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Gemeinschaftshaus

Datierung 1931–1933
Kode Z1
Adresse náměstí Práce 2512, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: náměstí Práce (TROL 2, 3, 4, 5, 6, 10, 11, 12, 13, 14, BUS 38)
GPS 49.2211194N, 17.6612339E

Im Laufe der zwanziger und besonders der dreißiger Jahre vergangenen Jahrhunderts begann sich die Firma Baťa im Einklang mit den Prinzipen des sog. Wohlfahrtskapitalismus auf eine gezielte Verbesserung des Komforts ihrer Beschäftigen außerhalb der Arbeitszeit zu konzentrieren. Die Firmenleitung ließ sich auf ihren Reisen nach Übersee vom Funktionsprinzip der amerikanischen Industriegesellschaften inspirieren und hat ihre Erfahrungen auch in Zlín umgesetzt. Absicht war es, den Arbeitern ein sinnvolles Angebot der Freizeitgestaltung zu bieten, womit die Firma ihnen gleichzeitig Bildung vermittelte und sie zu einer modernen städtischen Lebensweise bewegte. Ähnliche Bemühungen konzentrierten sich besonders auf den Bereich des in dichter Nachbarschaft des Firmenareals neu entstehenden Platzes der Arbeit. Das alles hat sich zunächst fieberhaft, dann nach und nach gezielt gemäß den städtebaulichen Plänen von František Lýdie Gahura als Geschäfts- und Gesellschaftzentrum der Industriestadt entwickelt und sollte den historischen Masaryk-Platz (heute Friedensplatz) ersetzen.
Im Jahr 1931 entstand der erste Entwurf eines elfstöckigen Hotels kombiniert mit gesellschaftlichen Funktionen. Das fast in einer Achse zum Fabrikeingang stehende Haus hat den Platz der Arbeit an der erhöhten südlichen Seite abgeschlossen. Sein Autor und damaliger Angestellter der Bauabteilung des Unternehmens Baťa Miroslav Lorenc hatte ein Studium an der Prager Akademie der Bildenden Künste hinter sich und während seiner Zusammenarbeit mit den Avantgarde-Architekten Josef Gočár, Pavel Janák bzw. Jaromír Krejcar Praxis erworben. Die Behandlung und auch die konstruktivistische Form des Zlíner Gemeinschaftshauses in Form eines mit leichten Fensterbändern gefüllten Skelettbaus mit Markisen und Werbeaufschriften an der Fassade spiegelt zeitgenössische Großstadtpalais und Geschäftshäuser wieder, beispielsweise das Prager Palais Olympic von Krejcar.
Architekt Lorenc verließ den Betrieb jedoch kurz darauf wegen Differenzen bzgl. der Finanzierung des benachbarten Großen Kinos und gründete ein eigenes Büro. Der angefangene Hotelbau blieb in Form eines leeren Skeletts als Torso im Zentrum der Stadt zurück. Tomáš Baťa vergab an zwei Firmenarchitekten die Ausarbeitung von Musterzimmern, wobei auf Grundlage der Ergebnisse ein weiterer Architekt für das Hotel ausgewählt werde. František L. Gahura wählte die spartanischere Variante einer Gemeinschaftsunterkunft mit gemeinsamer Sanitäreinrichtung auf dem Flur. Vladimír Karfík fasste die Zelle eines Hotelzimmers als luxuriösen Erholungsbereich amerikanischen Typs auf, der mit Bugholzmöbeln aus verchromten Stahlrohren, einem Telefon und insbesondere mit eigenem Badezimmer ausgestattet ist. Dies brachte ihm laut seinen Memoiren die Erteilung des Auftrags und den Zuspruch der Firmenleitung ein, die im Hotel eine einzigartige Atmosphäre ausländischer Großstadtbetriebe mit außergewöhnlichem Wohnkomfort und zusätzlichen Dienstleistungen erzielen wollte.

