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Bürgerliche Darlehenskasse

Datierung 1891–1892
Architekt(inn)en Dominik Fey, Josef Drahoš
Kode Z1
Adresse náměstí Míru 174, Zlín
GPS 49.2264581N, 17.6681475E

Im Jahr 1896 wurde der Architekt Dominik Fey darauf angesprochen, die Pläne für das erste Geldinstitut, die Zlíner Bürgerliche Darlehenskasse auszuarbeiten, deren Mitglieder zu bedeutenden Persönlichkeiten aus Kultur und Unternehmertum gehörten wie beispielsweise František Bartoš oder Tomáš Baťa. In demselben Jahr hat Frey dann auch den Entwurf für das neue Gebäude der Bürgerschule vorbereitet. Für den jungen Architekten sind solche Aufträge Gelegenheiten, regional auf sich aufmerksam zu machen. Dank den erfolgreich fertiggestellten Realisierungen etabliert sich sein Architektenbüro, und Fey wird nach und nach zu einem der begehrtesten Architekten, welche die meisten öffentlichen Bauten in dem von der Zeit begehrten historisierenden Stil entwarfen.
Die Zlíner Gebäude können wir als Symbole der modernen Entwicklung der Stadt vor der Jahrhundertwende verstehen. Nach der vorhergehenden Stagnation tauchen Ende des 19. Jahrhunderts in der Kleinstadt ländlichen Charakters Stadthäuser auf, die mit ihrer Form und Protzigkeit aus der umliegenden Bebauung herausstechen. Die beiden nur wenige Dutzend Meter voneinander entfernten Gebäude haben das Antlitz des Zentrums schließlich verändert und erinnern bis heute an die Geschichte Zlíns in der Zeit vor der mit der Firma Baťa verbundenen Bauexpansion.
Die Bürgerliche Darlehenskasse wurde im Jahr 1869 gegründet, um Kleinunternehmer, Landwirte und die Bauindustrie sowie später auch örtliche Vereine, Bildungs- und Kulturzirkel zu fördern. Ähnlich wie die übrigen Darlehenskassen und Sparkassen in anderen Städten wurde das Zlíner Geldinstitut nicht nur zu einem Finanzdienstleister, sondern auch zu einer Antriebskraft des tschechischen Unternehmertums und von Emanzipationsaktivitäten sowie zu einem Organisator des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Das Areal der Bürgerlichen Darlehenskasse befand sich auf historischen Parzellen, die den Platz des Friedens (früher Masaryk-Platz) mit der Straße Dlouhá verbinden. Der Gebäudekomplex wurde aus einigen ungleichartigen, in zwei Etappen errichteten Trakten zusammengefügt.
Das ältere über drei Etagen gehende Gebäude entstand in den Jahren 1891–1892 nach dem Entwurf des Architekten Josef Drahoš. In diesem Teil befand sich später ein Hotel, in den zum Platz hin gerichteten Räumen Büros und ein Gesellschaftsraum mit Lesesaal. Ort der Begegnung war ein Saal mit einer Galerie, wo sich die verschiedensten Gesellschaftsveranstaltungen abgespielt haben. Örtliche Vereine hielten dort ihre Versammlungen ab, kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse fanden dort statt, und Theaterensembles aus Brünn, Prag oder Olmütz haben dort gastiert.
Der andere, repräsentativere Teil der Bürgerlichen Darlehenskasse hat Dominik Fey in der zweiten Phase im Neorenaissancestil errichtet und im Jahr 1896 an der Stelle eines ehemaligen Gasthauses fertiggestellt. Auch in dem neuen Gebäude gab es einen Extrabereich mit Restaurant und Café, Fremdenzimmern und der Wohnung des Gastwirts. Das zweigeschossige Objekt trägt die charakteristischen Merkmale der tschechischen Neorenaissance: die Fenster werden von Zierpilastern gesäumt, die einzelnen Stockwerke sind durch ein Gesims mit einer aus kleineren Pilastern und einer Bemalung bestehenden Füllung voneinander abgesetzt. Das Haus wird von einer Attika mit drei dekorativen Giebeln abgeschlossen. 
Die Darlehenskasse wurde im Lauf der Jahre mehrfach ausgebaut, so wurde im Jahr 1924 im Hof beispielsweise ein provisorisches Fotoatelier errichtet, das an den bestehenden Saal angebaut wurde. Zwei Jahre später entstanden noch weitere Gästehäuser mit insgesamt 16 Zimmern. Die allmähliche Ausbreitung des Areals der Darlehenskasse führte zur Bildung einer Verwachsung, in der parallel mehrere Einrichtungen betrieben wurden – ein Restaurant, ein Café, Verkaufsläden, ein Kino.
Nach dem Jahr 1948 verlor der Verein der Bürgerlichen Darlehenskasse seine Funktion, und sein Besitz wurde verstaatlicht. Die Verwaltung des Gebäudes übernahm der staatseigene Betrieb Restaurants und Kantinen. Auch fernerhin standen dort ein Restaurant und ein Kino namens Oko (Auge) zur Verfügung, die Repräsentativität der Räume verkam jedoch immer mehr. Nach dem Jahr 1989 wurde das Gebäude zwar immer baufälliger, jedoch war das Restaurant die ganzen neunziger Jahre über in Betrieb und ist in den Erinnerungen vieler Zlíner Bürger haften geblieben.
Der physische und auch moralische Verfall eines der repräsentativsten Häuser Zlíns aus der Vor-Baťa-Zeit ging weiter. Als man im Jahr 2006 im Zusammenhang mit dem Bau eines neuen Geschäftskomplexes im Stadtzentrum über eine Sanierung zu reden begann, rief diese Nachricht indes kontroverse Reaktionen hervor. Einerseits bestand die Möglichkeit eines vollständigen Abrisses, andererseits dann das Bestreben, die Gebäude und Details unter Heranziehung der überlieferten Bauplan- und Fotodokumentation zu erhalten. Schließlich wurde entschieden, die Originalfassade zu konservieren. Die derzeitigen Eigentümer kamen der von der Stadt vorgegebenen Bedingung nach, und die historische Fassade wurde zum Bestandteil der Entwürfe für das neue Geschäftszentrum, die ursprünglichen Häuser wurden abgerissen. Im Jahr 2009 wurde am Platz des Friedens der Geschäftskomplex Goldener Apfel fertiggestellt. Sein Autor ist der Architekt Svatopluk Sládeček aus dem Architektenbüro NEW WORK.