cz en

Haus Trantírek

Datierung 1940
Architekt/in Viktor Jandásek
Kode Z6
Adresse Tř. Tomáše Bati 488, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Dlouhá (TROL 2, 4, 5, 9, BUS 33, 35, 36)
GPS 49.2259594N, 17.6679558E

Das in den Jahren 1939– 1940 für die Eheleute Maria und Eduard Trantírek gebaute Geschäfts- und Mietshaus füllte eine freigewordene Parzelle am südöstlichen Rand des heutigen Friedensplatzes, der seinerzeit als Masaryk-Platz bezeichnet wurde. Das traditionelle historische Stadtzentrum hat in den zwanziger und vor allem in den dreißiger Jahren eine Reihe bedeutender Veränderungen durchgemacht, die südliche Straßenfront wurde abgerissen, und der Bereich des Platzes wurde mit dem neu angelegten und 1934 fertiggestellten Tomáš-Baťa-Boulevard verbunden. Diese moderne Durchgangsstraße sollte einen besseren Kontakt zwischen dem neuen, sich hektisch entwickelnden Fabrikbereich und dem benachbarten Gemeinschaftszentrum des Platzes der Arbeit im Westen und dem ursprünglichen städtischen Zentrum im Osten gewährleisten. In dichter Nähe wuchs gleichzeitig eine ganze Reihe moderner Häuser für Kleingewerbetreibende empor, in denen die Geschäftsfunktion im Erdgeschoss mit einem Wohntrakt in den Stockwerken kombiniert wurde. Trantíreks Haus ist eines der qualitativ besten Hauptbeispiele dieser für Zlín in der Zwischenkriegszeit eigenen Typologie.
Der Kaufmann Eduard Trantírek war in der politischen Opposition zu den Vertretern der Firma Baťa aktiv und wirkte als Vertreter der Volkssozialistischen Partei. Für das ausgedehnte und über fünf Etagen gehende repräsentative Haus nutzte er ein attraktives Grundstück am Rande des Friedensplatzes. Die ersten Entwürfe aus dem Jahr 1938 tragen noch den Stempel von Architekt Miroslav Lorenc, jedoch entstanden erst im März 1939 die Baupläne, nach denen das Haus anschließend tatsächlich realisiert wurde. Sein Autor Viktor Jandásek arbeitete in den dreißiger und vierziger Jahren in der Stadt als ein Architekt und Baumeister, der insbesondere auf die Sphäre von Mietshäusern mit Geschäftsparterre konzentriert war. Auf dem Friedensplatz stand er hinter dem Bau von gleich zwei benachbarten Objekten – zeitgleich zu Trantíreks Haus entstand auch das daran angrenzende kleinere und um ein Stockwerk tiefere Wohnhaus von Richard Nesvadba. Sie teilen eine großzügige Verglasung und die eleganten Rundungen der Auslagenfenster im Erdgeschoss miteinander. Im Falle von Haus Trantírek ist das Parterre jedoch anhand der tief in die Wohntrakte eingerückten Eingänge plastischer strukturiert, die von der leichten Masse der komplett transparenten, abgerundeten Verkaufsflächen umgeben werden, denen falls nötig durch Stoffmarkisen Schatten gespendet werden kann. Der Architekt konzipierte das Wohnobjekt in dem Grundriss eines unregelmäßigen L, die längere Fassade ist zum Platz hin gewandt, die kürzere kopiert den Tomáš-Baťa-Boulevard. Die Ecken des Hauses und auch die über die gesamte Höhe der Wohnstockwerke gehenden mächtigen Risalite hat er ähnlich wie die Auslagenfenster deutlich abgerundet. In den Risalitpartien werden die einzelnen Stockwerke durch farblich abgesetzte durchgehende Gesimse voneinander abgesetzt. Die Bänder der überwiegend vierteiligen Fenster werden durch die braunen Klinker der Zwischenfensterpartien rhythmisiert, die auch mit den Fensterlaibungen in den übrigen Teilen der ansonsten komplett mit einer helleren Verkleidung versehenen Fassade korrespondieren. Die Hoffront beließ Viktor Jandásek rein und gliederte sie lediglich mit den subtilen Rohrgeländern der Balkone. Das unterkellerte Haus bot im Erdgeschoss 7 Geschäftsflächen (die größten in der Ecke) und in den darüberliegenden Stockwerken wiederum komfortable Zwei- oder Dreizimmerwohnungen mit großzügigen, überwiegend zur Straße hin orientierten Räumen und mit zum Hof hin gewandten Küchen und Badezimmern.
Das Objekt ist bis in die heutigen Tage in der ursprünglichen Form erhalten geblieben – die untere Etage dient immer noch als Geschäfts- und Einkaufsbereich mit sich abwechselnden Betreibern. Der Wohntrakt bleibt jedoch wegen sich hinziehenden Eigentumsstreitigkeiten langfristig mehr oder weniger leerstehend, und das Haus wird infolge mangelnder ständiger Pflege baufällig. Dieser Zustand hat jedoch die ursprünglichen architektonischen Details paradoxerweise konserviert (Holzfenster, verschiedenfarbige Fassadenverkleidungen, abgerundete Auslagenfenster im Erdgeschoss, Geländer der Innentreppen bzw. der zum Hof gewandten Balkone, scharfe Kanten der Fensterscheiben an den Ecken). Aus diesem Grund stellt Haus Trantírek heute auch ein herausragendes Vorzeigestück der funktionalistischen Architektur dar, die außerhalb der Auftragstätigkeit der Firma Baťa in Zlín realisiert wurde.

KE