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Markthalle

Datierung 1926–1927
Kode Z1
Adresse Náměstí Práce 1099, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: náměstí Práce (TROL 2, 3, 4, 5, 6, 10, 11, 12, 13, 14, BUS 38)
GPS 49.2229297N, 17.6617856E

Mit dem in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts erfolgten Aufschwung der Baťa-Schuhwerke, der auch trotz der aufkommenden Wirtschaftskrise weiterging, ist auch der Bau von Kaufhäusern, von eigenständigen Verkaufsläden verbunden, die von der zeitgenössischen Presse am häufigsten als Dienstleistungshaus bezeichnet wurden. In modern eingerichteten Räumen wurde von geschulten Verkäufern Firmenprodukte vertrieben, außer Schuhen boten sie auch andere Dienstleistungen und Sortimente an. Am 22. Mai 1926 wurde in Zlín ein Bauantrag für ein neues Konsumgebäude gestellt. Autor des Entwurfs und der Bauausführung war die Baufirma von Ing. Alois Jambor aus Hranice. Das Gebäude sollte die Verpflegung für 5 000 Menschen gewährleisten, bei denen es sich hauptsächlich um Firmenmitarbeiter handelte. Zusammen mit anderen Objekten, die nach und nach am neu angelegten Platz der Arbeit entstanden, sollte auch das erste Kaufhaus die Infrastruktur für die immer größer werdende Anzahl an Firmenmitarbeitern verbessern, die im Jahr 1927 11 Tausend überstieg.
Die über drei Etagen gehende Markthalle wuchs auf einer bis dahin unbebauten Parzelle empor, die von der von Otrokovice nach Vizovice führenden Landstraße und der Eisenbahntrasse des Fabrikanschlussgleises umgrenzt wurde, die vom Bahnhof in die Ziegelei führte (an der Stelle des heutigen Leichtathletikstadions). Das Kaufhaus war der erste öffentliche Bau, bei dem das Konstruktionssystem von 6,15 × 6,15 m und ein Modulraster von 13 × 3 Feldern verwendet wurde. Ebenso wie bei den standardisierten Gebäuden im Fabrikareal bildet auch hier ein Stahlbetonskelett das Grundgerüst des neuen Geschäftszentrums. Identisch war auch die zweiläufige Treppe, die sich im an der Nordseite an die Gebäudemitte gesetzten Anbau befand. Anfänglich handelte es sich dabei eher um eine pragmatische Entscheidung, welche eine finanzielle Optimierung des Baus gewährleisten sollte. Sie hatte jedoch die Schaffung eines klar lesbaren Stils zur Folge, mit dem der Aufbau der Firma auch außerhalb von Zlín erkennbar war. Im Erdgeschoss des Kaufhauses waren ein Lebensmittelladen und ein Lebensmittellager untergebracht, der erste und zweite Stock dienten dann als Kantinen für Bedienstete und Arbeiter. In der Mitte der Stockwerke befanden sich die Küchen und Wäschereien, die vom Hauptkorridor abgetrennt waren. Gut ausgestattete Geschäfte mit frischen Rohstoffen und der Möglichkeit einer Hauslieferung waren eines der Mittel, mit denen die Firma ihre Beschäftigten zur städtischen Lebensart erzog.
Bereits Ende 1927 ersuchte die Firma Baťa um die Genehmigung, einen Kinosaal zu betreiben. Dieser nahm den gesamten Raum der zweiten Etage ein. Der Zuschauerraum war 79 m lang und 19 m breit, die Kapazität des Saales wurde von seinen ursprünglich 876 Sitzplätzen nach und nach auf 1 200 gesteigert. Bestandteil dieses Raumes waren auch Garderoben und ein Wartesaal. Die eine geschäftliche und kulturelle Nutzung vereinende aktualisierte Funktion der Markthalle verwandelte das Kaufhaus bald zu einem gesellschaftlichen Zentrum, zu dem tausende von Menschen hinströmten. Außer Filmvorführungen wurde dort auch Theater gespielt, stellvertretend für alle kann das Stück des Redakteurs der Betriebszeitung Jaroslav Pagáč Der schwarze Saal genannt werden, dessen Handlung dem Familienleben der in der Fabrik beschäftigten Menschen gewidmet ist. Außer kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen haben dort beispielsweise auch Boxveranstaltungen stattgefunden.
Im Jahr 1928 erfolgte die Bauabnahme eines weiteren Flügels, der an die Ostecke der Markthalle angebaut wurde. Der Flügel bot Verkaufskioske und Buffets und wurde von einem einstöckigen kleinen Pavillon mit Café abgeschlossen. Dank der Anlage des Gebäudes in Form eines L entstand ein halbgeschlossener öffentlicher Raum, in dem Märkte abgehalten wurden. Als das daran angrenzende Kaufhaus im Jahr 1932 seinen vollen Betrieb aufnahm, wurde der Flügel wegen Änderung einer Verkehrskreuzung abgerissen. Trotzdem blieb die Markthalle ein Ort, der mit dem Alltag der Zlíner aktiv verbunden war.
Das Gebäude hat eine große Fülle an Veränderungen und oftmals rücksichtslosen Umbauten durchgemacht. In beiden Ecktrakten wurden Treppen hinzugefügt, der ursprüngliche Anbau mit dem Eingang wurde abgerissen, und ein neuer wurde an die Südseite gesetzt, heute befindet sich dort eine Treppe und ein Aufzug. Der häufige Bestimmungswandel des Objektes und seiner Betriebsstätten konnte aufgrund des Skelettsystems realisiert werden, das sowohl eine Anpassung an den Betrieb von kleinen Verkaufsläden als auch von Großkantinen und Lagern ermöglicht. Im Jahr 2012 wurde der Bau teilweise saniert, wobei Fenster und viele Materialien im Gebäudeinnern ausgetauscht wurden. Heute dient das Gebäude der Markthalle zu kommerziellen Zwecken und bietet eine Fülle von Geschäften, in der dritten Etage wird ein Restaurant betrieben. Das größte Übel des Gebäudes ist die große Fülle an visuellem Smog an der Fassade, der auf unkultivierte Art und Weise den ursprünglichen Charakter des Gebäudes verdeckt.