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Aufschriften auf der Außenmauer um das Fabrikgelände

Datierung
Kode Z3
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Dvacátá (BUS 38) J. A. Bati (BUS 38)
Literatur
  • Antonín Cekota, Baťa, Menschen und Werk , Zlín 1935

Bestandteil des Form annehmenden Fabrikgeländes war auch die Einfriedung. Der ursprüngliche Holzzaun wurde in den Jahren 1924 und 1925 durch eine verputzte Backsteinmauer ersetzt. Ziel der Einfriedung war es – keineswegs überraschend – den Fabrikbesitz zu sichern. Um das zu erreichen wurde die Mauerkrone mit Glassplittern bestückt, die eine Überwindung der Mauer verhindern sollten. Gleichzeitig erhielt die Mauer noch eine weitere Aufgabe – die Einfriedung sollte sowohl auf die Fabrikarbeiter, als auch auf die Einwohner der Fabrikstadt ideologisch einwirken. Die Fabrikmauer wurde auf beiden Seiten mit Motivationssprüchen bedeckt. Regelmäßig geänderte Texte haben dort während der ganzen Zwischenkriegszeit überdauert, bis die neue Okkupationsverwaltung des nationalsozialistischen Deutschlands anordnete, die Aufschriften zu entfernen. Während der Aufbauzeit der stalinistischen Nachkriegsdiktatur haben neue Aufschriften die Mauer auf unbestimmte Dauer bedeckt, die wiederum dem neuen Regime ideologisch verpflichtet waren.
Die baťaschen Slogans an der Fabrikmauer befassten sich ebenso wie die Slogans an den Betonträgern in den Fabrikwerkstätten meistens mit der Arbeit, die häufig in Bezug auf Rationalität und Zeit interpretiert wurde. Arbeit konnte zur „schönsten Geliebten“ werden, wohingegen ihr hinauszögern ein „Zeitdieb“ war.
Die baťasche Kommunikation mittels Texten und Parolen war allgegenwärtig, neben denen in der Firmenumgebung drangen Motivationsaufschriften auch in den kommerziellen, schulischen oder öffentlichen Raum vor. Slogans wurden zur gängigen „Ausstattung“ in schulischen Unterrichtsräumen, im Markthallengebäude, im Kaufhaus und konnten auch in während der Sanierung der Südseite des T.-G-Masaryk-Platzes (heutiger Friedensplatz) abgerissenen Gebäuden gefunden werden. Ihren fließenden Übergang vom Fabrikraum in die öffentliche Sphäre gewährleisteten Zäune, Laternenpfähle und sogar auch Bürgersteige. Neben einer Reihe motivierender Slogans wie „Wer-We-ge-ver-kürzt, ver-läng-ert-das-Le-ben“ trugen die Pflastersteine der Zlíner Bürgersteige auch die Gedenkparole an den Firmengründer „Von-Ba-ťa-für-die-Lan-des-kin-der“.
Die im Fabrikareal und im öffentlichen Raum verstreuten Slogans brachten allgemeine Ansprüche der Industrie an das Leben in der Fabrikstadt zum Ausdruck, in der sich ihre Einwohner den genauen Zeitplan der Tagesaktivitäten zu eigen machen sollten. Die Identifizierung mit den Slogans sollte den Beschäftigten die automatisierten Bewegungen in der Fließarbeit erleichtern und ihre Körper an die genauen Vorgaben des Fabrikbetriebs anpassen. Durch die Aneignung dieser Ansprüche wurde ein Bürger der Fabrikstadt zu einem gehorsamen Subjekt, zu einem an die Gewohnheiten, Vorschriften und Ordnungen angepassten Individuum, von denen er ständig umgeben war und an ihm angewendet wurden.
 
