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Filmatelier der Firma Baťa

Datierung 1935–1936
Architekt/in Vladimír Karfík
Kode Z9
Adresse Filmová 174, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Filmové ateliéry, točna (BUS 31) Filmové ateliéry (BUS 31)
GPS 49.2006619N, 17.6709372E

Das erste Filmatelier wurde im unbebauten Teil der ungefähr 2,5 km von Zlín entfernten Gemeinde Kudlov errichtet. Erst nach Entstehung des sog. Großen Zlíns im Jahr 1938 wurde Kudlov eine selbständige Gemeinde mit älterer Bebauung und angrenzenden Grundstücken, die fast ausschließlich alle bewirtschaftet wurden. Gerade dort fanden die Filmleute in dem hügeligen Gelände inmitten von Wiesen und Wäldern ein ideales ruhiges Plätzchen zum Drehen und Bearbeiten von Filmen.
Das neue Gebäude sollte die Werbe- und Filmambitionen der bereits von Jan Antonín Baťas Persönlichkeit repräsentierten Firma Baťa zur Entfaltung bringen. Von der Wichtigkeit des Filmateliers zeugt nicht nur die aus dem Ausland stammende hervorragende Ausstattung, sondern auch die Schnelligkeit, mit der das Gebäude in nicht ganz neun Monaten errichtet wurde (von September 1935 bis Anfang Juni 1936). 
Ein weiterer Faktor ist die Tatsache, dass der Entwurf von Vladimír Karfík, dem Leiter der Bauabteilung der Firma Baťa stammt. Zur Zeit der Ausarbeitung der Baupläne hatte der Architekt bereits sechs Jahre Praxis für das schnell expandierende Unternehmen hinter sich. Während dieser Zeit machte er flexibel von dem Modulsystem von 6,15 × 6,15 m für verschiedene Gebäudetypen Gebrauch – abgesehen von Fabrikgebäuden handelte es sich dabei um Hotels, Schulen oder Kirchen. Das Baťasche System diente auch gut für den Bau der Filmateliers, bei denen Karfík auch seine in den USA gemachten Erfahrungen, wo er Praxis erworben hatte und auch Hollywood besuchte, zinsbringend umsetzte.
Das mit einem Flachdach versehene Gebäude wurde als klassisches Dreiertrakt-Fabrikobjekt entworfen. Es wurde an einem Hang errichtet und ist teilweise unterkellert. Im Innern ist das Haus in einen Verwaltungstrakt und in das eigentliche, durch alle Stockwerke gehende Atelier unterteilt. Diese funktionale Aufteilung spiegelt sich auch in der Fassade wieder. Die des Ateliers besteht fast komplett aus Blankziegeln und wird nur von einer Gruppe kleinerer Fenster und von der Versorgungseinfahrt des Gebäudes durchbrochen. Das Atelier hat die Maße von ungefähr 18,45 × 12,3 m, im Innern befinden sich keine Säulen. Das Dach wird von Stahlgitterträgern getragen, die in einer Höhe von 9 m auch mit einem Geländer versehene Laufstege für Filmtechnik und Beleuchtung tragen. Der Drehraum wurde von insgesamt 25 Glühbirnen- und 5 Kohlenstoffreflektoren beleuchtet. Aus akustischen Gründen wurden die Wände und die Decke mit Herakllith-Platten verkleidet.
Das Atelier ist ein wenig höher als der Verwaltungstrakt, der durch runde, mit Ziegelsteinen ausgemauerte Stahlbetonsäulen gegliedert wird. In jedes Modul wurden vier vierteilige Fenster gesetzt, im Treppenbereich wurde dieses Raster zu einer Kombination von zwei- und vierteiligen Fenstern geändert. Das Gebäude wird von einem subtilen Dachgesims umsäumt. Der Haupteingang wurde an die Südseite gelegt, die zweiflügelige Tür führt in eine geräumige Halle, die Büroräume und Verarbeitungsräume vereint, ein schmaler isolierter Korridor verbindet den Verwaltungsbereich mit dem Atelier.
Am Rand des Moduls befindet sich eine zweiläufige Treppe, um zu den Stockwerken zu gelangen. In der ersten Etage wurden die Garderoben für die Schauspieler, Schauspielerinnen und Komparsen untergebracht, ferner Waschräume und ein Vorführungsraum zum Abspielen unfertiger Filme. Die zweite Etage dient zur Aufbewahrung von Dokumentarfilmmaterial, dort befanden sich Schneideräume und Arbeitsräume zur Filmmontage, ein Kopierraum sowie ein Betonarchiv. Das Souterrain dient als Materiallager für Filmaufbauten (Kulissen, Möbel, Tischlerei usw.). Daneben sind dort auch die Laborräume zur Bearbeitung des Filmmaterials zugänglich. Die Disposition jeder Etage war jeweils unterschiedlich und nutzte die Möglichkeiten des Skelettsystems von 6,15 × 6,15 m voll und ganz aus.
Die Kapazität des Filmatelierobjekts kam bald an ihre Grenzen, sodass in den vierziger Jahren in seiner Nachbarschaft bereits provisorische Erdgeschossgebäude und eine Trafostation hinzukamen. Im Jahr 1944 brach im Atelier ein Feuer aus, bei dem das Archiv, der Schneide- und der Kopierraum in der zweiten Etage zerstört wurden, ein Jahr später wurde das Objekt während der Befreiung von Minen zerstört. Trotzdem wurde der Betrieb dort bald wieder aufgenommen, und das Filmareal wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts um ein Objekt für Labors und um weitere Betriebsstätten erweitert.
Im Gebäude selbst durften keine Wohneinheiten untergebracht werden, weswegen parallel zur Errichtung des Ateliers nur einige Dutzend Meter von ihm entfernt ein standardmäßiges Firmendoppelhaus gebaut wurde. In den ersten Jahren wohnten dort der Elektromechaniker Emil Poupera und der Schreiner Karel Paták. Nach Entstehung des neuen für die Beschäftigen der Ateliers bestimmten Wohnviertels Fabiánka wurde das ursprüngliche Haus abgerissen. Heute gehört das Gebäude des Filmateliers einem privaten Eigentümer und dient immer noch zu seinem früheren Zweck. Der letzte Film wurde dort 2018 gedreht. Der ehemalige Eingang wurde verlegt, und an der Südfassade des Gebäudes wurde ein neues Objekt angebaut.