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Viertelhäuser mit verputzter Fassade

Datierung 1924–1925
Kode Z2
Adresse Kotěrova 870, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Na Vyhlídce (TROL 4, 5)
GPS 49.2198642N, 17.6549250E

Die Unterbringungsstrategie des Zlíner Schuhunternehmens war in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts von einem sehr experimentellen Geiste getragen. Die Firma war intensiv darum bemüht, den geeignetsten Typ einer Beschäftigtenwohnung zu finden. Die Phase des schnellen wirtschaftlichen Wachstums rief erhöhte Ansprüche an ein Wohnungsumfeld für die Masse der Arbeiterschaft hervor, welche die Kleinstadt mit unzureichenden Unterbringungskapazitäten überschwemmte. Unmittelbar nach Ende des 1. Weltkriegs realisierte die Firma Baťa im Raum südlich vom Produktionsbezirk eine ganze Reihe von Initiativen, die den Arbeitern einen besseren Lebensstandard sichern sollten, als die bisherigen provisorischen Gemeinschaftsunterkünfte geboten haben. Außer den Reihenhäusern mit Mansardendächern entlang der nach Malenovice führenden Landstraße, den Einfamilienhäusern für Büroangestellte in der Nähe der Straße Březnická (Hradčany) oder den Mansardenviertelhäusern in den Straßen Antonínova und Kotěrova wurden in den Jahren 1924–1925 auch verputzte Viertelhäuser mit nahezu flachen Dächern errichtet. Sie komplettierten die Kotěrova-Straße und boten einen ähnlichen Wohnstandard wie die benachbarten Mansardenhäuser. Die technisch von den zwei Baumeistern J. Maňas und K. Blahoňovský ausgeführten Viertelhäuser waren Eigentum der Firma Baťa, die sie ihren Beschäftigten ab 1925 zur Nutzung zur Verfügung stellte.
Das längliche unterkellerte Haus mit vier identischen, spiegelverkehrt angeordneten Wohnungen erhielt eine abstrahierte kubische Form ohne dominantes, kompliziert komponiertes, zeitaufwendiges und kostspieliges Mansardendach. An den kürzeren Hausseiten sprangen aus der Baumasse kleine vorgesetzte Vorräume hervor, von denen aus man durch selbständige Eingänge in jede Wohnung gelangte. Die zur Straße hin hell verputzten Fassaden waren durch zweiteilige Fenster (immer jeweils vier für eine Wohneinheit) und durch ein schmales Toilettenfenster im Erdgeschoss gegliedert. Die Holzdächer der Häuser waren zunächst nicht ausgesprochen flach, wie dies bei dem anschließenden Typ unverputzter Viertelhäuser der Fall war, sondern hatten eine sehr leichte und unauffällige Neigung eines flachen Satteldachs. Jede Wohnung erstreckte sich über zwei Stockwerke. Das Erdgeschoss bildeten eine Wohnküche (5,92 × 4,12 m) und ein Bad mit Spültoilette, im über eine an der kürzeren Fassadenseite entlang führende Treppe zugänglichen Obergeschoss befand sich das Schlafzimmer (7,4 × 4,12 m). Eine ähnliche Lösung wurde kurz danach auch bei dem ersten serienmäßig gebauten unverputzten Viertelhaus im Stadtviertel Letná verwendet. Eine weitere Variante des verputzten Viertelhauses (Typ B) wuchs zur gleichen Zeit in der Straße Podlesí in die Höhe. Von Typ A in der Kotěrová-Straße unterschied diese sich durch einen breiteren, über zwei Geschosse gehenden Eingangsvorraum, eine geringere Anzahl an dreiteiligen Fenstern bzw. durch ein größeres Bad, das mit einer Badewanne ausgestattet war.
Von dem Ensemble von zehn verputzten Viertelhäusern in der Kotěrova-Straße sind heute neun gut erhalten geblieben, das zehnte wurde abgerissen, nachdem es ebenso wie mehrere benachbarte Mansardenhäuser 1944 bei einem Luftangriff auf Zlín zerstört worden war. Die einzelnen Objekte haben eine Reihe nachträglicher Eingriffe durchgemacht (neuer Verputz, Wärmedämmung, Austausch architektonischer Details der Fenster- und Türtypen). Bei einigen Viertelhäusern ist das ursprüngliche ovale Fensterchen des Vorraums sichtbar. Die häufigste Abänderung der Häuser sind moderne verandaartige Anbauten, wodurch die Wohnfläche der räumlich bescheidenen Wohnungen vergrößert werden sollte. Dennoch ist bei einigen von ihnen das ursprüngliche Volumen und die Gesamtdisposition gut erkennbar, welche die frühe Entwicklungsphase der Firmenwohnungen in Zlín belegt.



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