cz en

Krematorium

Datierung 1975–1978
Kode Z8
Adresse Filmová 412, Zlín
Öffentlicher Nahverkehr Öffentlicher Nahverkehr: Lesní hřbitov (BUS 31)
GPS 49.2013686N, 17.6622831E

Der Komplex des Krematoriums im Areal des Zlíner Waldfriedhof ist das ausdrucksvollste Werk des Architekten Jiří Čančík mit bedeutungsvollem gedanklichen Gehalt. Der Friedhof liegt südlich vom Stadtzentrum im Stadtteil Kudlov. Gegründet wurde er 1932 von Tomáš Baťa nach einem Entwurf des bedeutenden Zlíner Architekten der Zwischenkriegszeit František Lýdie Gahury. Im Jahr 1959 erfolgten bereits die ersten Verhandlungen über die Notwendigkeit in Gottwaldov ein Krematorium zu errichten, und man beschloss, die erforderichen Unterlagen nach und nach zu besorgen und mit den Planungsarbeiten zu beginnen. Für das Projekt wurde ein Entwurf des Architekten und Mitarbeiter des örtlichen Planungsbüros Stavoprojekt Jiří Čančík ausgewählt. Der Komplex umfasst ein Eingangsobjekt sowie das Gebäude des Krematoriums mit Zeremonienhalle und einem Betriebsteil. Er wurde für seine Zeit völlig untraditionell und modern konzipiert. Nach einer Reihe von Verhandlungen hat man im April 1975 mit der Errichtung des Baus begonnen, der im September 1977 fertiggestellt wurde. Den Bauabnahmebescheid erhielt er am 14. April 1978. 
Beide einstöckigen Objekte befinden sich im nordwestlichen Teil des Friedhofs am Haupteingang vor und hinter der Friedhofsmauer. Das Hauptgebäude des Krematoriums hat im Betriebsteschnischen Teil ein Souterrain. Die waagerechte Tragekonstruktion besteht aus Stahlbeton. Die Zeremonienhalle hat eine Fläche von 920 m2 und ein über den Grundriss hinausreichendes Dach aus einer ummantelten Fachwerkkonstruktion aus Stahl (System GYRO). Der größte Teil der Hülle der Zeremonienhalle ist aus Glas. Drei verglaste Wände verbinden Innen- und Außenraum miteinander und ermöglichen einen visuellen Kontakt mit dem umliegenden Grün. Diese wirkungsvolle Lösung mit offenem Raum ruft eine Atmosphäre stiller Meditation über die Rückkehr des Menschen zur Natur und der Verschmelzung mit ihr hervor, sie beruhigt die Emotionen und hilft dabei, mit dem traurigen Ereignis fertigzuwerden. 
Das intim gehaltene Interieur der Zeremonienhalle wird noch verstärkt durch eine originelle Vorrichtung zum Verschieben des Sarges mit schrägem Abtransport hinter eine Reliefwand aus Kristallglas namens Baum des Lebens von Stanislav Libensky und Jaroslava Brychtová.
Neben der Trauerfeierhalle mit Musikstudio und einer Galerie für Musiker verfügt dieser Bereich über einen Eingangsbereich, einen Warteraum für die nächsten Hinterbliebenen, einen weiteren für die übrigen Trauergäste und einen verglasten Ausstellungsbereich. Das Interieur wird ergänzt durch den Wandteppich Kontinuität des Lebens (Hoffnung) von Vlasta Čančíková. An die Zeremonienhalle schließt an der Nordseite direkt das Betriebsgebäude an. In diesem Teil befinden sich die Feuerstätte mit zwei Kremationsgasöfen, ein Verbrennungsofen für die Entsorgung von Blumen, ein Kesselraum, Kühlboxen, das Hauptbüro des Krematoriums, Personalumkleideräume, ein Raum für das Personal und die technische Zufahrt.
Als Bestandteil des Krematoriumkomplexes wurde im Rahmen der Städtebaustruktur ein selbständiges, ursprünglich einstöckiges Eingangsobjekt vor dem Friedhofstor entworfen, wo Architekt Čančík die Verwaltung des Krematoriums, eine Blumenhalle, öffentliche Toiletten, den technischen Hof und einen Parkplatz hin verlegte. Die räumliche Anordnung des Baus mit rechteckigem Grundriss wurde dem gewünschten Zweck angepasst. Die Hauptfassade hatte einen überdachten Säulengang. Ebenso wie beim Gebäude des Krematoriums wurde eine Kombination zwischen einer Verkleidung aus Keramikplatten, Horschitzer Sandstein und verglasten Wänden mit Aluminiumprofilen verwendet. Im Unterschied zur Zeremonienhalle und dem mit ihr verbundenen technischen Betrieb wurde das Eingangsobjekt im Jahr 1994 so umgebaut, dass in einem einstöckigen Überbau Wohnungen hinzukamen.
Investor des Baus war der Bezirksnationalausschuss Gottwaldov, Generalprojektant die Planungsgesellschaft Stavoprojekt Gottwaldov, Generallieferant der staatseigene Betrieb Průmyslové stavby (Industriebauten) Gottwaldov und Bauleiter Bauingenieur Petr Pinkava. Die Kosten für den Bau betrugen 15 600 000 tschechoslowakische Kronen. Die Stadt erhielt mit der Ausführung von Čančíks Entwurf ein modernes Krematorium, das bis heute ohne wesentliche Änderungen und bauliche Eingriffe seinem Zweck dient.
 
LH