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Schule im Viertel Letná

Datierung 1930–1932
Architekt/in Miroslav Lorenc
Kode Z2
Adresse Mostní 2397, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Letná škola (TROL 4, 5)
GPS 49.2180931N, 17.6508756E

Das Objekt der viergeschossigen Schule befindet sich in der Straße Mostní, ganz im Zentrum der Wohnbebauung mit den für die Arbeiter des Schuhunternehmens Baťa bestimmten Familienhäusern. Das nach den Städtebauplänen von Jan Kotěra und František Lýdie Gahura südlich des Fabrikareals angesiedelte Stadtviertel Letná war das erste in sich geschlossene Beispiel für die Strategie des Unternehmens, in der Nachkriegszeit Unterkünfte zu schaffen. Die Firma bot ihren Beschäftigten dort Wohnungen in großzügig konzipierten Vierteln mit Gartencharakter und selbständigen Häusern in verschiedenen Varianten, von den anfänglichen und kleinsten Viertelhäusern über die am meisten verbreiteten Doppelhäuser für zwei Familien bis hin zu komfortablen Einfamilienhäusern für höher gestellte Firmenbeschäftigte.
Eine Komplettierung dieser Beschäftigtenwohnzonen waren auch die wesentlichen Bildungseinrichtungen, kleine Geschäftsbauten oder Erhohlungszonen. Die Bauabnahme und Eröffnung der Grundschule in der Straße Mostní erfolgte im Jahr 1932 als Letná größtenteils bereits besiedelt war, sie ist ein Vorzeigebeispiel für eine ähnliche Vorgehensweise.
Die Schule ist eines der wenigen realisierten Projekte des Architekten Miroslav Lorenc aus der Zeit, als er von Mai 1930 bis September 1931 in der Bauabteilung der Firma Baťa beschäftigt war, bevor er wegen Streitigkeiten mit der Firmenleitung bzgl. der Pläne für das Große Kino und seiner Finanzierung wegging und ein eigenes privates Architektenbüro gründete.
Ebenso wie zuvor bei dem städtebaulichen Entwurf des Schulbezirks in der Nähe des Platzes der Arbeit, wo Lorenc beim Aussehen der Gewerbeschule Pate stand, nahm er auch bei der Schule in Letná die Typologie der Firmenfabrikhalle zum Ausgangspunkt. Das längliche Gebäude mit Nord-Süd-Ausrichtung nutzt das klassische Baťasche Stahlbetonskelett mit Feldern der Maße 6,15 × 6,15 m. Unverputzte Rundsäulen rhythmisieren die mit Blankziegelmauerwerk und Doppelfenstern mit über die gesamte Felderlänge gehenden Holzrahmen gefüllte Fassade. An der Schule mündet eine genau zwischen zwei Viertelhausreihen eingefügte Zufahrtsstraße, die von der Straße Mostní aus zum Haupteingang an der Ostseite des Gebäudes führt. Wie bei Baťaschen Objekten üblich ist die Schule als Dreiertrakt mit zentralem Verbindungskorridor konzipiert, an dem die einzelnen Unterrichtsräume entlang verteilt wurden. Wie ein mächtiger verglaster Beleuchtungsgurt verrät, wurde an die Westseite des Gebäudes eine Betontreppe aus Kunststein gesetzt. Über das Erdgeschoss, das auf das abfallende Gelände reagierte, erstreckte sich außer dem Eingangsfoyer, der Hausmeisterwohnung und den mit Duschen und einem Waschraum versehenen Umkleideräumen auch eine geräumige Turnhalle. Die zwei anschließenden Etagen mit drei Unterrichtsräumen auf jeder Seite waren ausschließlich für den Unterricht bestimmt. Außer den Klassenräumen und einem Sanitärbereich befanden sich in der zweiten Etage noch das Direktorenzimmer und ein Konferenzraum. Das letzte Stockwerk bot ein Puppentheater, eine Werkstatt und weitere Unterrichtsräume. Durch die verglasten Eingänge konnte man direkt auf eine ausgedehnte offene Erholungsterrasse gelangen, die besonders für von der Tuberkulose bedrohte Kinder mit Lungenbeschwerden bestimmt war und durch die Verkürzung des letzten Stockwerks um zwei Felder entstand.
Die Gesamtkonzeption der Schule sollte außer den damaligen Anforderungen an Hygiene und Helligkeit von schulischen Einrichtungen auch einen modernen Bildungsansatz reflektieren, der in der Umgebung der dynamischen Firmenstadt besonders erwünscht war. Die Klassenräume wurden mit Radiatoren beheizt und mit Waschbecken und Einbauschränken ausgestattet, die Korridore hingegen verfügten über Müllschlucker, Trinkwasserspender auf jeder Etage und Vitrinen mit Lehrmittel, damit die Schüler auch außerhalb des Unterrichts wertvolle Informationen in sich aufnehmen konnten.
Das Objekt wird bis heute zu Unterrichtszwecken genutzt und stellt für eine Grundschule, die sich Schülern mit speziellen Bildungsbedürfnissen widmet, sowie für weitere Privatschulen das Umfeld. Auch trotz nachträglicher kleiner baulicher Veränderungen ist die ursprüngliche Lösung hinsichtlich Baumasse, Disposition und Konstruktion immer noch sehr gut erkennbar. Die Fenster und Eingangstüren wurden jedoch gegen moderne Varianten aus Kunststoff minderer Qualität ausgetauscht. Die deutlichste Abweichung vom Originalentwurf ist die Bebauung des Terrassenteils im Obergeschoss, was einen wesentlichen Verlust sowohl für den architektonischen Gesamteindruck, als auch für das Angebot von Erholungsaktivitäten für die örtlichen Schüler darstellt. Lorenc’ Schule wurde später an der Ostseite noch um einen flacheren eingeschossigen Flügel mit leicht abgeschrägtem Satteldach erweitert, der quer an den früheren Haupteingang angeschlossen wurde und heute als Kantine dient.

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