Rekonstruktion der Aufschriften an der Fabrikmauer
 
Südseite der Fabrik (Aufschriften von Westen nach Osten) 
 
1927
UNSER KUNDE – UNSER HERR!
DIENST AN DER ÖFFENTLICHKEIT
FÜRCHTE DICH NICHT VOR DEN MENSCHEN [,] SONDERN VOR DIR SELBST
SCHÖPFERISCH[…]
[…] HINDERNISSE […]
FRÖHLICH VORAN
IN SCHNELL[…]
HILF DIR SELBST
EIN WORT ZUR RECHTEN ZEIT
WAS DU WILLST – KANNST DU
AUFSCHUB – EIN DIEB DER ZEIT
BESTE QUALITÄT NIEDRIGSTE PREISE
WIR LIEBEN BEWEGUNG
LASST TATEN SPRECHEN
NACH GUTER ARBEIT GUTE UNTER[HALTUNG]
 
1927/1928
DIENST AN DER ÖFFENTLICHKEIT
LASST UNS HINDERNISSE ÜBERWINDEN – SEIEN WIR SIEGER
UNSER KUNDE – UNSER HERR!
 
1932
DIENST AN DER ÖFFENTLICHKEIT
LASST UNS HINDERNISSE ÜBERWINDEN 

 

1. 5. 1933
DIEN[ST?] AN DER ÖFFENTLICHKEIT
LASST UNS HINDERNISSE ÜBERWINDEN – SEIEN WIR SIEGER
UNSER KUNDE – UNSER HERR!
 
1. 5. 1934
[…]EIT GUTE UNTERHALTUNG
WIR WOLLEN ALLEN DIENEN
LASST UNS DIE VERGANGENHEIT ÜBERWINDEN
 
1934
ARBEIT – […] NOTWENDIGKEIT
 
Undatiert – veröffentlicht in dem Buch „Baťa, Menschen und Werk“, 1935
[?] GERADE GUT FÜR UNS
[WIR SIND] EINE FAMILIE
FÜRCHTE DICH NICHT […] SONDERN VOR DIR SELBST
SCHÖPFERISCHE ARBEIT ZUM WOHLSTAND FÜR ALLE
LERN[EN] WIR SPRA[CHE]N 
EHRET DIE ARBEIT
SEIEN WIR GEWINNER
GEEHRT SEI DIE ARBEIT
GUTE SCHUHE – GUTE LAUNE
DIE FRÖHLICHEN VORAN
IN DER SCHNELLIGKEIT LIEGT DIE KRAFT
LASST UNS SIEGER SEIN [,] KEINE SCHULDNER
WAS DU WILLST – KANNST DU
AUFSCHUB EIN DIE[…]
[…] ALLEN DIENEN
LASST UNS DIE VERGANGENHEIT ÜBERWINDEN
 
Erste Hälfte 1930er Jahre
[…] SIEGER
DAS BESTE AUF DER WELT IST GERADE GUT FÜR UNS
 
1. 5. 1936
[…] ARBEIT GUTE UNTERHALTUNG
WIR WOLLEN ALLEN DIENEN
LASST UNS DIE VERGANGENH[EIT] ÜBERWINDEN
 
Rok 1937
[NACH?] GUTER ARBEIT GUTE UNTERHALTUNG
 
Undatiert – vor 1939
GEEHRT SEI DIE ARBEIT
GUTE SCHU[HE –] GU[TE LAUNE]
[…] ALLEN DIENEN
LASST UNS DIE VERGANGENHEIT ÜBERWINDEN
 
Rok 1950:
UdSSR – EINE SICHERHEITSGARANTIE
IN VEREINTER […]
[…]
 
Nordseite des Betriebs (Aufschriften von Ost nach West)
 
Erste Hälfte 1930er Jahre (nordwestliche Spitze)
[…] BEWEGT DIE MASSE
WO SICH STÄRKE KONZENTRIERT
MUT – […]
 
Undatiert – vor 1939 (wahrscheinlich am Bahnhof)
[LASST] UNS DIE ERSTEN SEIN
 
 
MM