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Experimentelles hotelartiges Korridorhaus (Drofa)

Datierung 1959–1963 (P)
Architekt/in Miroslav Drofa
Kode Z5
Adresse Zálešná 4057, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Padělky IX (TROL 2, 4, 5, 8)
GPS 49.2322597N, 17.6843400E

Am Rande des Wohnviertels Zálešná wuchs in der ersten Hälfte der 1960er Jahre ein einzigartiges Hochhaus empor. Mit seiner architektonischen Form verweist es deutlich auf die lokale Bautradition und auf die baťasche Vergangenheit der Stadt, jedoch entstand es in einem völlig anderen politischen Kontext als Teil des gesamtstaatlichen experimentellen Bauens. 
Am Entwurf des bereits in der Planungsphase nach seinem Autor als Typ „Drofa“ bezeichneten zehnstöckigen Plattenbaus hat der damals in der Gottwaldover Planungsorganisation Centroprojekt tätige Architekt Miroslav Drofa ab 1959 gearbeitet. Drofa war seit den 1930er Jahren bei den Baťas an der Entwicklung einer Typologie für standardisierte Firmenwohnungen beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden seine Pläne für die Turmhäuser und die Morýs-Appartementhäuser aus den Jahren 1947–1950, die das Familienleben in der Stadt auf mehrgeschossige Mietwohnungen mit kollektiv genutzten Dienstleistung wie Kindergärten, Wäschereien, Kantinen oder Clubräume verlagerten. 
Im Abstand eines weiteren Jahrzehnts wurde, nachdem in Litvinov und Gottwaldov zwei Kollektivhäuser fertiggestellt worden waren, von den offiziellen, den Wohnungsbau in der Tschechoslowakei steuernden Organen mit dem Bauministerium an der Spitze und auf Grundlage einer Expertise des Forschungsinstituts für Bau und Architektur beschlossen, experimentellen Wohnformen mehr Raum zu widmen. Es sollten neue Technologien und Konstruktionen, Materialien, Dispositionen sowie Wohnungstypen getestet und anschließend in großem Maßstab so umgesetzt werden, um damit die wirtschaftlichsten und schnellsten Ergebnisse zu erzielen. Zusammen mit Drofas Hotelhaus wird das experimentelle Bauen in Gottwaldov auch durch Arnošt Kubečkas Wohnhaus Družba repräsentiert.
Hotelartige Häuser sollten auf zeitweilige Wohnungen für Ein- und Zweipersonenhaushalte ausgerichtet sein, die kein großräumiges und kostspieliges Umfeld wie Familienhaushalte benötigten. Der Wohnkomfort sollte durch Erholungseinrichtungen für alle Bewohner gesteigert werden. Neben Gottwaldov entstanden in den frühen 1960er Jahren auch in České Budějovice, Prag und Olmütz hotelartige Häuser. Drofas Ende 1963 fertiggestelltes Haus bot kinderlosen Personen und Senioren kleine Wohnungen mit minimalen Küchenecken im Vorraum. Den Bewohnern stand später auch ein benachbarter selbständiger zweistöckiger Pavillon mit Geschäften und Gemeinschaftsdienstleistungen zur Verfügung. In den ursprünglichen Plänen war vorgesehen, diesen durch einen Gang mit dem Haus zu verbinden.
Das Hotelhaus steht zwischen dem kleinen Freistädter (oft auch Januštice genannten) Bach und einer mit niedrigen Arbeiterdoppelhäusern bebauten Wohnzone. Einige von ihnen wurden während der Errichtung des Hotelhauses abgerissen. Wegen seiner Größe bildet es eine natürliche visuelle Dominante des gesamten Gebietes. Zusammen mit anderen Hochhäusern aus den 1960er Jahren (die Hochhäuser des Architekten Adolf Zikmund in der Ševcovská-Straße oder das Wohnhaus in der Sokolská-Straße von Miloš Totušek) prägte es das Stadtbild entscheidend mit.
Die zehn Wohnetagen werden von einem Stahlbetonskelett mit einem Modul von 6 × 6 m getragen, dessen runde Stützen, die die gesamte Fassadenhöhe überspannen, mit einer speziellen Stahlschalung hergestellt wurden. Die Füllungen der einzelnen Module bestehen aus Backsteinmauern, Betonschwellen mit wellenförmiger Textur und Fensterbändern in Stahlrahmen.
Die Mächtigkeit und Erdverbundenheit des Hauses wird durch den spielerischen Rhythmus der dekorativ gestalteten Brüstungen (weiß und burgunderrot gefärbter Schlackenbeton), der offenen überdachten Terrasse im Dachgeschoss und den gut bekannten perforierten Betonfertigteilen der Terrasse und Loggien an den Seitenfassaden aufgelockert. Der zum Bach hin orientierte Haupteingang des Hauses wird durch eine kurze Treppe und ein unauffälliges Betonvordach akzentuiert. Die Ostfassade wird durch ein über die gesamte Modulbreite gehendes Treppenhausfensterband halbiert, dessen Mittelteil aus Glasbausteinen besteht, die der Architekt bereits bei den Morys-Häusern verwendet hatte.
Architekt Drofa konzipierte das Hotelhaus als Dreiertrakt. Die nach Westen und Osten orientierten Wohneinheiten sind durch einen schmaleren Korridor voneinander getrennt. Die vertikale Gebäudeerschließung besteht aus zwei Personenaufzügen für sechs Personen in der Mitte der Anlage und aus einer Doppeltreppe an der Ostfassade. Die meisten der 173 Einheiten sind Einzimmerwohnungen mit einem Vorraum, der eine kleine Küchenecke und ein Bad mit Badewanne und WC enthält. Gegenüber den Aufzügen gibt es außerdem 26 Garçonnièren in halber Modulgröße. Im Souterrain befanden sich Waschräume, Trockenräume, Keller, eine Müllverbrennungsanlage und einer im Erdgeschoss untergebrachten Hausmeisterwohnung.
Während der Vorbereitungen und des Baus des Hotelgebäudes selbst wurde die Aufteilung der Wohnräume unter dem Druck finanzieller Einsparungen intensiv diskutiert und geändert, auch die Materialwahl erlitt unerwünschte Einschränkungen (Nichtverfügbarkeit von Bodenbelägen aus Zlinolit, Glasbausteinen, Streichung der geplanten Spanplatten-Trennwände).
Das Haus ist seit dem Jahr 2000 in der Liste der unbeweglichen Kulturdenkmäler eingetragen und befindet sich im Besitz der statutarischen Stadt Zlín, weshalb seine architektonische Form relativ authentisch erhalten geblieben ist. Auch trotz einzelner Veränderungen können in den Innenräumen bis heute eine Reihe von Originaldetails entdeckt werden, wie etwa die zweiflügeligen Schwingtüren und der Terrazzofußboden in der Eingangshalle und im Treppenhaus, die Friesfußböden, die Einbauschränke und Holzfüllungen in einigen Wohnungen oder die Metallgitterabdeckungen der Heizkörper in den Korridoren. Die Stadt plant eine Gesamtsanierung und will gleichzeitig bestmöglichst eine Wohneinheit wieder im ursprünglichen Zustand als Musterwohnung herrichten.
 
 
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