Karfík nutzte Lorenc’ Skelett als Grundlage für seine formal mehr an die architektonische Firmenästhetik und die Bauregelungen angepasste funktionalistische Auffassung, und das Hotel wurde in Etappen fertiggestellt. Die Moduleinheiten im Parterre und im ersten Stock füllte er komplett mit zusammenhängenden Fabrikglasflächen in grünen Rahmen. Zusammen mit einer mächtigen vorgesetzten Markise leitete er damit den Eingangs- und Gemeinschaftsbereich ein. Dieser sollte eine großflächige Volkskantine und ein feudaleres französisches Restaurant, Freizeiträume mit Tischtennisplatten und Billardtischen, einen Friseurladen, ein Café mit Parkett, ein Buffet und einem Vortrags- und Theatersaal enthalten und eine „Umgebung schaffen, die man nur in internationalen Betrieben begegnen kann“. Die übrigen acht Etagen boten außer den Büros der Hotelleitung und den Schlafzimmern der Angestellten 300 komfortabel eingerichtete Hotelzimmer verschiedener Größe für ungefähr 700 Gäste.
Die Außenkomposition wurde durch eine klassische unverputzte Ziegelausmauerung gebildet, die pro Modul immer von zwei kleineren amerikanischen Schiebefenstern in Holzrahmen durchbrochen wird. Die letzte, elfte Etage entlastete Karfík durch großzügige, frei zugängliche Aussichtsterrassen mit überdachtem Tanzparkett. Die Anordnung des Hotels konzipierte er, so wie es in der Zlíner Umgebung Standard war, als Dreiertrakt. Der zentrale Flur wurde durch rechteckige Fenster an der schmaleren West- und Ostfassade beleuchtet. Eine weitere Lichtquelle waren Fenster an der zweiläufigen Treppe in der Mitte des Gebäudes, die zusammen mit den Personenaufzügen alle Etagen miteinander verband. Das durch lange vertikale sichtbare Stahlbetonpfeiler und Zwischenfensterbänder erzielte rhythmische Fassadenraster geometrisiert die Fassade des zentralen Hochhauses am Platz der Arbeit und stellt eine markante Blickdominante der Stadt dar.
Das nach Februar 1948 in Hotel Moskau umbenannte Hotel hat im Laufe des Nachkriegsjahrzehnts leider eine Reihe wesentlicher Umbauten durchgemacht, die rasante Eingriffe in sein ursprüngliches Aussehen waren. An der Ost- und Westseite wurden zwischen den Jahren 1987–1989 mit Zustimmung des Autors zwei mächtige verglaste Feuertreppentürme angebaut. Die Freiterrasse im letzten Stock wurde zugebaut und ab den neunziger Jahren zu Maisonettewohnungen hergerichtet. Beide Veränderungen haben zusammen mit den gedrängten modernen Anbauten an der Hotelsüdseite und dem Austausch der ursprünglichen Rahmen der großformatigen Fenster in den ersten zwei Stockwerken die frühere Leichtigkeit der Formgebung des Hotelobjektes überaus gestört. Ein großer Teil der repräsentativen Innenräume, und zwar besonders in den öffentlich zugänglichen Gemeinschaftsetagen (aber auch im Wohnteil), wurde komplett zunichte gemacht. Sie waren in mehreren Schüben von qualitativ nicht allzu hochwertigen Umbauten betroffen.
Das Objekt selbst ist nicht denkmalgeschützt, obwohl bereits Mitte der neunziger Jahre Versuche diesbezüglich unternommen wurden. Hauptgrund für die Ablehnung war die schlecht erkennbare Form des Originalzustandes. Das Hotel wurde zum Bestandteil der städtischen Denkmalzone, und die Möglichkeiten weiterer Eingaben sind relativ begrenzt. Auf seine würdige, idealerweise im Rahmen eines Architekturwettbewerbs realisierte Sanierung, tut es bislang immer noch warten.

 

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