Tomáš Baťas Wunsch in der Chicagoer Gemeinschaft der Tschechoamerikaner durch ein Inserat gefunden hatte. Švácha traf in Zlín ungefähr zur gleichen Zeit ein wie das Holzfertighaus von der Firma Alladin, bei dessen Bau im Viertel Letná er behilflich war.
An Berty Ženatýs Haus wurde laut zeitgenössischen Zeitungsartikeln erstmals aufgezeigt, wie amerikanische Fenster hergestellt und Treppen gebaut werden, und auch wie etwa Vorhänge und Türklinken auszusehen hatten. Auch in diesem Haus wurde die Brick-Veneer-Technologie angewandt, bei welcher zwischen der Ziegelsteinaußenwand und dem starkwandigen Innenverputz eine Luftlücke geschaffen wurde, die das Gefühl von Wärme und Trockenheit im Raum gewährleisten soll. Ein ähnlicher Wandaufbau wurde anschließend auch beim Bau der firmeneigenen Doppelhäuser verwendet.
Berty Ženatýs Musterhaus wies eine innere Logik der Disposition auf, auf ähnliche Weise gliederte man anschließend beispielsweise die Ärztehäuser (für Dr. Černošek, Dr. Račanský und Dr. Tolar) aus den Jahren 1930–1931 oder die kleine Villa für Herrn Meisel, die im Erdgeschoss noch ein Dienstmädchenzimmer und im Obergeschoss vier kleinere Zimmer hatte.
Gegenwärtig ist das Haus relativ gut erhalten, die Fassaden haben keine Wärmedämmung, und die amerikanischen Fenster wurden gegen welche ausgetauscht, die man öffnen kann. Der größte Eingriff in die Baumasse des Hauses ist der Anbau einer Veranda bis zur Höhe des Obergeschosses. Das Aussehen des Interieurs wurde mehrere Male verletzt, in den sechziger Jahren wurde das Haus den Stockwerken nach in zwei Wohneinheiten unterteilt, später hat man auch den Kamin zugebaut.