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Alladin

Datierung 1927–1928
Kode Z2
Adresse Na Vyhlídce 1013, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Na Vyhlídce (TROL 4, 5)
GPS 49.2186911N, 17.6569747E

In den Jahren 1927–1928, als das Alladin genannte Haus realisiert wurde, war der Bau von standardisierten Familienhäusern für verheiratete Beschäftigte der Firma Baťa in Zlín bereits mit voller Intensität im Gange. Das Familienunternehmen mit Tomáš Baťa an der Spitze interessierte sich trotzdem auch weiterhin im Einklang mit der gesamten Firmenkultur für weitere Möglichkeiten und Art und Weisen, den Bauprozess effizienter, schneller und billiger zu gestalten. Der Maschinenbauingenieur, Journalist und aktive Propagator des Lebensstils und der Architektur Amerikas Berty Ženatý vermittelte deshalb dem Zlíner Schuhunternehmer, der zu ihm in engem Kontakt stand, den Kauf eines eingeschossigen Holzhauses von der amerikanischen Firma Alladin. Es sollte als Musterbeispiel für die amerikanische Bauweise im bis dahin freien Ostteil der Wohnkolonie Letná in Nachbarschaft der Straße Vysoká aufgestellt werden. Ein paar Jahre später war es umgeben von den Gebäuden der Ledigenwohnheime und Doppelhäuser. Das Alladin wurde aus den Vereinigten Staaten in Einzelteilen zerlegt per Schiff angeliefert. Holzplatten, Nägel in Kisten, Farbanstriche in Kartons, zusammengerollte Dachbedeckung, Fensterverglasungen, elektrische Birnen und Lampen – all das war für eine schnelle und sofortige Montage direkt vor Ort vorbereitet. Außer allen Bestandteilen des Hauses kam auf Wunsch der Firma auch Rudolf Švácha, ein Fachmann für die Typologie von Holzbauten nach Zlín und sollte dort für das Unternehmen Schulungen der Zlíner Handwerker durchführen. Mit der Montage des Hauses begann man im Jahr 1927, die Genehmigung, es zu bewohnen erhielt die Firma im Jahr darauf. Ein weiteres ähnliches importiertes Haus ist in Zlín zwar nicht mehr aufgetaucht, jedoch hatte der Konzern mit Holzbauten auch für die Zukunft Pläne. Holzhäuser mit größeren Dimensionen, die den Typendoppelhäusern entsprachen, wurden versuchsweise in Zlin und in der nahen Firmenfiliale in Otrokovice errichtet. Für das damalige mitteleuropäische Klima haben sie sich jedoch nicht allzu gut bewährt. Die Konstruktion des Importhauses Alladin war für die damalige Zeit in Zlín ungewöhnlich. Die Wände bestanden aus mit Holzleisten beschlagenen Bohlen, die im Interieur anschließend verputzt wurden. Ähnlich verhält es sich auch mit den mit Schilfputz versehenen Holzdecken. Das Tragegerüst des Objektes, das gleichzeitig die Kellerwände bildet, ist jedoch fest und gemauert. Der rechteckige Grundriss des Wohnteils des Hauses mit Satteldach wird durch eine hervorspringende, etwas schmälere offene und überdachte Veranda verlängert. Sie ist zugleich das hauptsächliche dekorative Element des ansonsten genügsamen Wohnbaus und kombiniert Effekte des geometrischen Ornaments der Füllung des Verandasockels und der runden Holzgeländerstreben mit den gemauerten Pfeilern, aus denen subtile viereckige Säulen emporwachsen. Die Veranda verdeckt die verglaste Haupteingangstür, die von zwei amerikanischen Schiebefenstern ergänzt wird, die gleichen Fenster beleuchten von der Seite her auch die Innenräume des Hauses. Berty Ženatýs Ehefrau Františka kommentiert auf den Seiten der Baťaschen Firmenzeitschrift Sdělení (Mitteilungen) in ihrem Artikel Amerikanisches Wohnen dazu folgendes: „Der Eingang eines Hauses soll fröhlich sein, einladend. Die Amerikaner sagen, dass der Eingang die Visitenkarte eines Hauses ist.“ Das Interieur mit einer lichten Höhe von 2,4 m ist in 4 miteinander verbundenen Zimmern und in einen Wohnzimmerbereich untergliedert. Das mit Badewanne und Toilette ausgestattete Bad und die Küche, von der aus man in den Keller gelangte, wurden in die hintere Partie des Hauses entlang der Außenmauer eingepasst. Das Einfamilienhaus Alladin befindet sich immer noch innerhalb der Bebauung des Viertels Letná. Der auffälligste moderne Eingriff ist ein flacher länglicher Anbau im hinteren Teil des Hauses, durch den die Wohnfläche vergrößert wird. Der frühere Eingang über eine niedrige Treppe in der Verandamitte wird heute von einem Geländer verschlossen, heute betritt man das Haus durch eine Tür im Anbau. Das Ziergitter aus Holz unter der Veranda hat jetzt ein viel dichteres Geflecht. Die Zahl der Fenster wurde reduziert und ihre Größe verkleinert. Die architektonische Gesamtwirkung des amerikanischen Hauses ist trotzdem erhalten geblieben, und der Holzbau repräsentiert auf diese Weise hervorragend die Etappe des Experimentierens mit den technologischen Möglichkeiten von Firmenwohnungen und der damaligen Faszination des amerikanischen Lebensstils.

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